Unfallstatistik: Zahl der Unfälle in Friedrichshafen im Jahr 2023 gestiegen

Unfallstatistik: Zahl der Unfälle in Friedrichshafen im Jahr 2023 gestiegen
Die Unfallstatistik macht deutlich, dass es derzeit noch 13 Unfallhäufungsstellen in Friedrichshafen gibt // Symbolbild. (Bild: picture alliance / Fotostand | Fotostand / Gelhot)

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Nicht angepasste Geschwindigkeit, ungenügender Sicherheitsabstand, Missachten der Verkehrsregelung, falsches Verhalten der Verkehrsteilnehmer: 2023 stieg die Zahl der Unfälle um 10,8 Prozent auf 1.974 Unfälle mit 324 verunglückten Personen an.

Dort, wo sich Unfälle häufen, nimmt die Unfallkommission mit Vertretern des Amtes für Bürgerservice, Sicherheit und Ordnung, des Stadtbauamtes, der Polizei, des Regierungspräsidiums und des Straßenbauamtes des Landratsamtes die Stellen unter die Lupe.

Aufgabe und Ziel der Unfallkommission ist es, Unfallschwerpunkte zu erkennen, diese auszuwerten und geeignete Maßnahmen zu treffen, um diese Schwerpunkte zu entschärfen und so die Sicherheit für die Verkehrsteilnehmer zu verbessern. Um dies festzustellen, erfasst und wertet die Polizei die Verkehrsunfälle aus. Einberufen wird die Unfallkommission einmal pro Jahr von der Straßenverkehrsbehörde im Amt für Bürgerservice, Sicherheit und Ordnung.

In der Sitzung der Kommission analysieren die Fachleute gemeinsam anhand der Unfalldaten Ursache und Hergang der Unfälle, prüfen die Situation und beraten, ob durch straßenbautechnische und/oder verkehrsrechtliche Maßnahmen der Unfallschwerpunkt entschärft werden kann.

Die Unfallstatistik macht deutlich, dass es derzeit noch 13 Unfallhäufungsstellen in Friedrichshafen gibt. Waren es 2022 noch 16 Unfallhäufungsstellen, sind sie 2023 auf 13 zurückgegangen. Fünf Unfallhäufungsstellen aus dem Jahr 2022 sind weggefallen, wie beispielsweise die beiden Kreisel Äußere Ailinger Straße/Rheinstraße und Franziskusplatz/Charlottenstraße, die B31 bei Airbus, die B 30 Paulinenstraße/Montfortstaße/Ailinger Straße und die Messestraße zur B 31. 2023 kamen zwei neue Unfallhäufungsstellen dazu: der Kreisel Meistershofener Straße/Am Sportpark und der Kreisel Ailinger Straße/Mühlöschstraße.

Insgesamt verunglückten 324 Personen, dabei wurden 43 Menschen schwer und 279 leicht verletzt. Leider verloren zwei Menschen bei Unfällen ihr Leben.

Im Jahr 2022 gingen die Unfallzahlen zurück und es wurden 1.281 Unfälle aufgenommen. Der Rückgang war noch teilweise auf die Corona-Pandemie und auf die Eröffnung der B 31-neu zurückzuführen. Was auffällt ist, dass gegenüber 2022 die Zahl der Unfälle mit Elektro-Kleinstfahrzeugen wie E-Scootern zugenommen hat.

Waren es 2022 noch 24 Unfälle, stieg die Zahl im Jahr 2023 auf 57 Unfälle. Die Zunahme der Unfälle könnte laut Experten darauf zurückzuführen sein, dass immer mehr Menschen sich privat einen E-Scooter anschaffen. Weiter können seit April 2023 E-Scooter auch ausgeliehen werden, was sehr häufig vorkommt, so dass diese Verkehrsart mittlerweile wesentlich stärker im Gesamtverkehrsaufkommen vertreten ist.

„Zwar ist es gelungen, die Anzahl der Unfallhäufungsstellen zu reduzieren. Leider ist die Gesamtzahl der Unfälle angestiegen. Die beschlossenen Maßnahmen werden mit hoher Priorität von der Straßenverkehrsbehörde des Amtes für Bürgerservice, Sicherheit und Ordnung und den jeweiligen Straßenbaubehörden umgesetzt“, erklärt Hans-Jörg Schraitle, Leiter des Amts für Bürgerservice, Sicherheit und Ordnung.

