Verkaufsstopp und Rückruf: Babboe-Lastenrad mit großem Sicherheitsrisiko

Ärgernis für Babboe-Besitzer: Die Lastenräder haben offenbar erhebliche Sicherheitsmängel.
Ärgernis für Babboe-Besitzer: Die Lastenräder haben offenbar erhebliche Sicherheitsmängel. (Bild: picture alliance/dpa | Martin Schutt)

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Lastenräder sind in Deutschland beliebt. Viele Eltern nutzten die Räder auch, um ihre Kinder zu transportieren. Jetzt gibt es schwerwiegende Vorwürfe gegen den niederländischen Hersteller Babboe. Bei Lastenrädern der Marke sollen Rahmen gebrochen sein. Der ADAC klärt auf.

Sicherheitsrisiko Lastenrad: In den Niederlanden gibt es ab sofort ein Verkaufsverbot bzw. einen Rückruf für Bikes vom Hersteller Babboe. Auch in Deutschland wurde reagiert.

  • Behördliches Verkaufsverbot in den Niederlanden ab sofort
  • Verkaufsstopp und Rückruf in Deutschland
  • Offenbar erhebliches Sicherheitsrisiko durch Rahmenbrüche

„Erhebliche Sicherheitsmängel“

Babboe gehört zum niederländischen Fahrradkonzern Accell, nennt sich selbst die weltweite Nummer eins der Lastenräder und verkauft diese seit 15 Jahren.

Nach Angaben der Behörde haben die Fahrräder erhebliche Sicherheitsmängel, da zuletzt vermehrt Rahmenbrüche aufgetreten seien. Dies sei im Straßenverkehr ein lebensgefährliches Risiko. Die NVWA (niederländische Behörde für die Lebensmittel- und Verbrauchsgütersicherheit) wirft dem Unternehmen vor, die Mängel nicht gemeldet zu haben. Auch sei die Ursache der Defekte nicht ausreichend untersucht und es seien keine Maßnahmen ergriffen worden. Zurzeit werde untersucht, ob strafrechtliche Ermittlungen eingeleitet werden sollten.

Auf seiner deutschen Internetseite schreibt der Hersteller lediglich, dass man „nicht in der Lage sei, genügend Informationen bereitzustellen, die belegen, dass bestimmte Modelle kein Sicherheitsrisiko bergen“.

Babboe: Verkaufsstopp und Rückruf in Deutschland

Babboe hat nun entschieden, in Deutschland den Verkauf aller seiner Lastenräder vorsorglich zu stoppen. Darüber hinaus will der Hersteller bestimmte bereits verkaufte Exemplare auch in Deutschland zurückrufen. Eigentümerinnen und Eigentümer von Babboe-Modellen werden hierzu schnellstmöglich informiert. Das sind die betroffenen Räder:

  • Babboe City/City-E/City Mountain
  • Babboe Curve/Curve-E/Curve Mountain
  • Babboe Big/Big-E
  • Babboe Dog/Dog-E
  • Babboe Max-E
  • Babboe Mini-E/Mini Mountain
  • Babboe Pro Trike/Trike-E/Trike XL;
  • Babboe Carve-E/ Carve Mountain

Über ein offizielles Verkaufsverbot in Deutschland ist derzeit noch nichts bekannt. Der Hersteller selbst war am Freitag, 17. Februar, nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

ADAC: Infos zur Haftung bei Unfällen

Wer ein Babboe-Lastenrad besitzt, hat jetzt mit Sicherheit drängende Fragen. ADAC-Juristen wissen die Antwort:

  1. Kann man eigentlich sein Babboe-Lastenrad jetzt beim Händler zurückgeben und bekommt man Geld zurück?
    Nicht sofort. Man muss dem Verkäufer immer erst eine zweite Chance geben, eine mangelfreie Sache zu liefern. Erst wenn der Verkäufer sich weigert, mitteilt dass eine Nacherfüllung nicht möglich ist oder auf ein Nacherfüllungsverlangen mit Fristsetzung nicht reagiert, kommt ein Rücktritt vom Kaufvertrag in Betracht. Das natürlich nur dann, wenn noch Sachmängelhaftungsrechte gegen den Verkäufer (Händler) bestehen (2 Jahre bei Neukauf, mind. 1 Jahr bei Gebrauchtkauf).
  2. Wie ist es mit der Haftung? Wenn man heute mit dem Babboe-Bike einen Unfall erleidet oder verursacht: Ist man dann selbst schuld?
    Wenn ein Unfall geschieht, der auf einen Produktmangel zurückzuführen ist, dann stehen Schadenersatzansprüche gegen den Hersteller im Raum. Gerade Personenschäden oder Schäden bei Dritten sind von den Vorschriften der Produkthaftung umfasst, Schäden am Lastenrad selbst aber nicht.

Übrigens: Den ADAC-Fachleuten im Test- und Technikzentrum Landsberg sind bislang noch keine Beschwerden von Mitgliedern zugetragen worden, bei denen es zu Rahmenbrüchen kam. Man gehe aber davon aus, dass die niederländischen Behörden einen ausreichend triftigen Grund für eine solche Maßnahme erkannt haben, bevor das Verkaufsverbot ergangen sei. Sobald neue Erkenntnisse vorliegen, werden diese hier veröffentlicht. Bis dahin sollten sich Betroffene an ihren Händler wenden.

(Pressemitteilung: ADAC)