Berufliches Schulzentrum (BSZ) in Lindau: Kreisräte informieren sich geplanten Neubau

Berufliches Schulzentrum (BSZ) in Lindau: Kreisräte informieren sich geplanten Neubau
Der Ständige Vertreter der Schulleiterin (FOSBOS) Christian Klix bei der Führung mit einer Gruppe von Kreisräten und Bürgermeistern des Landkreises Lindau durch das Schulhaus. (Bild: Landkreis Lindau/Nadja Krassik)

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Mehr als 130 Lehrkräfte und weitere Mitarbeiter kümmern sich im Beruflichen Schulzentrum Lindau jährlich um etwa 2.100 Schüler. In den drei dort untergebrachten Schulen können diese insgesamt 21 Abschlüsse erwerben, neben Fach- und Vollabitur auch insgesamt 17 Ausbildungsabschlüsse.

Das Schulgebäude aus dem Jahr 1981 ist mittlerweile aber veraltet. Außerdem hatte die Schulfamilie bereits von Anfang an mit starken Baumängeln zu kämpfen. Noch vor den Sommerferien werden die Mitglieder des Kreistags nun entscheiden, wie es mit dem Schulgebäude weitergehen soll.

In einer öffentlichen Informationsveranstaltung im Beruflichen Schulzentrum informierte der Landkreis als Träger der Schule gemeinsam mit der Schulleitung und beteiligten Architekten, Planern und Projektentwicklern die Mitglieder des Kreistags und die interessierte Öffentlichkeit über den aktuellen Stand des Projekts. Insbesondere in den Gemeinden wird ein Neubau intensiv diskutiert, stehen doch Baukosten in Höhe von etwa 98,5 Millionen Euro an und damit auch eine mögliche Erhöhung der Kreisumlage.

„Uns ist es wichtig, dass wir bei dem größten Projekt, das der Landkreis stemmen muss, absolute Sorgfalt walten lassen“, so Landrat Elmar Stegmann bei der Veranstaltung. Es wurden deshalb durch den Landkreis in den vergangenen Jahren mehrere

Machbarkeitsstudien in Auftrag gegeben. Geprüft wurden hier Sanierungsoptionen ebenso wie beispielsweise die Auswirkungen einer Pfahlgründung auf das angrenzende denkmalgeschützte Rainhaus. „Wir haben hier nichts dem Zufall überlassen und können nun unsere Planungen und Prognosen fundiert untermauern“, erläutert Architekt Marcus Vollmann den anwesenden Kreisräten. So steht mittlerweile fest, dass eine Sanierung des maroden Gebäudes nicht möglich ist.

Denn viele Jahre hatte sich das Gebäude aufgrund einer fehlerhaften Gründung um bis zu 30 cm abgesenkt. Tiefe Risse zeugen noch heute davon. „Aktuell ist das Gebäude zwar ruhig, aber absolut fragil. Jede Veränderung könnte zu weiteren Senkungen führen und das Gebäude wird dadurch instabil. Eine Gewährleistung für Sanierungsarbeiten wird daher kein Experte übernehmen.“

Das Gebäude mit Schönheitsreparaturen noch einige Jahre weiter zu nutzen, wurde als weitere Option geprüft. „Es wird damit aber nur das Unausweichliche hinausgezögert mit dem Risiko, dass aufgrund einer veralteten Struktur der Schulstandort gefährdet wird und die Kosten steigen werden,“ prognostiziert Projektentwickler Max Meixner.

Denn eine Weiternutzung des Gebäudes ist keine tragfähige Lösung, da das Gebäude einfach nicht langfristig weitergenutzt werden kann. Schönheitsreparaturen bringen keine energetischen Verbesserungen, keine merklic hen Verbesserungen für die Schulfamilie und lösen die Grundprobleme des bestehenden Gebäudes nicht.

Und für die Schulleiterin Antje Schubert steht fest: „Wenn wir nicht schnell reagieren, könnten wir weitere Schulsprengel verlieren und dann ist unsere Schule nicht mehr wirtschaftlich zu führen. Bereiche, die einmal wegfallen, kommen nicht wieder!“ Viele konkurrierende Schulstandorte haben in den letzten Jahren modernisiert und planen dies aktuell, wie beispielsweise Friedrichshafen oder Kempten.

„Wir haben schon jetzt enorme Schwierigkeiten, den Unterricht nach den Anforderungen an einen modernen Unterricht zu organisieren und durchzuführen. Die räumliche Aufteilung ist dafür nicht geeignet, wir platzen aus allen Nähten. Man muss sich immer vor Augen halten: Wir machen hier Werkstattunterricht mit teilweise sehr großen Maschinen,“ so Antje Schubert, die die Kreisräte und weitere Interessierte bei dem Informationstermin durch das Schulgebäude führte. Sie verdeutlichte dabei auch eindrücklich, dass aufgrund der Bedarfe der Schule eine Reduzierung der Schulfläche, beispielsweise während einer Bauphase, nicht umsetzbar ist und auch Interimslösungen quasi nicht möglich sind.

