Konzil 1414 – 1418 herausragendes Ereignis der Stadtgeschichte
Konstanz, die größte Stadt am Bodensee, überzeugt mit Kunst, Kultur, Genuss und Wasser. Die einmalige Lage am Bodensee, eine ausgedehnte Altstadt mit verwinkelten Gassen und prächtigem Münster, internationales Flair und nicht zuletzt die ebenfalls zu Konstanz gehörende Insel Mainau machen die Bodenseestadt zu einem attraktiven Reiseziel.
Unter dem Motto „Europa zu Gast“ feierte Konstanz von 2014 bis 2018 das Jubiläum „600 Jahre Konstanzer Konzil“. Ganzjährig lädt die Stadt zum Wandern, Radfahren, Shoppen oder einfach nur zum Verweilen ein.
Die Imperia-Statue an der Hafeneinfahrt in Konstanz am Bodensee ist nicht nur ein beliebtes Fotomotiv und Wahrzeichen der Stadt Konstanz, sondern wohl auch eines der umstrittensten Kunstwerke im öffentlichen Raum.
Eine spärlich bekleidete Frau als Kunstwerk der Öffentlichkeit?
Auf einem Sockel, der aus den Resten eines ehemaligen Molenturms besteht, erhebt sich eine neun Meter hohe, 18 Tonnen schwere, aus Beton gegossene Figur einer nur sehr spärlich bekleideten Frau mit einer Narrenkappe auf dem Kopf. Auf ihren ausgebreiteten Armen trägt sie zwei nackte Männerfiguren. In der einen Hand sitzt, mit übereinander geschlagenen Beinen, eine Figur mit Papsttiara, in der anderen Hand, mit gespreizten Beinen, eine Figur mit Kaiserkrone, die einen Reichsapfel in der Hand hält. Die Frauenfigur steht auf einem Rundtisch, der sich in vier Minuten einmal um die eigene Achse dreht.
Den Sockel der Imperia bildet die älteste Pegelmessstation, nicht nur am Bodensee, sondern ganz Baden-Württembergs. Die von dem Künstler Peter Lenk erschaffene Imperia-Statue wurde am 24. April 1993 auf den Resten dieses Turms errichtet.
Eine satirische Anspielung auf das Konzil
Die Imperia ist eine satirische Anspielung auf das Konzil von Konstanz. Das Figürchen mit Kaiserkrone und Reichsapfel stellt die weltliche Macht, die kleine Figur mit der Papsttiara die kirchlichen Autoritäten dar. Als Vorbild für die Imperia selber diente eine Figur aus dem Roman „La belle Impéria“ von Honoré de Balzac. Balzac’s Imperia ist eine Kurtisane, die sich zur Zeit des Konzils in Konstanz aufhält und die Geliebte von weltlichen und kirchlichen Würdenträgern ist.

Allerdings lebte sie rund 100 Jahre nach dem Konzil. Das blühende Kurtisanenwesen während des Konzils von Konstanz ist jedoch eine historische Tatsache, die von dem Konzilchronisten Ullrich Richental festgehalten wurde. Neben der Mätressenherrschaft wird auch das Patriarchat auf die Schippe genommen: Die mächtigsten Männer ihrer Zeit werden als zwergenhafte Figuren von der Frau in der Hand gehalten. Von ihren Trieben gesteuert in diese Situation gebracht, sind sie ihr nackt und hilflos ausgeliefert.
Ebenso kann man in dem Kunstwerk eine Anspielung auf das Märchen „Des Kaisers neue Kleider“ sehen. Die Imperia mit ihrer Narrenkappe ist der Hofnarr, der das Treiben durchschaut. Die Mächtigen sind ihrer Kleider beraubte, lächerliche Witzfiguren.
Während des Konzils war Konstanz der Mittelpunkt der christlichen Welt
Von 1414 bis 1418 war die Stadt Konstanz am Bodensee der Mittelpunkt der christlichen Welt. Bis zu 70 000 Menschen kamen damals in die 6000-Einwohnerstadt. Geistliche und weltliche Delegationen aus der ganzen Welt rangen im mittelalterlichen Konstanz vier Jahre lang um die Lösung innerkirchlicher Konflikte und damit auch um eine stabile politische Ordnung.
Ein Konzil ist eine Versammlung, in der sich Kirchenvertreter der römisch-katholischen Kirche über Fragen der Kirche und des Glaubens austauschen und Beschlüsse fassen. Das Konstanzer Konzil wurde vor 600 Jahren auf Initiative des damaligen römisch-deutschen Königs Sigismund einberufen.
Der Kirche drohte die Spaltung
Drei Päpste beanspruchten damals für sich, Oberhaupt der Christenheit zu sein: Papst Gregor XII. in Rom, Papst Benedikt XIII. in Avignon und Papst Johannes XXIII. in Bologna. Interne Machtkämpfe innerhalb der katholischen Kirche, vor allem zwischen Frankreich und Italien, waren die Ursache.
Es drohte die Spaltung der Kirche. Der Konflikt, der sich von 1378 bis 1417 hinzog, ging als das Abendländische Schisma in die Geschichte ein. Der römisch-deutsche König ruft nach Konstanz

