Wald im Wandel Biberacher Wälder stehen vor großen Herausforderungen

Biberacher Wälder stehen vor großen Herausforderungen
Forstamtsleiterin Frauke Holland erklärt, wie die Betriebsinventur abläuft. (Bild: Stadt Biberach)
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Beim Waldbegang informiert sich der Gemeinderat über die Biberacher Wälder. Trockenheit, Stürme und stabile Mischbestände stehen dabei im Mittelpunkt.

Das städtische Forstamt bewirtschaftet rund 2.400 Hektar Stadt- und Hospitalwald. Einen kleinen Teil davon besichtigt der Gemeinderat alle paar Jahre beim sogenannten Waldbegang. Diesmal führte der Rundgang bei Ellmannsweiler in den Distrikt Benzenghau im Bereich des Forstreviers Winterreute.

Forstamtsleiterin Frauke Holland und Ralf Miller, Erster Bürgermeister und Hospitalverwalter, begrüßten neben dem Gemeinderat auch zahlreiche Amtsleiter und ehemalige Stadträte. An vier Stationen erhielten die Teilnehmer Einblicke in aktuelle Herausforderungen und die tägliche Arbeit des Forstamts.

Schwierige Bedingungen für junge Fichten

An einer Station erläuterte Holland den Umgang mit jungen Fichtenbeständen auf einem Standort mit Lehmboden und einer darunterliegenden Tonschicht. „Für Bäume ist es entscheidend, dass sie auf einem guten Boden stehen. Durch die Tonschicht in etwa 40 Zentimetern Tiefe dringen die Wurzeln aber nicht hindurch, so dass die Bäume instabil sind.“

Um die empfindlichen Böden zu schonen, wird der Abstand zwischen den Rückegassen auf diesen Flächen von den üblichen 20 bis 30 Metern auf 40 Meter erhöht. Dadurch wird weniger Fläche befahren und eine weitere Verdichtung der Böden vermieden.

Da der Harvester, also der Holzvollernter, die Bäume zwischen den Rückegassen mit seinem Kran nicht mehr überall erreichen kann, fällen Forstwirte die Bäume mit der Motorsäge. „Eine arbeitsintensive Aufgabe“, berichtete Forstwirtschaftsmeister Moritz Pfarr. Anschließend werden die gefällten Bäume mit einer Seilwinde in die Rückegassen gezogen und dort mit dem Harvester aufgearbeitet.

Wenige Hundert Meter weiter zeigte sich ein anderes Bild. Dort hatte Orkan „Sabine“ im Februar 2020 gewütet. Auf einer Fläche von 16 Hektar fielen rund 56.000 Festmeter Fichtenholz an. Zum Vergleich: Der geplante jährliche Einschlag in den städtischen und hospitälischen Wäldern liegt laut Holland bei etwa 26.000 Festmetern.

„Die Fichte ist unser Brotbaum, sie wird aber immer weniger“, sagte Revierleiter Gunnar Doerry. Deshalb wird der Fichtenbestand, der sich dort durch Naturverjüngung selbst wieder aufbaut, gezielt durch weitere Baumarten ergänzt. Dazu zählen Weißtanne, Bergahorn, Rotbuche, Eiche, Waldkiefer und Lärche. Die Pionierbaumarten Vogelbeere, Birke, Pappel und Eberesche samen sich zusätzlich selbst an.

6.500 Pflanzen auf 16 Hektar gesetzt

Etwa 6.500 Pflanzen wurden in den vergangenen Jahren auf der 16 Hektar großen Fläche gesetzt. Damit die einzelnen Bäume langfristig stabil bleiben, wird der Bestand regelmäßig gepflegt. „In dieser Phase können wir noch eingreifen und die Baummischung regulieren“, erklärte Doerry.

Dadurch gehe auch keine Baumart verloren, ergänzte Holland. „Die Eiche ist der Fichte bei der Wuchskraft unterlegen und wäre dadurch in zehn Jahren an manchen Stellen gar nicht mehr da.“

Eine weitere Station widmete sich der Betriebsinventur, die 2026 stattfindet und alle zehn Jahre durchgeführt wird. Sie bildet die Grundlage für die anschließende Forsteinrichtung, in der die Bewirtschaftung der Wälder für die kommenden zehn Jahre festgelegt wird. „Für uns ist diese Bestandsaufnahme die einzige Möglichkeit, eine valide Datengrundlage zu bekommen“, sagte Holland.

Im Biberacher Forst handelt es sich um die vierte Wiederholungsinventur. Bereits vor mehr als 40 Jahren wurden in Abständen von 100 auf 200 Meter insgesamt rund 1.200 Metallpflöcke im Boden vergraben. Mithilfe von GPS werden diese Messpunkte bei der Inventur gesucht und die Bäume in einem Radius von bis zu zwölf Metern erfasst. Je näher ein Baum am Pflock steht, desto mehr Daten wie etwa die Baumstärke werden aufgenommen.

„So können wir alle zehn Jahre etwa zwei Prozent der Fläche vermessen“, erklärte Holland. Nach der Auswertung durch das Regierungspräsidium lasse sich feststellen, wie viel Holz entnommen wurde, wie viel zugewachsen ist und ob es einen Baumartenwechsel gab. „Wir sind sehr gespannt, wie sich der Vorrat durch die Stürme entwickelt hat.“

Vielfalt soll Biberacher Wälder widerstandsfähiger machen

Gegen Ende des Rundgangs zeigte sich ein alter Bestand mit Eichen und Buchen, den Holland als eine Art „Idealbild“ eines Waldes beschrieb. Vielfalt in der Struktur – bei Alter, Größe und Baumart – trage zu widerstandsfähigen Wäldern bei. „Wir wollen resiliente Ökosysteme, die sich bei Störungen weitestgehend selbst erholen.“

Zum Abschluss verwies Holland auf die Folgen der Trockenheit im Sommer 2026. Diese mache sich bei der Borkenkäferpopulation deutlich bemerkbar. Auch am Zustand der Buche, die mancherorts bereits seit Ende Juli braun sei, seien die Folgen zu erkennen. Regen sei dringend notwendig, um weitere Schäden abzuwenden.

Andere Auswirkungen könnten dagegen erst langfristig sichtbar werden. „Andere Auswirkungen dieses Sommers wie beispielsweise einen geringeren Holzzuwachs werden wir wahrscheinlich erst in zehn Jahren sehen.“

(Quelle: Stadt Biberach)

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