Lexware-Mountainbike-Team bezieht Stellung zum Olympia-Skandal

Lexware-Mountainbike-Team bezieht Stellung zum Olympia-Skandal
Patrick Moster, Sportdirektor vom BDR (Bund Deutscher Radfahrer), steht am Streckenrand neben Azzedine Lagab aus Algerien in Aktion beim Zeitfahren. (Eine Aufnahme vom 28.07.2021) (Bild: picture alliance/dpa | Sebastian Gollnow)
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Redaktion

Kirchzarten – Zur olympischen Idee gehört das Ideal der Freundschaft und Völkerverständigung sowie der Fairplay-Gedanke. Der Manager des Teams Lexware Mountainbike, Daniel Berhe, lebt dieses Ideal – laut Pressemitteilung – in seiner täglichen Arbeit mit Nachwuchstalenten des Radsports vor.

Entsprechend groß war die Freude, dass sich gleich zwei seiner Sportler für die olympischen Spiele qualifizieren konnten. Martin Vidaurre wurde vom chilenischen Verband nominiert, Max Brandl vom deutschen Verband, dem Bund Deutscher Radfahrer (BDR).

Jener BDR sorgt in den vergangenen Tagen aufgrund der inakzeptablen Äußerung seines hochrangigen Funktionärs Patrick Moster nicht für sportliche Schlagzeilen. In seiner Funktion als Sportdirektor profitierte Moster auch von der Nachwuchsarbeit, die Daniel Berhe mit dem Lexware-Mountainbike-Team leiste.

Als Sohn von Einwanderern aus Eritrea ist Daniel Berhe – so Lexware weiter – ein Paradebeispiel für gelungene Integration. Die integrative Kraft des Sports werde von Verbandsfunktionären gerne angeführt, wenn es um die Bereitstellung öffentlicher Fördermittel geht. Umso schwerer wiegt das Verhalten der obersten Verbandsfunktionäre im aktuellen Fall.

Einem Fall, über den global berichtet wird (Times, Al Jazeera, Washington Post) und zu dem zwischenzeitlich auch die Vereinten Nationen Stellung bezogen haben. Für Berhe sei dieser Fall eine mehrfache Enttäuschung: Erstens ist es eine persönliche Enttäuschung über den BDR-Sportdirektor, mit dem Daniel Berhe seit mehreren Jahren professionell zusammenarbeitet.

Die diskriminierende Bezeichnung der Radsportler Amanuel Ghebreigzabhier und Azzedine Lagab als „Kameltreiber“ habe Berhe besonders schwer getroffen, weil Ghebreigzabhier für Eritrea startet. Wenn der Präsident des BDR in einem Interview mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland betont, dass Moster sich bisher niemals rassistisch geäußert habe, sei dies ein schwacher Trost.

Vielmehr zeige es, dass Rassismus und Diskriminierung nach wie vor in der Mitte der Gesellschaft existiert, eine zweite Enttäuschung, die für Berhe allerdings nicht neu ist, sondern mehrfach persönlich erlebt wurde. Diese Enttäuschung sei eng verbunden mit der dritten Enttäuschung für Berhe: der sportpolitischen Reaktion auf den Fall Moster.

Sowohl der DOSB – mit Deutschlands oberstem Sportfunktionär Alfons Hörmann – als auch der BDR und sein Präsident Rudolf Scharping reagierten nur zögerlich. Während zahlreiche Sportler in den Sozialen Medien klare Statements setzten, akzeptierte Alfons Hörmann zunächst die lapidare Entschuldigung Mosters mit der Stresssituation im Wettkampf.

Berhe schließe sich hingegen in der Bewertung dieser Entschuldigung der Meinung des Zeit-Kommentars von Christian Spiller an: „Solche Worte rutschen nicht einfach raus.“ Kommen in Stresssituationen nicht eher die wahren und tieferen Überzeugungen zum Vorschein, die anschließend durch politisch korrekte Statements wieder zugedeckt werden sollen?

Die spätere Suspendierung Mosters durch den DOSB sei richtig und könnte dem BDR durchaus als Vorbild dienen. Im Kampf gegen Diskriminierung hätten solche Maßnahmen aber wohl bestenfalls Signalwirkung. Toleranz und Fairness ließen sich nach Auffassung von Berhe nicht „von oben“ verordnen. Vielversprechender sei für ihn der unermüdliche Einsatz im Kleinen, an der sogenannten Basis.

Diese erreiche Berhe auch durch die Kooperation des Lexware-Mountainbike-Teams mit dem Verein SV Kirchzarten, also durch die Verbindung von Leistungs- und Breitensport. Hier möchte er weiterhin Vorbild sein und für Diskriminierung im Alltag sensibilisieren. Was zähle ist nicht politische Korrektheit, sondern das Leben der olympischen Ideale.