Zum Inhalt springen
Werbemöglichkeiten
Stellenmarkt

S-Bahn-Feeling in Schemmerberg

Lesezeit 3 Minuten
Alles schick im neuen Triebwagen.
Alles schick im neuen Triebwagen. (Bild: Uli Landthaler)

Biberach – Seit 12. Dezember fährt die Südbahn unter Strom. Das ist nicht bloß eine kleine technische Veränderung – es ist ein wichtiges Stück Verkehrspolitik für die Region. Und ein großer Fortschritt für alle, die regelmäßig zwischen Ulm und dem Bodensee oder Teilstrecken davon unterwegs sind, dazu zählen etliche Berufspendler. Zeit für eine Probefahrt.

Mit sanftem Surren setzt sich der Bahnsteig in Bewegung, sachte wird man ins Sitzpolster gedrückt, Häuser und Landschaft sausen vorbei – S-Bahn-Feeling in Oberschwaben! Das kannte man so nur aus Stuttgart und anderen Hauptstädten, nun also auch in Laupheim und Schemmerberg. Die lautlose Beschleunigung des elektrischen Triebwagens signalisiert, dass Oberschwaben verkehrstechnisch im 21. Jahrhundert angekommen ist – zumindest dieser Teil der Fortbewegung, die Südbahn zwischen Ulm und Lindau.

Bisher geschah dies unter Einsatz von behäbigen, mächtig brummende Dieselmotoren, nun bringt der Streckenausbau Tempo: Mit dem elektrischen Fahrdraht steigt die Höchstgeschwindigkeit der Züge von 140 auf 160 Stundenkilometer, die flotte Beschleunigung reduziert den Zeitverlust an den Haltestellen. Mit dem kuriosen Resultat, dass bei der Testfahrt der Zug in Ulm zwei Minuten zu spät losfährt und in Laupheim zwei Minuten zu früh ankommt: Da ist ordentlich Puffer im Fahrplan, auf der verspätungsanfälligen Südbahn keine schlechte Strategie.

Genauso wichtig: Auf der schicken erneuerten Strecke fahren die Züge auch öfter. Allerdings werden hier nicht alle Wünsche erfüllt. Top wären ein Halbstunden-Takt zwischen den größeren Städten wie Ravensburg und Biberach  und dazwischen regelmäßige Verbindungen, die auch in Orten wie Schemmerberg, Warthausen und Mochenwangen halten. Das klappt aber nur mit Kompromissen und Einschränkungen. Das Resultat ist ein Fahrplan, den man sich kaum auswendig merken kann und bei dem man sich genau anschauen sollte, welchen Zug man erwischt: Zwischen Biberach und Ulm kann es 21 Minuten dauern, aber auch doppelt so lang – je nach Anzahl der Zwischenhalte.

Der Bahnhof Biberach steht jetzt unter Strom: Das bringt mehr Tempo und Komfort für Pendler und Reisende zwischen Ulm und Bodensee.
Der Bahnhof Biberach steht jetzt unter Strom: Das bringt mehr Tempo und Komfort für Pendler und Reisende zwischen Ulm und Bodensee. (Bild: Uli Landthaler)

Das zeigt sich bei der Testfahrt: Mehrmals am Tag verkehren der Railjet von Wien nach Frankfurt und der Intercity von Innsbruck nach Bochum, das Schnellste und Bequemste, was die Südbahn zu bieten hat. In Biberach steigt eine Gruppe Schüler ein und gleich wieder aus: Der IC-Zuschlag ist in der Schülermonatskarte nicht enthalten, das haben sie noch rechtzeitig bemerkt. Stattdessen geht es kurz darauf in den Interregio-Express nach Ulm, für den stattliche 42 Minuten Fahrzeit vorgemerkt sind. Das liegt daran, dass aus unerfindlichen Gründen 11 Minuten Standzeit in Laupheim eingeplant sind. Genaues Fahrplan-Studium lohnt sich also. Erst recht, wenn man zwischen kleineren Orten wie Meckenbeuren und Bad Schussenried pendeln will: Dafür gibt es nur einen Stundentakt mit ein paar Ergänzungen im Berufsverkehr.

Und wie sieht es mit dem Komfort aus? Bei der Testfahrt war alles im Wesentlichen modern, sauber und angenehm – mit einigen Nuancen: Die dünnen Polster und steilen Sitzlehnen der roten Triebwagen sind kein bequemes Ruhekissen – sie senden die klare Botschaft aus, dass man sich auf ihnen nicht allzu lange herumdrücken möge, dies hier ist Nahverkehr. Einladender sind da die gelben Triebwagen mit dem Drei-Löwen-Symbol, die haben sogar Klapptische am Sitz für den Kaffeebecher oder das Laptop. Bloß sind das noch die übriggebliebenen Zeugen aus der Diesel-Zeit, aber eben hochmodern und daher noch geduldet.

Zum Fahrpreis: Biberach-Ulm kostet hin und zurück zusammen als Handy Ticket im DING-Verkehrsverbund 14,10 Euro (Gruppen-Tageskarte: 19 Euro), für Biberach-Ravensburg und zurück sind 19 Euro fällig (Gruppen-Ermäßigungen nicht eingerechnet). Die Weiterfahrt mit dem Örtlichen ÖPNV ist jeweils inbegriffen. Das sind interessante Alternativen zum Auto. Also gilt die Empfehlung, und das hat jetzt mit der Pandemie mal nichts zu tun: Testen, testen, testen!     

Schlagwörter

Transparenz

Erstmals veröffentlicht
20.12.2021, 19:34 Uhr

Mehr aus Biberach und der Region Biberach