Die 76-jährige Helma Storms trägt die wichtigsten Daten ihres verstorbenen Mannes als Tattoo auf dem Arm. Es ist ein sichtbares Zeichen ihrer Liebe.
Über dem Tisch in ihrem Zimmer im Haus der Pflege St. Konrad in Kressbronn hängen zahlreiche Fotos aus dem gemeinsamen Leben: von ihrem Mann Willi, von der Hochzeit sowie von der Silber- und Goldhochzeit. „Wenn man sich liebgehabt hat, trägt man den anderen im Herzen“, sagt Helma Storms. Seit einem Schlaganfall im vergangenen Jahr ist sie auf einen Rollstuhl angewiesen.
Neben den Erinnerungen im Herzen wollte die 76-Jährige auch ein sichtbares Zeichen tragen. Auf ihrem rechten Arm stehen deshalb die Geburts- und Sterbedaten ihres Mannes sowie das gemeinsame Hochzeitsdatum. Einige Mitbewohnerinnen und Mitbewohner bewundern sie dafür, dass sie ihren Wunsch umgesetzt hat.
Ein Blick genügte
Nach ihrer Schulzeit arbeitete Helma Storms unter anderem in der Gastronomie. 1967 traf sie an einem Sonntag im Gasthaus „Kapelle“ in Kressbronn ihren späteren Mann. „Ein Blick, das hat genügt, um zu wissen, das ist der Richtige“, erinnert sie sich. Ihm sei es genauso gegangen. „Er war freundlich und gesellig und hatte blondes Haar“, beschreibt sie Willi Storms. Er kam aus Tettnang und war etwas kleiner als sie.
Nach der Verlobung musste das Paar mit der Hochzeit warten. Da Helma Storms von ihrer alleinerziehenden Mutter keine Unterschrift zur Heirat erhielt, konnte sie erst mit ihrer Volljährigkeit heiraten. Diese erreichte sie am 4. Juni 1971 mit ihrem 21. Geburtstag. „Meinen 21. Geburtstag haben an dem Tag alle vergessen“, erzählt sie schmunzelnd. Das habe sie jedoch nicht gestört, schließlich sei die Hochzeit für sie das bedeutendere Ereignis gewesen.
Ein „Filmstar“ zum Ehemann
Das Paar zog nach Langenargen in das Haus, in dem auch Helma Storms‘ Mutter und Großeltern wohnten. Willi Storms war gelernter Maler. Nach einigen Berufsjahren in einem Betrieb wechselte er zur ZF nach Friedrichshafen, wo er bis zur Rente arbeitete. „Er wollte eine Lebensstellung“, sagt seine Frau. Auch sie selbst war fast ihr ganzes Leben berufstätig.
Eines Morgens habe ein Chef sie mit den Worten begrüßt: „Frau Storms, Sie haben ja einen Filmstar zum Mann.“ Tatsächlich hatte Willi Storms als Zwölfjähriger eine Rolle im Film „Heiße Ernte“, der 1956 in Tettnang gedreht und in Ravensburg uraufgeführt wurde. Zwar bestand sein Text lediglich aus den drei Worten „Jawohl, Herr Stammer“, doch die Filmcrew hätte ihn gerne engagiert und mit in die Bavaria Filmstudios nach München genommen.
Gemeinsam unterwegs
In ihrer Freizeit seien die beiden „viel fortgegangen“. Sie waren Mitglieder im Narrenverein Tettnang und reisten mit dem Motorrad unter anderem durch Amerika. Auch Österreich und die Fränkische Schweiz gehörten zu ihren Reisezielen.
Willi Storms wurde in der Bombennacht von Friedrichshafen am 28. April 1944 einen Monat zu früh geboren. Nach vierjähriger Krankheit starb er am 14. April 2023 zu Hause. Während seiner Krankheit benötigte er intensive Pflege.
Sein Sterbebild zeigt die Alte Oberdorfer Brücke über die Argen, wo er gerne mit dem Motorrad unterwegs war. Auf dem Arm von Helma Storms stehen nun seine und ihre Daten. Noch fehlen die Rosen, die bald hinzukommen und an die Hochzeit erinnern sollen. „Denn“, sagt die 76-Jährige, „bei unserer Hochzeit gab es nur Rosen.“
(Quelle: Stiftung Liebenau)