Rund 320 Fachleute haben beim Sepsis-Symposium am Universitätsklinikum Ulm über Früherkennung, Behandlung und Prävention diskutiert. Eine neue Kampagne soll das Thema stärken.
Am 8. Oktober 2026 stand am Universitätsklinikum Ulm die Versorgung von Menschen mit Sepsis im Mittelpunkt. Unter dem Titel „Sepsis 360° – Rundumblick auf Diagnose, Therapie, Prävention“ tauschten sich Fachpersonen aus verschiedenen Bereichen der Gesundheitsversorgung über aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse und Verbesserungsmöglichkeiten aus. Ein besonderer Schwerpunkt lag auf der Zusammenarbeit unterschiedlicher Berufsgruppen.
Eine Sepsis ist eine lebensbedrohliche Reaktion des Körpers auf eine Infektion. Innerhalb kurzer Zeit kann sie zu schweren Funktionsstörungen lebenswichtiger Organe führen.
Rund 140.000 Todesfälle durch Sepsis jährlich
In Deutschland erkranken jedes Jahr rund 500.000 Menschen an einer Sepsis. Etwa 140.000 Betroffene sterben daran. Auch wer die Erkrankung überlebt, muss häufig mit langfristigen gesundheitlichen Folgen rechnen.
Nach Angaben der Sepsis-Stiftung leiden rund drei Viertel der Überlebenden unter Langzeitfolgen. Dazu zählen körperliche Einschränkungen, chronische Schmerzen, Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen sowie anhaltende Erschöpfung.
„Umso wichtiger ist es, auch in der Bevölkerung das Bewusstsein für die Erkrankung zu stärken“, betonte Dr. Margarete Reiter von der Stabsstelle Unternehmensentwicklung und -kommunikation. „Wenn sich der Allgemeinzustand eines Menschen im Zusammenhang mit einer Infektion innerhalb kurzer Zeit deutlich verschlechtert, sollten mögliche Warnzeichen ernst genommen und rasch medizinische Hilfe in Anspruch genommen werden.“
Früherkennung und Zusammenarbeit entscheidend
Beim Ulmer Sepsis-Symposium beschäftigten sich die Teilnehmenden insbesondere mit der Frage, wie eine Sepsis möglichst früh erkannt werden kann. Ärztinnen und Ärzte sowie Pflegefachpersonen nehmen Veränderungen bei Patienten aus unterschiedlichen Perspektiven wahr. Durch eine enge Zusammenarbeit können notwendige Maßnahmen frühzeitig eingeleitet werden.
Das Programm umfasste aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse und Empfehlungen zur Diagnose und Behandlung einer Sepsis. Weitere Schwerpunkte waren Qualitätssicherung, moderne mikrobiologische Diagnostik, Klinikhygiene und die intensivmedizinische Versorgung bei Organversagen.
Auch die Vermeidung von Infektionen spielte eine wichtige Rolle. „Konsequente Maßnahmen zur Infektionsprävention können dazu beitragen, vermeidbare Erkrankungen zu verhindern und damit das Risiko für die Entstehung einer Sepsis zu reduzieren“, betonte Prof. Dr. Heike von Baum, Leiterin der Sektion Krankenhaushygiene am Institut für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene.
Anhand klinischer Fallbeispiele aus der Pädiatrie, Infektiologie und Geriatrie wurde deutlich, wie unterschiedlich sich eine Sepsis äußern kann. Die Beispiele dienten zugleich als Grundlage für Diskussionen über die Anforderungen in den jeweiligen Versorgungsbereichen.
„Bei einer Sepsis zählt jede Minute. Je früher Warnzeichen erkannt und die notwendigen diagnostischen und therapeutischen Schritte eingeleitet werden, desto schneller kann eine gezielte Behandlung beginnen“, erläuterte Prof. Dr. Eberhard Barth, leitender Arzt der operativen Intensivmedizin. „Dafür ist ein gut abgestimmtes Zusammenspiel aller an der Versorgung beteiligten Berufsgruppen entscheidend.“
Universitätsklinikum Ulm startet Sepsis-Kampagne
Mit dem Symposium fiel zugleich der Startschuss für eine umfassende Sepsis-Kampagne am Universitätsklinikum Ulm. Ziel ist es, das Wissen über die Erkrankung und die Aufmerksamkeit für mögliche Warnzeichen langfristig in unterschiedlichen Bereichen des Klinikums zu stärken.
„Mit dem Symposium haben wir einen wichtigen Impuls gesetzt. Die Auseinandersetzung mit dem Thema Sepsis endet jedoch nicht mit dieser Veranstaltung“, erklärte Dr. Margarete Reiter.
Im Rahmen der Kampagne sollen bestehende Maßnahmen zur Früherkennung, Behandlung und Prävention weiterentwickelt werden. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Zusammenarbeit der verschiedenen Berufsgruppen und einem gemeinsamen Verständnis für die Versorgung von Menschen mit Sepsis.
Universitätsklinikum versorgt jährlich Tausende Patienten
Das Universitätsklinikum Ulm behandelt jährlich rund 56.000 Patientinnen und Patienten stationär. Hinzu kommen knapp 270.000 ambulante Quartalsfälle. An den Standorten des Klinikums arbeiten rund 8.500 Beschäftigte.
Mit 30 Kliniken, 16 Instituten und 1.515 Betten ist das Universitätsklinikum nach eigenen Angaben das größte Klinikum zwischen Ost-Württemberg, Schwäbischer Alb, Bodensee und Allgäu. Es gehört zu den vier Universitätsklinika in Baden-Württemberg.
An der Medizinischen Fakultät der Universität Ulm studieren rund 4.000 Menschen. Weitere Informationen zum Klinikum gibt es unter uniklinik-ulm.de.
(Quelle: Uniklinik Ulm)