Lindauer Industriedenkmal Ehemaliges Felix-Wankel-Institut steht zum Verkauf

Ehemaliges Felix-Wankel-Institut steht zum Verkauf
Allein die Lage des einstigen Felix-Wankel-Instituts am Lindauer Bodenseeufer ist einmalig. (Bild: Engel & Völkers)

Lindauer Industriedenkmal aus den 1960er-Jahren soll für 16 Millionen Euro veräußert werden – Vorarlberger Obrist Group hat Engel & Völkers mit der Vermarktung beauftragt

Was da verkauft werden soll, ist ein Juwel der industriellen Architekturgeschichte. Nicht nur für jene, die auf dem Bodenseeradweg in Richtung Österreich unterwegs sind, ist das futuristisch anmutende Gebäude unweit des Bodenseeufers ein Blickfang sondergleichen. Auch unter Oldtimer-Fans und Fahrzeugingenieuren weit über die Region hinaus ist die markante Immobilie, in der einst Felix Wankel, der Erfinder des Kreiskolbenmotors, geforscht hat, bekannt. Jetzt soll das denkmalgeschützte Gebäude einen neuen Besitzer bekommen und samt Grundstück für 16 Millionen Euro verkauft werden. Das geht aus einer Pressemitteilung von Engel & Völkers hervor, einem auf die Vermittlung von Wohn- und Gewerbeimmobilien spezialisierten Unternehmen.

Die grün gefärbten Markisen verleihen dem Wankel-Gebäude ein futuristisches Aussehen. (Bilder: Engel & Völkers)

Aktuell ist die Obrist Group mit Sitz in Lustenau (Vorarlberg) Eigentümerin der Immobilie. Sie hatte das zuletzt leerstehende Wankel-Gebäude erst vor fünf Jahren erworben und entsprechend den Denkmalschutz-Richtlinien sowie komplett ESG-konform (Environment, Social, Governance), sprich nachhaltig, saniert. Die Unternehmensgruppe des Vorarlberger Ingenieurs Frank Obrist, der selbst noch Mitarbeiter von Felix Wankel war, gehört nach eigenen Angaben zu den weltweit wichtigsten Innovatoren auf dem Gebiet nachhaltiger Energiekonzepte. Zurzeit betreibt Obrist in dem historischen Gebäude ein Tech-Center.

Der Bereich der ehemaligen Werkhalle wird von der Firma Obrist als Schauraum genutzt.
Der Bereich der ehemaligen Werkhalle wird von der Firma Obrist als Schauraum genutzt. (Bild: Engel & Völkers)

Das markante Gebäude wurde in den 1960er-Jahren nach einem Entwurf von Felix Wankel als Forschungs-, Entwicklungs- und Designzentrum errichtet. Laut Pressemitteilung hat das Grundstück eine Größe von knapp 10 000 Quadratmetern, davon sind etwa 2000 Quadratmeter Fläche im See. Die Bruttonutzfläche des Gebäudes umfasst rund 1200 Quadratmeter auf zwei Geschossen und dem dritten Geschoss des Turms. Das zweite Geschoss kann den Angaben zufolge zur Hälfte als Wohnung genutzt werden. Zur Liegenschaft gehören Garagen, Parkplätze und Ladestationen.

Die Obrist Group habe Engel & Völkers „exklusiv mit der Vermarktung dieser Sonderimmobilie“ beauftragt, heißt es in der Mitteilung weiter. Mit dem Felix-Wankel-Institut stehe in Lindau „ein einzigartiges Industriedenkmal“ zum Verkauf. Die rundum sanierte Immobilie eigne sich „für Forschung & Entwicklung, als Stiftungssitz, Showroom, Büro, Seminarzentrum oder Ähnliches“. Ein Käufer könne das Objekt „nach Wunsch leer oder vermietet übernehmen“. Richard Jennewein, Geschäftsführer von Engel & Völkers Commercial Bodensee, sagt: „Unternehmen oder private Investierende haben hier die einmalige Gelegenheit, eine architektonische Ikone mit historischer Bedeutung zu erwerben.“

Darf im historischen Gebäude nicht fehlen: eine Büste von Felix Wankel
Darf im historischen Gebäude nicht fehlen: eine Büste von Felix Wankel (Bild: Engel & Völkers)
Spannende Historie

Das ehemalige Felix-Wankel-Forschungsinstitut hat eine spannende Geschichte. Der deutsche Erfinder Felix Wankel hatte zunächst in seinem Privathaus in Lindau 1951 die „Technische Forschungs- und Entwicklungsstelle“ (TES) eingerichtet und zog damit in den 1961 fertiggestellten Neubau am Bodenseeufer. Dieses futuristische Gebäude hatte er selbst entworfen, Errichtung und Betrieb übernahm die Fraunhofer-Gesellschaft. Wankel arbeitete hier an der Entwicklung des nach ihm benannten Wankelmotors, eines Kreiskolbenmotors, der in den 1960er-Jahren in Fahrzeugen wie dem zweisitzigen Cabrio NSU Wankel Spider und der Limousine NSU Ro 80 zum Einsatz kam. In den 1980er-Jahren kooperierte das Institut u.a. auch mit Daimler-Benz.

Nach Wankels Tod im Jahr 1988 ging das Gebäude in den Besitz der Felix-Wankel-Stiftung über, die es ab 1997 zum Kauf anbot. Zwei Jahre später wurde es von der Volkswagen Group übernommen. Im Jahr 2008 erfolgte die Übergabe an die Audi AG, die hier zusammen mit Universitäten Grundlagenforschung betrieb. Seit 2013 kann der Oldtimer-Verein Ro 80 Club International e.V. das Gebäude für Clubtreffen und Präsentationen nutzen. Die Immobilie steht seit 2004 unter Denkmalschutz (technisches Denkmal).

Im Jahr 2020 übernahm die Obrist Group das Gebäude und sanierte es umfassend im Rahmen der Denkmalschutzrichtlinien. Heute wird das Institut als Entwicklungszentrum für ihre Projekte im Bereich nachhaltiger Energieproduktion genutzt. Das Unternehmen verfolgt das Ziel, fossile Energien durch flüssige Solarenergie zu ersetzen und CO₂ aus der Atmosphäre zu entfernen. Im Entwicklungszentrum Lindau demonstriert die Obrist Group Technologien wie die Herstellung von Sub Zero® Methanol, einem synthetischen Kraftstoff, der aus Wasserstoff und CO₂ gewonnen wird.