Offene Werkstätten beim Tag der offenen Tür Große Vielfalt beim Berufsbildungswerk Ravensburg

Große Vielfalt beim Berufsbildungswerk Ravensburg
Fachsimpeln beim „BBW Open“: Die angehende Raumausstatterin Meriel (rechts) unterhält sich mit ihrer Ausbilderin Pascale Gutermann (links) und mit Maike (Mitte), die derzeit eine Ausbildung zur Hauswirtschafterin macht. (Bild: Stiftung Liebenau)

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Himmelsleiter, Teufelsknoten und Schmetterlingshotels: Kunterbunte Mitmachaktionen sorgten am Tag der offenen Tür des Berufsbildungswerks Adolf Aich (BBW) der Stiftung Liebenau in Ravensburg für spannende Erlebnisse.

Im Mittelpunkt aber standen die vielfältigen Ausbildungsmöglichkeiten für Menschen mit besonderem Unterstützungsbedarf. Rund 1200 Besucher nutzen das „BBW Open“, um die Werkstätten, Klassenräume und Wohnbereiche kennenzulernen und sich in Rundgängen oder persönlichen Gesprächen über das Ausbildungsangebot des BBW zu informieren.

Viele Mitmachangebote und Infos

Eine Momentaufnahme des Geschehens: Auf dem gesamten BBW-Gelände wuselt es, überall gibt es etwas zum Anfassen, Erleben oder Mitmachen. In der Zimmerei klopfen junge Leute eifrig Nägel in einen Balken, während nebenan eine Familie mit Hilfe eines Azubis an einem hölzernen Knobelspiel namens Teufelsknoten tüftelt. Zeitgleich zeigen Auszubildende in der Kfz-Werkstatt, wie Reifen ausgewuchtet werden. Im hochprofessionell ausgestatteten Metallbereich stehen Besucher staunend vor den mächtigen CNC-Maschinen und lassen sich die Produktionsabläufe erklären.

In der Schreinerei wiederum bauen kleine und große Gäste ihre eigenen Schmetterlingshotels und erhalten gleichzeitig einen Einblick in die modernen Ausbildungs- und Produktionsbereiche. Draußen vor dem Eingangsbereich dürfen sich Wagemutige anseilen lassen und eine Himmelsleiter erklimmen. Im Ausbildungsrestaurant oder an den zahlreichen Bewirtungsständen legen einige Besucher eine Pause ein und stärken sich.

Ausbildung ist „mega gut“

Die Schulräume und alle Werkstätten sind am „BBW Open“ für Besichtigungen geöffnet, und überall beantworten Fachkräfte und Auszubildende eifrig die Fragen der Gäste. So wie beispielsweise die 19-jährige Meriel. Sie befindet sich im ersten Lehrjahr als Raumausstatterin und findet die Ausbildung am BBW „mega gut“, wie sie sagt. „In der Schule gibt es kleine Klassen, die Lehrkräfte gehen auf jeden Einzelnen ein und man kann viel Praktisches ausprobieren.“

Meriel mag ihren Beruf: „Ich wollte etwas Handwerkliches machen, bei dem ich auch kreativ sein kann“, erzählt sie und zeigt das von ihr gestaltete Schlafzimmer. Sie hat Tannenbäume an die Wand gemalt, für den Bettbezug einen dunkelgrünen Farbton gewählt und passend dazu Vorhänge und ein Kissen mit Mittelsteg genäht. Blickfang ist ihre filigrane Intarsienarbeit aus Teppichboden: ein Hirschkopf mit Geweih. Ein Zimmer wie ein Kurzurlaub im Schwarzwald…

Ziel: fit werden für den Arbeitsmarkt

Rund 1000 junge Menschen machen im BBW eine schulische oder berufliche Ausbildung. Was sie verbindet: Alle haben einen Förderbedarf – sei es aufgrund von psychischen Erkrankungen, einer Beeinträchtigung aus dem Autismusspektrum oder einer Lernbehinderung. Die Bandbreite der Ausbildungsmöglichkeiten reicht vom Hauptschulabschluss über berufsvorbereitende Maßnahmen bis hin zur 52 anerkannten Ausbildungsberufen, zum Beispiel in den Bereichen Metall, Hochbau, Schreinerei, Kfz oder Gastronomie. Die jungen Menschen werden im BBW nach ihren individuellen Fähigkeiten begleitet.

Ziel: fit werden für den ersten Arbeitsmarkt. Neben der schulischen und beruflichen Qualifikation steht insbesondere die persönliche Entwicklung und Stärkung, die neben dem Beruf ein eigenständiges Leben ermöglicht, im BBW im Fokus. Was die interdisziplinären Fachteams für die Teilnehmenden dafür tun, darüber gab der „Markt der Möglichkeiten“ beim „BBW Open“ einen umfassenden Überblick. An Infoständen konnten sich Interessierte über das vielfältige Angebot an Ausbildung, Weiterbildung, Diagnostik, Begleitung und Wohnen informieren und mit Experten ins Gespräch kommen.

Viel Abwechslung und gute Gemeinschaft

Unterdessen führt Linus (16), der sich im ersten Lehrjahr im Garten- und Landschaftsbau befindet, seine Eltern über das BBW-Gelände. Es gefällt ihm hier sehr gut. „Ich mag die Abwechslung zwischen Theorie und Praxis und arbeite gerne mit Baggern und Maschinen“, berichtet er. Auch seine Eltern sind begeistert. „Es gibt hier viele praktische Möglichkeiten. Das ist genau richtig für Kinder, die schaffen mögen“, sagt seine Mutter. „Hier haben sie Erfolgserlebnisse. Sie fühlen sich wertgeschätzt und gebraucht.“

Diesen positiven Eindruck bestätigt auch Benjamin (17) bei einer Führung im Wohnheim des BBW. Weil der tägliche Anfahrtsweg für ihn zu weit wäre, lebt er im Internat. „Ich fühle mich hier sehr wohl. Wir sind eine richtig gute Gemeinschaft“, erzählt der 17-Jährige, der eine Ausbildung im Gastronomie-Bereich macht.

(Pressemitteilung: Stiftung Liebenau)