Augen auf und vorsichtig sein Bei Pilzvergiftungen schnell handeln

Bei Pilzvergiftungen schnell handeln
Schön, aber giftig: Der Fliegenpilz ist Pilz des Jahres 2022. Er wurde von der Deutschen Gesellschaft für Mykologie gekürt. (Bild: Pixabay)
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Redaktion

Die Pilzsaison geht mindestens noch bis Ende Oktober. Für Schwammerlsucher bleibt als noch genügend Zeit, nach den Delikatessen des Waldes Ausschau zu halten. Gesammelt wir bei trockenem Wetter. Doch hinter dem Genuss der Pilze kann sich schnell eine tödliche Gefahr verbergen. Das BRK Oberallgäu gibt Tipps

Der Herbst zeigt sich von seiner schönsten Seite, die Blätter verfärben sich bunt und der Wald duftet frisch. Nicht nur Spaziergänger zieht es hinaus. Schwammerlsucher schwärmen zu ihren Pilzrevieren aus und manch einer wird dabei angesteckt und bekommt Lust, selbst ein paar Exemplare mitzunehmen. Aber Vorsicht, auch genießbare Pilze können zum Gefahrenfaktor werden, weiß Frank Schönmetzler vom BRK Oberallgäu.

So entsteht eine Pilzvergiftung

Sowohl durch den Verzehr von giftigen als auch von verdorbenen Pilzen kann man sich eine Vergiftung zuziehen. Die Symptome reichen hier von Magenschmerzen und Übelkeit bis hin zu tödlichen Organversagen. Wie schlimm diese auftreten, hängt dabei von der Menge ab, die zu sich genommen wurde. Es können hierbei eine ganze Reihe an Symptomen auftreten.

Wie erkenne ich eine Pilzvergiftung?

Für Laien ist eine Pilzvergiftung sehr schwierig zu erkennen, es kann hierbei zu folgenden Indikatoren kommen:

  • Übelkeit / Erbrechen
  • Bauchschmerzen / Durchfall
  • Kopf- und Gliederschmerzen
  • Kreislaufprobleme
  • Halluzinationen
  • Schweißausbrüche, Hitzegefühl
  • beschleunigter Puls
  • Blutdruckabfall
  • erweiterte Pupillen, Sehstörungen
  • tränende Augen und erhöhter Speichelfluss
  • Krampfanfälle / Halluzinationen
  • Bewusstlosigkeit
     

Vorsicht auch bei essbaren Pilzen

Auch genießbare Pilze können Beschwerden nach dem Verzehr hervorrufen. In der Medizin nennt man das eine „unechte Pilzvergiftung“. Hervorgerufen werden diese, wenn essbare Pilze verdorben, oder roh, verspeist wurden. Auch diese Zufuhr führt zu Beschwerden wie Übelkeit und Erbrechen. Wurden rohe Pilze verspeist, können blutiger Stuhl und Nierenschmerzen auftreten.

So beugen sie eine Pilzvergiftung vor:
Auch erfahrene Sammler sollten nur Wildpilze verspeisen, die sie auch sicher zuordnen können. Erst, wenn die Bestimmung sicher ist, sollte an die Pfanne gedacht werden. Auch bei Zuchtpilzen sollte die Frische und das Aussehen überprüft werden. Die Lagerung spielt hier ebenfalls eine große Rolle. Es sollte darauf geachtet werden, dass die kühl und dunkel ruhen und nach wenigen Tagen verzehrt werden. Bei Auffälligkeiten sollte auf den Genuss verzichtet werden.

Älteren und kranken Personen sowie Kindern wird generell vom übermäßigen Pilzkonsum abgeraten. Die Folgen einer echten oder unechten Pilzvergiftung können sich hier deutlich schlimmer auf den Körper auswirken als bei einem gesunden Erwachsenen.

Erste-Hilfe-Maßnahmen:
Es gibt keine Hausmittel, die bei einer Pilzvergiftung vernünftig wirken! Kontaktieren Sie deswegen auch bei dem geringsten Verdacht den Notruf (112) und, je nach medizinischer Einschätzung, die Giftzentrale (089 – 19240). Wenn noch Pilzreste vorhanden sind, sollten diese sichergestellt und dem Rettungsdienst mitgegeben werden. Wenn im schlimmsten Fall die Atmung oder der Puls aussetzen sollte, beginnen sie umgehend mit der Wiederbelebung (30x Herzdruckmassage, 2x Beatmung im Wechsel).

Um in Notfällen effektiv helfen zu können, empfiehlt das BRK eine regelmäßige Auffrischung der Erste-Hilfe-Kenntnisse. Auskünfte zu laufenden Kursen gibt’s beim BRK oder DRK.

Vorsicht: Verwechselungen möglich

Er kommt in Laubwäldern, seltener in Nadelwäldern vor: Der Phanterpilz. Die Möglichkeit besteht, dass er wegen der Ähnlichkeit mit dem essbaren Perlpilz verwechselt wird. Der Phanterpilz ist sehr giftig und enthält Nervengifte. Kurz nach dem Verzehr treten Vergiftungserscheinungen wie Halluzinationen, Krämpfe, Seh- und Gehstörungen auf. Laut dem NABU kann der Verzehr tödlich enden.

Der Pantherpilz ist sehr giftig und enthält Nervengifte. Es besteht Verwechslungsgefahr mit dem essbaren Perlpilz.
Der Pantherpilz ist sehr giftig und enthält Nervengifte. Es besteht Verwechslungsgefahr mit dem essbaren Perlpilz. (Bild: Wolfgang Patczowsky / www.naturgucker.de)

Junge, noch geschlossene Exemplare des Wiesenchampignons können mit dem Kegelhütigen Knollenblätterpilz verwechselt werden. Der ist sehr giftig. Erste Vergiftungserscheinungen sind Erbrechen, Durchfall, starke Bauchschmerzen. Zerstört die Leber, eine Vergiftung kann tödlich enden.

Einer der giftigsten Pilze ist der Grüne Knollenblätterpilz. Schon 50 Gramm können tödlich enden. Die enthaltenen lebergiftigen Amatoxine verursachen ohne medizinische Versorgung ein mehrfaches Organversagen. Die größte Gefahr der Verwechslung besteht mit dem Grünen Täubling.

Wer in die Pilze geht, sollte sich gut auskennen und ein ausführliches Bestimmungsbuch im Korb haben. Hilfe gibt’s auch bei den Pilzberatungen in der Region.