Die Polizei führt 2025 in Baden-Württemberg 46 Verfahren gegen Gruppierungen der Organisierten Kriminalität. Rauschgiftdelikte bleiben dabei der Schwerpunkt.
Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Zahl der Ermittlungsverfahren im Bereich der Organisierten Kriminalität um rund zehn Prozent. 2024 waren es noch 41 Verfahren. Mit 25 Fällen beziehungsweise 54,3 Prozent entfiel mehr als die Hälfte auf Rauschgiftkriminalität.
Es folgten Cyberkriminalität mit zehn Verfahren (21,7 Prozent) und Wirtschaftskriminalität mit vier Verfahren (8,7 Prozent). Eigentumskriminalität spielte mit einem Verfahren eine vergleichsweise geringe Rolle.
„Organisierte Kriminalität und Wirtschaftskriminalität bedrohen unseren Rechtsstaat und unsere Innere Sicherheit. Kriminelle Netzwerke agieren international, hochprofessionell und passen ihre Strukturen und Vorgehensweisen fortlaufend neu an. Mit konsequenter Ermittlungsarbeit, modernen Bekämpfungsansätzen und einer engen nationalen wie internationalen Zusammenarbeit setzen wir diese Kriminellen massiv unter Druck. Seit Juli 2025 nehmen wir mit unserer Taskforce Finanzkriminalität Baden-Württemberg die finanziellen Strukturen krimineller Netzwerke noch stärker ins Visier. Illegale Gewinne schöpfen wir konsequent ab und fassen dort hin, wo es wirklich wehtut“, sagte der Stellvertretende Ministerpräsident und Innenminister Manuel Hagel MdL anlässlich der Vorstellung des Berichts.
Weitere 195 Bandenverfahren
Zusätzlich führte die Polizei 195 sogenannte qualifizierte Bandenverfahren im Vorfeld der Organisierten Kriminalität. Im Jahr zuvor waren es 248. Die Schwerpunkte lagen mit 81 Verfahren (41,5 Prozent) bei der Rauschgiftkriminalität und mit 59 Verfahren (30,3 Prozent) bei der Eigentumskriminalität.
Weitere Fälle betrafen unter anderem Wirtschaftskriminalität, Cyberkriminalität sowie Geldwäsche-, Steuer- und Zolldelikte. Im Fokus der Ermittlungen standen internationale Tätergruppierungen sowie Strukturen der italienischen und Russisch-Eurasischen Organisierten Kriminalität, der Clan- und der Rockerkriminalität.
Wirtschaftskriminalität verursacht Millionenschäden
Die Zahl der Straftaten im Zusammenhang mit dem Wirtschaftsleben stieg 2025 um 7,6 Prozent auf 5.944 Fälle. Im Vorjahr waren es 5.524. Damit blieb die Zahl unter dem Zehnjahresmittel von rund 6.800 Fällen.
Der Vermögensschaden nahm um 3,9 Prozent von 265,2 Millionen auf rund 275,6 Millionen Euro zu. Die Wirtschaftskriminalität verursachte damit rund ein Drittel des Gesamtschadens aller in der Polizeilichen Kriminalstatistik erfassten Straftaten in Baden-Württemberg.
Besonders deutlich stieg der Subventionsbetrug: Die Zahl der Fälle hat sich von 341 auf 693 mehr als verdoppelt. Der Schaden erhöhte sich von rund 20 auf rund 37 Millionen Euro. Als Grund nennt die Polizei insbesondere nachträgliche Ermittlungsverfahren im Zusammenhang mit den Corona-Soforthilfen.
Deutlich mehr betrügerische Anrufe
Bei den Phänomenen „Falscher Polizeibeamter“, „Enkeltrick“ und „Schockanruf“ stieg die Zahl der Straftaten um 66 Prozent von 8.780 auf 14.571 Fälle. Der Vermögensschaden belief sich auf rund 21,8 Millionen Euro nach 18,4 Millionen Euro im Vorjahr. Gleichzeitig blieben 96,3 Prozent der bekannt gewordenen Taten im Versuchsstadium.
Auch der sogenannte „Cybertrading-Fraud“, also Anlagebetrug im Internet, gewann an Bedeutung. Internationale Tätergruppierungen nutzen professionelle technische Infrastrukturen, um Geschädigte zu vermeintlichen Investitionen in nicht existente Finanzprodukte zu bewegen.
Die Zahl dieser Straftaten stieg um 45,5 Prozent von 3.845 auf 5.593 Fälle. Der Gesamtschaden belief sich auf 212,8 Millionen Euro. Mit der Operation „Herakles“ wurden technische Infrastrukturen entsprechender Tätergruppierungen gezielt identifiziert und abgeschaltet.
Polizei setzt auch auf Prävention
Neben spezialisierten Ermittlungsstrukturen, internationalen Kooperationen und neuen Bekämpfungsansätzen setzt die Polizei insbesondere bei betrügerischen Anrufstraftaten auf Prävention. Bürger sollen frühzeitig sensibilisiert und potenzielle Opfer besser geschützt werden.
Verhaltenshinweise und Tipps stellt die Polizei auf Polizei-Beratung.de bereit. Zusätzlich veröffentlicht sie regelmäßig Informationen über ihre Social-Media-Kanäle. Weitere Informationen zur Organisierten Kriminalität und Wirtschaftskriminalität gibt es auf sicher-bw.de.
Taskforce gegen Finanzkriminalität
Seit Anfang Juli 2025 arbeiten Spezialisten von Polizei, Steuerfahndung und Generalstaatsanwaltschaft in der Taskforce Finanzkriminalität Baden-Württemberg (TafF BW) zusammen. Sie bündeln ihre Expertise im Kampf gegen Wirtschafts- und Steuerkriminalität, Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung. Ziel ist es, kriminellen Strukturen die finanzielle Grundlage zu entziehen.
(Quelle: Innenministerium Baden-Württemberg)