Hochwassergefahr Weiterhin angespannte Lage in Bad Waldsee

Weiterhin angespannte Lage in Bad Waldsee
Die Lage in Bad Waldsee ist aufgrund des Starkregens nach wie vor angespannt // Symbolbild. (Bild: picture alliance/dpa | Stefan Puchner)

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Der städtische Krisenstab trat am frühen Sonntagvormittag erneut zusammen. Auch wenn über Nacht die Regenfälle nachgelassen haben, bleibt die Lage nach wie vor angespannt.

Die vollen Regenrückhaltebecken, die vollen Seen und Bäche und das steigende Grundwasser macht den Einsatzkräften zu schaffen und wird auch die Bürger in den betroffenen Stadtteilen weiterhin vor Herausforderungen stellen.

Für besorgte Einwohner wird ein städtisches Bürgertelefon eingerichtet. Unter der Telefonnummer 07524 / 94-01 werden in der Zeit von 12:00 bis 17:00 Uhr eingehende Anrufe entgegengenommen und beantwortet.

Die ganze Nacht zum Sonntag über waren in der Stadt sowie in den Ortschaften Einsatzfahrzeuge der Feuerwehr und des THW im Einsatz. Hilfe erfuhr die einheimische Wehr dabei von Einsatzkräften aus der weiteren Region aus den Landkreisen Sigmaringen, Tübingen und Tuttlingen. Aktuell unterstützen zusätzlich die Feuerwehren Aulendorf, Baindt und Ebersbach-Musbach. „Die Angehörigen unserer Feuerwehr unter der Leitung von Alois Burkhardt, der Stadtentwässerung unter der Leitung von Harald Beyrle und des Baubetriebshofs unter Herr Wolfgang Räth sind seit Freitag im Dauereinsatz, unterstützt durch den städtischen Krisenstab und verdienen deshalb ein großes Dankeschön, den größten Respekt und ein dickes Lob. Niemand kann in dieser angespannten Lage jedoch Dienst rund um die Uhr verrichten. Deshalb sind wir sehr dankbar für die Unterstützung, die wir aktuell von anderen Feuerwehren und dem THW erfahren“, so Oberbürgermeister Matthias Henne und Bürgermeisterin Monika Ludy.

Mit vereinten Kräften und Hochleistungspumpen gelang es über Nacht, die bis zur Oberkante aufgestauten Wassermengen in den Regenüberlaufbecken Mittelurbach und Krumhalde etwas zu reduzieren. So konnte vor den im Laufe des Sonntags sowie zu Beginn der neuen Woche angekündigten neuen Regenfällen ein gewisser Puffer geschaffen werden. Die Pumpen laufen weiterhin im Vollbetrieb, um so gut wie möglich auf die kommende Wetterentwicklung vorbereitet zu sein.

Durch den Zulauf aus dem Urbach wird in den kommenden Tagen mit weiter ansteigenden Pegeln im Stadtsee und im Schlosssee gerechnet. Der Uferweg am Stadtsee bleibt deshalb weiterhin in großen Teilen gesperrt, ebenso wie der Parkplatz auf der Bleiche und die Bleichestraße. Zum Schutz der Bewohner des städtischen Alten- und Pflegeheims „Spital zu Heiligen Geist“ wurde von der Feuerwehr eine Barriere aus Sandsäcken errichtet. Weitere Straßensperrungen sind nicht ausgeschlossen.

Sorgen bereiten mehrere Trafostationen an Standorten, die von aufgestautem Wasser oder ansteigendem Grundwasser bedroht sind. Noch laufen alle Stationen im Stadtgebiet störungsfrei, doch sollte das Wasser in diese Stationen eindringen, werden sie vom Stromversorger automatisch stromfrei geschaltet, was zu einem Stromausfall in den versorgten Gebieten führen würde. Dies betrifft nach aktuellem Stand folgende Stationen:

  • Hittisweilerstraße mit dem Versorgungsgebiet Wurzacher Straße stadtauswärts, Gartenstadt und Marderweg
  • Ölmühle mit dem Versorgungsgebiet Altstadt
  • Unter- und Obermöllenbronn

Die Bevölkerung in den genannten Gebieten wird gebeten, sich auf einen möglichen Stromausfall vorzubereiten und vorsorglich Taschenlampen, Kerzen oder Stirnlampen bereitzuhalten. Im Fall eines Stromausfalls sollten elektrische Geräte vom Netz genommen werden.

Durch den lang andauernden, starken Regen steigt in der Folge auch der Grundwasserspiegel, was bei zahlreichen Gebäuden zu eindringendem Grundwasser führen kann. Insbesondere aus Möllenbronn, aber auch aus Gaisbeuren und Steinach wurden bereits erste Fälle gemeldet. Die Feuerwehr weist darauf hin, dass sie aufgrund der Gesamtschadenslage in diesen Fällen nicht zum Einsatz kommen kann, sondern die betroffenen Haushalte selbst das eindringende Wasser abpumpen oder abschöpfen müssen. Nur wenn Gefahr besteht durch Heizöltanks oder ähnlichem wird die Feuerwehr tätig.

Um das aus den Kellern abgepumpte oder abgeschöpfte Wasser nicht wieder dem Grundwasser zuzuführen, sollte es nicht in die Gärten, sondern auf die Straßen geleitet werden. Über die Kanalisation kann es dann gesammelt und abgeführt werden.

Zur Vermeidung von Schäden und elektrischen Schlägen wird dringend darauf hingewiesen, bei eindringendem Wasser Speicher für Photovoltaikanlagen, die oftmals im Keller verbaut sind, stromlos zu schalten.

Erfreulicherweise konnte am Burgweiher in Michelwinnaden aktuell ein gewisser Rückgang des Pegels festgestellt werden, und auch in dem vom Hochwasser bedrohten Gewerbebetrieb in Haisterkirch konnte das Hochwasser abgepumpt werden.

Nachdem auch das Kanalsystem mittlerweile an der Obergrenze seiner Kapazität angekommen ist, kann weiterhin nicht ausgeschlossen werden, dass Schachtdeckel durch zurückstauendes Wasser angehoben werden. Es wird um besondere Vorsicht im Straßenverkehr gebeten.

Weitere kritische Stellen stehen unter dauerhafter Überwachung durch die Feuerwehr und die städtischen Einrichtungen. Der Krisenstab tritt auch am Sonntag weiterhin regelmäßig zur Beurteilung der Lage und zur Festlegung der weiteren erforderlichen Maßnahmen zusammen.

Nachdem die aktuellen Prognosen davon ausgehen, dass die Regenfälle wieder beginnen, muss nach wie vor von einer kritischen Lage ausgegangen werden. Die Bevölkerung wird deshalb darum gebeten, weiterhin wachsam zu sein. Für die kommenden Tage kann aus aktueller Sicht nicht mit einer Entlastung gerechnet werden.

(Pressemitteilung: Stadt Bad Waldsee)