Außer der drohenden Spaltung standen während des Konzils die Reformierung der Kirche und die beginnende Reformation auf der Tagesordnung.
Sigismunds Ziel: Er wollte durch Verhandlungen die Einheit der Christen erreichen. Kardinäle, Patriarchen, Erzbischöfe und Bischöfe sowie weltliche Doktoren kamen mit ihren Delegationen aus der gesamten christlichen Welt nach Konstanz.
Da der Glaube im Mittelalter in der Gesellschaft sehr verankert war, galt eine stabile Kirche als Voraussetzung für eine stabile staatliche Ordnung. Zudem hatte Sigismund den Plan, sich zum römischen Kaiser krönen zu lassen. Die Krönung durfte damals nur der Papst vornehmen.
Papstfrage lösen – gute geographische Lage von Konstanz
Die Legitimität dieses Aktes setzte voraus, dass es nur einen Papst gab. Die Stadt Konstanz war wegen der guten geografischen Lage in Europa und ihrer Funktion als Reichsstadt und Bistumssitz von Sigismund zur Konzilsstadt gewählt worden.
Während des Konstanzer Konzils wurde die Papstfrage gelöst. Es wurde in den Verhandlungen sehr bald deutlich, dass sich die Kirchenvertreter nicht auf einen der amtierenden Päpste einigen konnten. Deshalb wurden die drei Päpste vom Konzil aufgefordert zurückzutreten. Am Ende langwieriger Verhandlungen dankten die Päpste ab und der Weg war frei für die Wahl von nur einem Papst.
Am 17. November trat im Konstanzer Kaufhaus das Konklave zusammen und einigte sich nach nur vier Tagen auf Papst Martin V.. Es war das einzige Mal, dass ein Papst auf deutschem Boden gewählt wurde.
Doch viele innerkirchliche Probleme blieben ungelöst. Ein Zeichen dafür war die Verurteilung des Theologen und Reformators Jan Hus während des Konzils. Er wurde nach einem Schauprozess vor den Toren der Stadt Konstanz verbrannt und gilt heute als der erste Märtyrer der Reformation.
„In Nomine Diaboli“: ein Kriminalroman aus der Zeit des Konzils gewährt uns viele Eindrücke aus dieser spannenden Zeit – spannend und bunt wie das damalige Leben
Wer sich intensiver mit dieser spannenden Zeit in Konstanz während des Konzils beschäftigen will, dem sei der historische Kriminalroman „In Nomine Diaboli“ von Monika Küble und Henry Gerlach ans Herz gelegt.
Es geht dabei um den jungen Bäcker Cunrat Wolgemut, der aus dem Dorf des Klosters Weißenau stammte und zum Konzil nach Konstanz reiste, um dort sein Glück zu finden.
Doch schon kurz nach seiner Ankunft gerät er in Schwierigkeiten. Er wird in eine Schlägerei verwickelt, seine heiratswütige Base stellt ihm nach und sein Freund wird tot aufgefunden. Bald gibt es noch weitere Tote und schnell wird Cunrad klar, dass hier ein Serienmörder sein Unwesen treibt. Gemeinsam mit dem Bäcker Giovanni Rossi und dem Humanisten Poggio Braciiolini macht er sich auf die Suche nach dem Mörder. Ein Roman über den größten Kongress im Mittelalter – so spannend und bunt wie das Leben zu jener Zeit.
Das Buch ist im Gmeiner Verlag erschienen. ISBN 978-3-8392-1465-7

Interessante Stadtführungen angeboten
Darüber hinaus bietet Konstanz Tourismus eine ganze Reihe interessanter Stadtführungen an: Neben dem klassischen Stadtrundgang geht es bei den thematisch gegliederten Führungen auch um Verschwörer, Gelehrte, Handwerker, Konzilgeschichten, Speis und Trank zu jener Zeit, um den Reformator Hus, Liebe und Fegefeuer, eidgenössische Spuren, Schiffe, Narren, Hexen, Geister, Dämonen und Klischees. Auch verschiedene Nachtwächterführungen finden sich im Programm.
Am besten erreicht man Konstanz mit dem Schiff (www.bsb.de) oder mit dem Zug. Mit dem PKW führt der Weg über Meersburg und die Fähre nach Konstanz. Ab Friedrichshafen ist Konstanz auch mit dem Katamaran bequem erreichbar.