Auch Vertreter der Wirtschaft verdeutlichten bei dem Termin den anwesenden Kreisräten die Wichtigkeit eines modernen Schulstandorts in Lindau für die heimische Wirtschaft: „Eine wohnortnahe Beschulung ist elementar wichtig für Jugendliche, die noch nicht mobil sind. Für Unternehmen ist sie ein entscheidender Vorteil bei der Nachwuchsgewinnung“, so der Lindauer Unternehmer und Vorsitzende der IHK- Regionalversammlung Rolf Thomann. „Nur mit einer modernen technischen Ausstattung können wir die Fachkräfte von morgen ausbilden und im Landkreis halten.“

Die aktuellen Planungen sehen für einen Neubau die Fläche direkt südlich des jetzigen Gebäudes vor und weit genug entfernt vom denkmalgeschützten Rainhaus. Das alte Schulgebäude könnte so bis zur Fertigstellung des Neubaus weiter genutzt und dann erst abgerissen werden. Entstehen würde auf dem Gelände unter Einbezug der Realschule im Dreiländereck und dem Bodensee-Gymnasium ein richtiger Lindauer Schulcampus mit modernen Gebäuden und grünen Außen- und Sportanlagen.

Der kompakte Neubau hat eine um 15 % geringere Grundfläche bei 20 % mehr Nutzflächen als die Bestandsschule. Der Bau- und Umweltausschuss der Stadt Lindau hat über das Projekt in seiner jüngsten Sitzung vom 4. Juni beraten und einstimmig beschlossen, dass für das Neubauprojekt kein Bebauungsplan-Verfahren notwendig ist.

„Wir haben in den letzten Jahren in unserer Kreispolitik immer einen Schwerpunkt auf Bildungsprojekte gelegt und in der Vergangenheit zurecht viel Geld in unsere Jugend investiert. Unser jüngstes Projekt – der Neubau der Antonio-Huber-Schule in Lindenberg – wird zum Sommer hin abgeschlossen“, so Landrat Elmar Stegmann, der sich klar zu einem Neubau des Beruflichen Schulzentrums bekennt: „Das Projekt Berufliches Schulzentrum ist für unseren Landkreis als Bildungsstandort von größter Bedeutung.“

Ein modernes Schulzentrum bietet optimale Bildungsbedingungen und stärkt die langfristige wirtschaftliche Entwicklung. „Unsere Jugendlichen sind die zukünftigen Fachkräfte“, betont Stegmann. „Eine gute Ausbildung sichert die Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft unseres Landkreises.“

Landrat Elmar Stegmann beleuchtet die Bedeutung von Investitionen auch aus volkswirtschaftlicher Perspektive. „Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten spielt die öffentliche Hand eine zentrale Rolle als Konjunkturmotor“, erklärt Stegmann.

„Investitionen in Bildung und Infrastruktur sind nicht nur Ausgaben, sie sind Investitionen in die Zukunft unseres Landkreises,“ erklärt der Landrat. Mit diesem Projekt zeige der Landkreis Lindau, dass er bereit ist, in schwierigen Zeiten Verantwortung zu übernehmen und proaktiv Maßnahmen zu ergreifen, die langfristig der gesamten Region zugutekommen werden.

„Denn in wirtschaftlich schwierigen Zeiten ist es umso wichtiger, dass die öffentliche Hand aktiv wird. Durch den Neubau des beruflichen Schulzentrums können wir den lokalen Bausektor beleben und Arbeitsplätze sichern. Das Geld bleibt in der Region und trägt zur Wertschöpfung bei. Das ist nicht nur kurzfristig sinnvoll, sondern auch langfristig.“

In Zeiten niedriger Zinsen sieht Stegmann auch finanzielle Vorteile: „Wir können günstige Kreditkonditionen nutzen, um langfristig zu sparen und die Belastung durch die Kreisumlage moderat zu halten.“

Abschließend appelliert Landrat Stegmann: „Lassen Sie uns gemeinsam in die Zukunft unserer Jugend und unserer Region investieren.“ Mit diesen Worten setzt sich Landrat Elmar Stegmann entschlossen für den Neubau des beruflichen Schulzentrums ein und hofft auf breite Unterstützung für das Projekt.

Die Gesamtkosten für den geplanten Neubau werden aktuell auf etwa 98,5 Millionen Euro geschätzt, wovon circa 88,3 Millionen Euro auf das eigentliche Schulgebäude inklusive Werkstätten sowie circa 10,2 Millionen Euro auf die Sporthalle entfallen. Die Eigenmittel des Landkreises betragen etwa 51 Millionen Euro. Die restlichen etwa 47,5 Millionen Euro können über verschiedene Förderprogramme finanziert werden. Wesentlicher Baustein zur Refinanzierung der erforderlichen Kredite könnten laut Landkreis- Kämmerei die Gastschulbeiträge dienen, die der Landkreis Lindau von den Heimatlandkreisen der in Lindau beschulten Schüler erhält. Dies sind jährlich etwa 2,5 bis 3,0 Millionen Euro.

„Dieser Betrag wurde in der Vergangenheit zum allgemeinen Haushaltsausgleich verwendet und könnte nun zur zweckgebundenen Tilgung der für diese Maßnahme aufgenommenen Darlehen dienen und damit zu einem schnelleren Abbau der sicherlich deutlich ansteigenden Verschuldung führen,“ so Kämmerer Erwin Feurle. Der Neubau ist aber nur mit Unterstützung der Kommunen möglich, denn die Finanzierung ist nur mit einem adäquaten Beitrag der Kreiskommunen und damit mit einer Erhöhung der Kreisumlage zu stemmen.

Alle Informationen zum geplanten Neubau des BSZ in der Übersicht, finden Sie unter der Webseite.

(Pressemitteilung: Landkreis Lindau)