Was sind Unfallhäufungsstellen?

Dabei handelt es sich um Örtlichkeiten, in denen es im vergangenen Jahr beziehungsweise in den vergangenen drei Jahren zu einer Häufigkeit von gleichgelagerten Unfällen kam. Die Unfallstatistik ist Grundlage für die Stadt, an bestimmten Stellen im Stadtgebiet wie beispielsweise an Kreuzungen, Kreisverkehren oder auch abbiegenden Straßen Veränderungen auf den Weg zu bringen, um mehr Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmer zu schaffen.

Unfallhäufungsstellen im Jahr 2023

Colsmanknoten: Hier ereigneten sich 2023 zehn Unfälle. Es handelt sich um eine große und verkehrsbelastete Kreuzung. Die meisten Unfälle waren Auffahrunfälle aufgrund von ungenügendem Sicherheitsabstand. Mittelfristig ist der Umbau zu einem Kreisverkehr geplant.

Kreisel Ehlersstraße/Mühlöschstraße und Flugplatzstraße: Hier handelt es sich um einen verkehrsbelasteten Knotenpunkt.  2023 ereigneten sich 14 Unfälle. Die meisten Unfälle waren Auffahrunfälle aufgrund von ungenügendem Sicherheitsabstand. Um die Sicht zu verbessern, wurde aus der Fahrtrichtung Ehlersstraße das aufklappbare Umleitungsschild nach oben versetzt.

Kreisel Äußere Ailinger Straße/Kornblumenstraße/Graf-von-Soden-Platz: 2023 wurden an diesem Kreisel vier Unfälle, darunter drei Radunfälle infolge des Missachtens der Vorfahrt, aufgenommen.  2022 waren es insgesamt fünf Unfälle. 2023 wurde der Kreisel saniert sowie farbige Piktogramme angebracht. Bei einer Verkehrsschau im April 2024 wurde festgestellt, dass die Markierungen vollständig und gut angebracht sind. Auch die Bepflanzung im Kreisel schränkt die Sicht der Verkehrsteilnehmer nicht ein.

Kreisel Flugplatzstraße/Barbarossastraße: Hier ereigneten sich 2023 sieben Unfälle. Die Barbarossastraße ist abschüssig, weshalb Radfahrende teilweise zu schnell in den Kreisel einfahren. Dabei wird die Geschwindigkeit der Radler von den Autofahrern oftmals unterschätzt. An der Einfahrt zur Flugplatzstraße ereigneten sich 2023 zwei Unfälle mit Radfahrern. Insgesamt ist an dieser Stelle im Vergleich zu den Vorjahren die Zahl der Unfälle aber zurückgegangen. Die getroffenen Maßnahmen wie ein Blinklicht und der Rückschnitt der Hecken haben sich positiv auf die Unfallzahlen ausgewirkt. Um die Vorfahrt einhalten und die Verkehrssicherheit erhöhen zu können, muss aus der Barbarossastraße und der Flugplatzstraße eine gute Sichtbeziehung bestehen. Sollten weiterhin mehrere gleiche Unfälle passieren, ist eine bauliche Umgestaltung notwendig.

Ailinger Straße/Charlottenstraße: In diesem Abschnitt passierten 2023 sechs Unfälle. Damit das Radsignal besser sichtbar ist, wurde es im September 2023 versetzt. Im Januar 2024 wurde die Ampelschaltung angepasst. Der Kfz-Verkehr erhält nun erst vier Sekunden nach dem Radverkehr das Grünsignal. Parallel wird geprüft, ob die Schaltung der Ampelanlage auf eine „Alles-Grün-Schaltung“ geändert werden kann. Dadurch könnte der Abschnitt von der Ailinger Straße in die Charlottenstraße, in dem die meisten Unfälle verzeichnet werden, entschärft werden.

Kreisel Schnetzenhausen: Hier ereigneten sich vier Unfälle. Die Unfälle sind vermehrt darauf zurückzuführen, dass die Vorfahrt missachtet wird. Eine Anpassung der Beleuchtung am Kreisel und den Fußgängerüberwegen soll umgesetzt werden.

