Kulturschwerpunkt dreht sich um „SIGnifikante Frauen im Landkreis Sigmaringen“

Kulturschwerpunkt dreht sich um „SIGnifikante Frauen im Landkreis Sigmaringen“
Zehn Frauen sind in ihrem Leben an einem Punkt angekommen, an dem sie etwas ändern wollen, sogar ändern müssen: Als einer von rund 75 Programmpunkten setzt sich die Theatergruppe „Rolle vorwärts“ am 11. Juli im Alten Schlachthof in Sigmaringen mit dem Thema „Ausbrechen“ auseinander. (Bild: Theatergruppe „Rolle vorwärts“)

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Mit rund 75 Veranstaltungen in 13 Städten und Gemeinden des Landkreises Sigmaringen startet in diesen Tagen das Programm des Kulturschwerpunkts 2024/25. In den Mittelpunkt rückt dieser die Frauen im Landkreis Sigmaringen und darüber hinaus.

Die Hälfte der Bevölkerung ist weiblich, das gilt auch für den Landkreis Sigmaringen. Von 134.045 Einwohnern sind dort 50,3 Prozent männlich und 49,7 Prozent weiblich (Stand 2022). Aber nicht nur quantitativ machen Frauen ziemlich genau die Hälfte der Bevölkerung aus: Ihre Signifikanz macht sich auch qualitativ in allen Lebensbereichen bemerkbar, in denen sie „ihre Frau stehen“ – sei es im Beruf, in der Familie oder im gesellschaftlichen Leben. Deshalb trägt der Kulturschwerpunkt, wortspielerisch kombiniert mit dem Landkreiskürzel SIG, auch den Titel „SIGnifikante Frauen“.

In Politik, Wirtschaft und Verwaltung sind Frauen inzwischen ebenso fester Bestandteil des öffentlichen Lebens wie in Wissenschaft und Forschung sowie auf vielen anderen Feldern – trotz weiterhin bestehender Defizite im Hinblick auf Geschlechtergerechtigkeit und Chancengleichheit und nach einer jahrhundertelangen Geschichte der Unterdrückung und Rechtlosigkeit. Damit sprechen viele gute Gründe dafür, das Kulturjahr 2024 der weiblichen Hälfte der Landkreisbevölkerung zu widmen.

Der Frauenbewegung war es im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert gelungen, grundlegende Rechte wie das Frauenwahlrecht zu erkämpfen. 1949 wurde im Grundgesetz die Gleichberechtigung von Männern und Frauen verfassungsmäßig verankert. Dennoch behielt das Rollenbild, wonach die Frau für Familie, Kindererziehung und Haushalt zu sorgen hatte, während der Mann für das Erwerbsleben zuständig war, noch bis weit in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts seine Gültigkeit.

Einen nachhaltigen Frauenaufbruch gab es erst mit dem politischen und gesellschaftlichen Aufbruch Ende der 1960er-Jahre, der eine generelle Liberalisierung und Demokratisierung in Politik und Gesellschaft, aber auch im Denken, in der Lebenswelt und Alltagskultur nach sich zog. Getragen wurde dieser von Frauen, die sich vom klassischen Rollenbild zu lösen begannen und um Gleichberechtigung in allen Lebensbereichen kämpften.

Niemals in der Geschichte haben Frauen so viel Freiheit, so viele Chancen, Entfaltungsmöglichkeiten und so viele Rechte für sich in Anspruch nehmen können, wie es heute der Fall ist. Doch obwohl in den vergangenen Jahrzehnten sehr viel erkämpft und erreicht wurde, gibt es bei Geschlechtergerechtigkeit und Chancengleichheit nach wie vor eine Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit: In vielen Gremien sind Frauen zahlenmäßig unterrepräsentiert, etwa in Unternehmensvorständen, Parlamenten, Führungspositionen oder der Wissenschaft. Auch Konflikte um Chancengleichheit im Beruf und auf dem Arbeitsmarkt müssen immer wieder neu verhandelt und ausgefochten werden.

Im breit gefächerten Programm des Kulturschwerpunkts „SIGnifikante Frauen“ wird die Frage, wo Frauen im Landkreis Sigmaringen heute stehen, aus unterschiedlichen Perspektiven in den Blick genommen: Wie ist es um die Geschlechtergerechtigkeit bestellt? Was ist verwirklicht und wo gibt es weiterhin Defizite? Wie gestalten Frauen ihr Leben? Welche Rolle spielen sie in der und für die Gesellschaft? Wie werden sie wahrgenommen und wie nehmen sie sich selbst wahr? Was sind ihre Ziele, Hoffnungen, Träume für die Zukunft? Was bewegt und beflügelt sie? Das sind grundlegende Leitfragen, über die im Kulturjahr 2024/25 nachgedacht werden, denen nachgegangen und nachgespürt werden soll.

Dafür konnten viele engagierte Frauen und Männer als Partner des Kulturschwerpunkts gewonnen werden, denen das Zustandekommen des umfangreichen und vielgestaltigen Programms zu verdanken ist. Die Veranstaltungen sind so vielfältig und bunt wie das Leben selbst. Mit Formaten wie Vorträgen, Ausstellungen, Podiumsdiskussionen, Workshops, Führungen, Lesungen, Wanderungen, Runden Tischen und Konzerten wird ein facettenreiches und komplexes Bild über das Leben von Frauen im Landkreis Sigmaringen in Vergangenheit und Gegenwart gezeichnet.

Dazu gehört unter vielem anderen die künstlerische Auseinandersetzung mit dem Thema „Frau“, die in mehreren Ausstellungen ihren Ausdruck findet. Ein explizit frauenspezifischer Themenbereich, der in mehreren Veranstaltungen aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchtet wird, dreht sich um Schwangerschaft und Geburt. Das weite Feld „Frau und Beruf“ wird in einer Reihe unterschiedlicher Veranstaltungen etwa zu Frauen in Führungspositionen, zur Rückkehr nach der Elternzeit oder zur Debatte um den Gender-Pay-Gap, also das geschlechtsspezifische Lohngefälle, behandelt.

Literarisch kommen Autorinnen in einer Reihe von Lesungen von und über Frauen zu Wort. Eine Filmreihe, in deren Mittelpunkt außergewöhnliche Frauengeschichten stehen, gehört ebenfalls zum Programm und die Theatergruppe „Rolle vorwärts“ wird das Publikum niveau- und humorvoll zum Lachen und Nachdenken bringen – diesmal mit dem Stück „Brechreiz“ über den „Reiz des Brechens“ mit Altgewohntem und Eingefahrenem.

Gefördert wird der Kulturschwerpunkt von der Hohenzollerischen Landesbank Kreissparkasse Sigmaringen und der Sparkasse Pfullendorf-Meßkirch. Eine Übersicht zu den einzelnen Veranstaltungen geben ein Programmheft und die Internetseite www.landkreis-sigmaringen.de/kulturschwerpunkt. Das Programmheft kann auch angefordert werden bei der Geschäftsstelle des Kulturforums Landkreis Sigmaringen e.V., Landratsamt Sigmaringen, Stabsbereich Kultur und Archiv, Leopoldstraße 4, 72488 Sigmaringen, Telefonnummer: 07571/102-1141,

E-Mail: [email protected].

(Pressemitteilung: Landkreis Sigmaringen)