Alles nur Schauspiel?  „Anzeigenhauptmeister“ nach Sturz in Kaufbeuren in der Kritik – Jetzt spricht ein Anwalt

 „Anzeigenhauptmeister“ nach Sturz in Kaufbeuren in der Kritik – Jetzt spricht ein Anwalt
Der Kemptener Anwalt Orhan Uyar von der Kanzlei am Forum (rechts) äußert sich ganz deutlich zum Sturz vom "Anzeigenhauptmeister". (Bild: Tobias Bleher)

Auf seinem Streifzug durch Kaufbeuren ist der Anzeigenhauptmeister vergangene Woche in Streit geraten und nach einer kleinen Rangelei zu Boden gestürzt. Im Netz wird der 18-Jährige dafür als Schauspieler betitelt und auch ein Kemptner Anwalt sagt: Das könnte strafrechtliche Folgen haben!

An diesem Video kam in den letzten Tagen wohl kaum ein Web-Nutzer vorbei: Der deutsche „Anzeigenhauptmeister“ Niclas Matthei war unterwegs in Kaufbeuren. Das idyllische Städtchen im Allgäu wurde nichtsahnend zum Schauplatz eines skurrilen Streits, der derzeit im Netz heiß diskutiert wird. Was war passiert?

Der junge Mann, der hobbymäßig Falschparker dokumentiert und verpfeift, ist in einen öffentlichen Streit mit der Fahrerin eines Mercedes-Benz geraten. Die Frau, die mit ihrem Wagen im Halteverbot stand, versuchte schließlich, Niclas Matthei das Handy abzunehmen, um die Aufnahmen darauf zu löschen. Bei der kleinen Rangelei mit den Händen, fällt der 18-Jährige plötzlich zu Boden. Kurz darauf fährt ein Rettungswagen vor, den der Anzeigenhauptmeister eigens herbeigerufen hat. Sein Gegenüber, eine 32-jährige Mutter, ist nun mit einer Anzeige wegen „Körperverletzung“ konfrontiert worden. Viele fragen sich: ist das wirklich fair?

Frau sammelte Spenden für Anwaltskosten 

Auf den Social-Media-Plattformen sind sich die User einig: der Ordnungshüter hat sich absichtlich fallen lassen! Das empfand auch der Kemptener Anwalt Orhan Uyar von der Kanzlei am Forum so und bot der 32-jährigen Beschuldigten aus Kaufbeuren an, sie kostenlos gegen den selbsternannten Anzeigenhauptmeister zu verteidigen. „Man hat der Frau Unrecht getan, wir hätten ihr kostenlos geholfen“, so der 42-Jährige. Doch über eine Spendenplattform hatte diese bereits auf eigene Faust Spenden für ihren juristischen Beistand gesammelt und wird nun durch einen Kollegen vertreten.

Nichtsdestotrotz wagt Orhan Uyar eine Einschätzung der Lage und meint: „Der „Anzeigenhauptmeister“ hat sich sacken lassen. „Die Handbewegung der Frau und der Fall des Geschädigten passen irgendwie nicht zusammen“, so der Rechtsanwalt aus Kempten.

Missbrauch von Notrufen ist strafbar

Während gegen die 32-Jährige der Vorwurf der Körperverletzung im Raum steht, könnte es nun aber auch dem Anzeigenhauptmeister an den Kragen gehen: Im ersten Bericht der Polizei wird beschrieben, dass sich der 18-Jährige selbstständig zu Boden fallen ließ, als die Dame lediglich nach dem Handy griff. Sollte sich das bewahrheiten, so könnte er wegen falscher Verdächtigung sowie des Missbrauchs von Notrufen strafrechtlich belangt werden. Das hätte in jedem Fall eine Geldstrafe, in härteren Fällen sogar eine Freiheitsstrafe zur Folge. So gar nicht passen würde das auf den Mann, der so voller Tatendrang für die Beachtung von Gesetzen einsteht.

Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft und Polizei laufen. So kann vorerst nur gehofft werden, dass der Ordnungsfanatiker bei seinem nächsten Besuch im Allgäu für weniger Stress sorgt. Seine nächsten Ziele: Kempten und Füssen.