Kreisel Friedrichstraße/Olgastraße: Die fünf Unfälle, die sich ereigneten, sind vermehrt darauf zurückzuführen, dass die Vorfahrt missachtet wurde. Damit Busse und Lkws den Kreisel durchfahren können, wurde eine großzügige Sperrfläche im Kreisel angelegt. Die Sperrfläche wird allerdings auch von anderen Verkehrsteilnehmern überfahren, was zu erhöhten Geschwindigkeiten im Kreisel führt. Um dem entgegenzuwirken, wurden auf der Mittelinsel eine Richtungsanzeige und auf der Fahrbahn Richtungspfeile angebracht. Weiter wird geprüft, wie die Mittelinsel künftig nach Berechnung der Schleppkurven des Bus- und Schwerlastverkehrs gestaltet werden kann, damit die übrigen Verkehrsteilnehmer die Sperrfläche nicht mehr befahren.

Maybachplatz (Kreuzung und Radunterführung): Hier ereigneten sich 2023 vier Unfälle. Es handelt sich um zwei alleinbeteiligte Unfälle, ein Auffahrunfall und ein Unfall wegen des Ausfalls der Ampel.  Die Unfallkommission kam deshalb zu dem Ergebnis, dass derzeit keine Maßnahmen zur Unfallursachenbehebung notwendig sind.

Kreisel Eugenstraße/Olgastraße: Am Kreisel Eugenstraße/Olgastraße kam es zu insgesamt neun Unfällen. Darunter waren fünf Unfälle, bei denen die Vorfahrt nicht beachtet wurde. Überwiegend ereigneten sich Unfälle mit Radfahrerinnen und Radfahrern. Die Situation wird von der Unfallhäufungskommission weiter beobachtet.

Kreisel Ehlersstraße/Löwentaler Straße/Goethestraße: Hier ereigneten sich zehn Unfälle, die auf ungenügenden Sicherheitsabstand und auf Fehler beim Einfahren in den fließenden Verkehr zurückzuführen waren. Zur besseren Erkennbarkeit soll der Fußgängerüberweg in der Ehlersstraße auf Höhe der Tankstelle nachmarkiert werden.

Kreuzung Keplerstraße/Ailinger Straße/Ehlersstraße: An dem vielbefahrenen Knotenpunkt haben sich acht Unfälle, darunter mehrere Auffahrunfälle, ereignet. Grund für diese Unfälle könnte die kurze Schaltung der Ampel sein. Deshalb wird die Ampelschaltung überprüft.

Kreisel Meistershofener Straße/Am Sportpark: Neu als Unfallhäufungsstelle wurde der Kreisel Meistershofener Straße/Am Sportpark identifiziert. Hier ereigneten sich 2023 acht Unfälle. Darunter waren drei Unfälle an den Fußgängerüberwegen, weil Radfahrer die Vorfahrt der Pkws missachtet haben. Zur Verdeutlichung der Vorfahrt ist für die Radfahrer eine Beschilderung angebracht. Zur besseren Erkennbarkeit, wurde die Vorfahrtsbeschilderung bei der Fahrradstraße und der Zufahrt zum Kreisel weiter nach unten versetzt.

Kreisel Ailinger Straße/Mühlöschstraße: Auch dieser Abschnitt wurde neu als Unfallhäufungsstelle registriert. Hier gab es 2023 fünf Unfälle. Die Unfälle haben sich an drei Kreisel-Zufahrten ereignet. Meist missachteten die Verkehrsteilnehmer die Vorfahrt, und dies, obwohl der Kreisel übersichtlich gestaltet ist. Auch die nicht bevorrechtigte Querung der Fahrradstraße ist eindeutig und klar gekennzeichnet.

Stadt, Polizei und Unfallkommission werden die Verkehrssituation in Friedrichshafen weiterhin aufmerksam im Auge behalten und in dringenden Fällen auch kurzfristig nach einer Lösung suchen. Insgesamt ist festzustellen, dass sich die Unfallhäufungsstellen in eine positive Richtung entwickelt haben. Die Maßnahmen zur Verbesserung der Sicherheit auf den Straßen zeigen Wirkung.

(Pressemitteilung: Stadt Friedrichshafen)