Die Anforderungen an Innenstädte in der Region Bodensee-Oberschwaben steigen. Besucher wünschen sich vielfältige Angebote und eine hohe Aufenthaltsqualität.
An die Innenstädte der Zukunft werden auch in der Region Bodensee-Oberschwaben hohe Anforderungen gestellt. Die Besucher wünschen sich Lebenswelten für Jung und Alt mit viel Grün und einer hohen Aufenthaltsqualität, mit attraktiven Läden, einer vielfältigen Gastronomie und unterhaltsamen Kulturangeboten.
Bei steigenden Temperaturen füllen sich die innerstädtischen Zentren wieder mit Besuchern aus allen Altersklassen. Die Wünsche und Anforderungen an Innenstädte haben sich in den vergangenen Jahren allerdings verändert und sie zeigen, dass eine vitale Innenstadt keineswegs ein Selbstläufer ist, sondern vielmehr von kontinuierlicher Pflege, Investitionen, kluger Koordination und einem klaren Profil lebt. Die Entwicklung von Innenstädten hin zu multifunktionalen Lebenswelten für Jung und Alt schreitet voran. Generationenübergreifend bleibt Einkaufen zwar das Besuchsmotiv Nummer eins, doch andere Gründe, das Zentrum aufzusuchen, wie beispielsweise die Gastronomie, Dienstleistungs- oder Freizeitangebote, gewinnen zunehmend an Bedeutung.
„Alle Kundenumfragen in Deutschland in den vergangenen Jahren kamen zu demselben Ergebnis: Die Besucher und Gäste der Innenstädte sehen den Einzelhandel weiterhin als zentralen Besuchsgrund an“, berichtet Bernhard Nattermann, Referent für Handel, Tourismus und Dienstleistungen der Industrie- und Handelskammer Bodensee-Oberschwaben (IHK). „Sie wünschen sich ein vielfältiges und attraktives Angebot, das dann durch gastronomische und Dienstleistungsbetriebe abgerundet werden soll.“
Leerstände bleiben Herausforderung
Doch immer mehr Geschäftsschließungen und Leerstände machen Städten und Gemeinden zu schaffen. Die IHK habe in ihren letzten diesbezüglichen Erhebungen eine durchschnittliche Leerstandsquote von um die 10 Prozent in den Städten der IHK-Region mit den Landkreisen Ravensburg, Sigmaringen und Bodenseekreis ermittelt.
„Das ist ein Wert, der den Wandel zwar durchaus deutlich macht, aber nicht zwingend dazu führt, dass die Besucher einer Stadt den Eindruck gewinnen, dass das örtliche Einkaufsangebot starke Lücken aufweisen würde“, so Nattermann. Noch sei alles „im grünen Bereich“. Dies allerdings nur, weil sich die Kommunen in der Region nahezu flächendeckend und aktiv um den Erhalt und die Steigerung der Aufenthaltsqualität ihrer Altstädte bemühen, betont der IHK-Referent.
Vielerorts würden spezielle Leerstandsmanager proaktiv tätig, um leerstehende Gebäude, Wohnungen oder Ladenflächen wieder nutzbar zu machen. Sehr gut angenommen werde zudem die „Innenstadtberatung“, ein seit 2021 vom Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus Baden-Württemberg gefördertes Projekt, bei dem Innenstadtberater Josef Röll von der IHK Ulm Ansprechpartner für Kommunen in der Region Bodensee-Oberschwaben ist.
„Wir sind aktuell in fünf Städten unserer Region mit entsprechenden Projekten vor Ort aktiv“, berichtet Nattermann. Das im November vergangenen Jahres vom Baden-Württembergischen Industrie- und Handelskammertag veröffentlichte „Rezeptbuch für eine attraktive Innenstadt“ bündle die Erfahrungen der neun Innenstadtberater in Baden-Württemberg, so Nattermann weiter. Für das Buch seien rund 14.000 Passanten in 123 Städten und Gemeinden des Landes mit Einwohnerzahlen zwischen 5.000 und 50.000 zu ihrem Einkaufsverhalten und ihren Erfahrungen in den Citys befragt worden. „Es gibt keine umfangreichere Primärerhebung in Baden-Württemberg.“
Gemeinschaftsaufgabe für die Zukunft
Das einfach und unterhaltsam geschriebene Rezeptbuch zeige auf, dass Innenstadtentwicklung mehr als je zuvor eine Gemeinschaftsaufgabe verschiedener Akteure aus Stadtverwaltung, Wirtschaft, Immobilieneigentum und Stadtgesellschaft sei. Ab einer Größenordnung von etwa 10.000 Einwohnern sollte aktives Innenstadtmanagement mit den dafür erforderlichen finanziellen und personellen Ressourcen betrieben werden, empfiehlt der IHK-Referent. Aber auch kleinere Gemeinden könnten von einer Beratung profitieren, wie beispielsweise erfolgreiche Workshops mit verschiedenen Akteuren und Bürgern in der Gemeinde Wilhelmsdorf vor kurzem gezeigt hätten.
Nicht vergessen werden dürfe, dass attraktive Städte wichtige touristische Anziehungspunkte seien, so Nattermann weiter. Der cima-Monitor, eine repräsentative deutschlandweite Befragung zum Thema Innenstadt, zeige, dass rund zwei Drittel der deutschen Bevölkerung im Rahmen ihrer Urlaubsreisen auch Innenstädte besuchen. Als wichtigste Faktoren dafür wurden Gastronomie und Cafés (89 Prozent), das Erscheinungsbild der Innenstadt (83 Prozent) und der Einzelhandel (78 Prozent) genannt.
Für lebendige Innenstädte sei eine gute Erreichbarkeit wichtige Voraussetzung. Nur dann könnten sie als attraktive Lebens- und Arbeitsräume, Zentren für Wirtschaft und Kultur, Kommunikation und Begegnung punkten.
Bad Waldsee als Beispiel
In jüngster Vergangenheit habe die Stadt Bad Waldsee in Sachen Innenstadtentwicklung von sich reden gemacht, nennt Nattermann ein regionales Best-Practice-Beispiel. Dort wurde 2025 ein umfassendes Sanierungsprogramm abgeschlossen. Der innerstädtische Einzelhandel sei gut aufgestellt und werde durch ein umfangreiches gastronomisches Angebot ergänzt, das zum Besuch und Verweilen am Stadtsee einlade.
„Die Unternehmen vor Ort und die Stadtverwaltung arbeiten vertrauensvoll an der ständigen Entwicklung der Angebotsvielfalt, der Aufenthaltsqualität in der Altstadt und dem Dienstleistungsangebot zusammen“, berichtet der IHK-Referent. Anfang dieses Jahres sei zum Beispiel das gesamte Gutscheinsystem digital umgestellt worden und erreiche damit neue Zielgruppen.
Unbestritten bleibe allerdings auch für die Region Bodensee-Oberschwaben, dass es nicht die eine Innenstadtstrategie oder das eine Patentrezept für die Innenstadtentwicklung gebe. Für jede Stadt und Gemeinde brauche es individuelle Lösungen, die an die lokalen Bedürfnisse und Möglichkeiten angepasst seien, um Innenstädte und Zentren attraktiv und resilient für die Zukunft zu machen.
(Quelle: MediaPartner Ravensburg)