Kampf gegen illegalen Müll Pilotprojekt Müllblitzer: KI‑Kamera erkennt illegale Ablagerungen 

Pilotprojekt Müllblitzer: KI‑Kamera erkennt illegale Ablagerungen 
Überfüllte Altkleidercontainer und illegal abgestellter Müll sorgen vielerorts für Probleme. In Bad Nauheim soll jetzt ein KI-gestützter Müllblitzer gegen unerlaubte Ablagerungen helfen. (Symbolbild: Animaflora / iStock / Getty Images Plus)

Es ist ein trauriges Bild in vielen Orten Deutschlands: Vor Wertstoff- und Altkleidercontainern liegen überquellende Plastiktüten, verstreute Klamotten und manchmal sogar Hausmüll. Eine bekannte Kurstadt in Deutschland setzt jetzt auf einen Wildmüllblitzer mithilfe von KI.

Ob in Ravensburg, in Bad Waldsee, am Bodensee oder im Allgäu – überall wird Müll ordnungswidrig entsorgt. Besonders betroffen sind die Stellen rund um Wertstoffcontainer. Wer Dosen oder Glasflaschen einwirft, entsorgt nebenbei schnell mal sein Bügelbrett, den alten Mixer oder auch einen großen Teppich. Achtlos abgestellt auf dem Boden fristet alles ein verbotenes Dasein und bekommt schnell Gesellschaft von anderem illegal entsorgtem Material.

Bad Nauheim hat die Nase vorn

Vor Altkleidercontainern sieht es ähnlich aus. Wenn diese voll sind, werden weitere Säcke – oft mit Löchern – oder massenweise Schuhe einfach davor abgestellt. Oft gesellt sich noch anderer verbotener Kram dazu. Wir berichteten aktuell aus Bad Waldsee darüber.

Die Kurstadt Bad Nauheim hat jetzt die Nase vorn oder auch voll und hat das Pilotprojekt Wildmüllblitzer gestartet. „Als Gesundheitsstadt legen wir einen hohen Wert auf Sauberkeit und einen gepflegten öffentlichen Raum. Illegale Müllablagerungen beeinträchtigen die Aufenthaltsqualität und belasten die Allgemeinheit“, so Bürgermeister Klaus Kreß in einer Pressemitteilung. „Der Wildmüllblitzer ist ein zeitgemäßes Instrument, um Verstöße gezielt zu dokumentieren und Verursacher konsequent zur Verantwortung zu ziehen“.

In Bad Nauheim soll eine KI-gestützte Kamera illegale Müllablagerungen erkennen und mögliche Verstöße dokumentieren.
In Bad Nauheim soll eine KI-gestützte Kamera illegale Müllablagerungen erkennen und mögliche Verstöße dokumentieren. (Symbolbild: Jay_Zynism / iStock / Getty Images Plus)

KI – datenschutzkonform und mit Augenmaß eingesetzt

Die technische Lösung nutzt Kameras und automatische Bilderkennung. Dabei prüft die eingesetzte KI die Aufnahmen schematisch auf typische Merkmale eines möglichen Ablagevorgangs, zum Beispiel das Ablegen oder Zurücklassen größerer Gegenstände und Müllsäcke. Erkennt sie ein entsprechendes Muster, markiert sie den Vorgang als Verdachtsfall und löst die Sicherung einer kurzen Bildsequenz aus. Die KI trifft dabei keine Entscheidung über die weitere Verfolgung und legt auch kein fortlaufendes Bildarchiv an. Die rechtliche Bewertung übernimmt autorisiertes und geschultes Personal der Stadt.

Menschen überprüfen KI-Ergebnis

Der weitere Prozess in der Verwaltung läuft anschließend in mehreren Schritten ab: Zunächst wird der Verdachtsfall durch Mitarbeitende gesichtet. Dabei werden die für die Prüfung erforderlichen verpixelten Bildbereiche stufenweise freigegeben. Anschließend wird geprüft, ob der konkrete Ablagevorgang bestätigt werden kann. Dann erst wird eine mögliche Zuordnung zu einer Person oder einem Fahrzeug geprüft, bevor die rechtlichen Voraussetzungen für eine weitere Bearbeitung erfüllt sind, heißt es in einer Pressemitteilung.

„Menschen, die sich im entsprechenden Bereich aufhalten oder hier entlang spazieren, werden zu keinem Zeitpunkt aufgezeichnet“, erklärt Steffen Schneider, Fachbereichsleiter Kur- und Servicebetrieb. Selbst bei einem Vergehen werden nicht benötigte Bilddaten gelöscht. Entwickelt wurde die Lösung gemeinsam von der Stadt Bad Nauheim und dem in Frankfurt am Main ansässigen Unternehmen Celective GmbH.

Kein Kavaliersdelikt, sondern Bußgeldtatbestand

Wer Abfälle illegal ablagert, muss mit teuren Folgen rechnen. Je nach Art und Umfang des Verstoßes können Bußgelder bis zu 500 Euro verhängt werden. Hinzu kommen die Kosten für die Entsorgung inklusive der Erstattung der dazu eingesetzten Maschinen und Personalkosten. Damit kann ein Vergehen schnell eine vierstellige Zahlung zur Folge haben. Kann die verursachende Person ermittelt werden, erfolgt die Entsorgung nicht auf Kosten der Allgemeinheit im Rahmen der Abfallgebühren.

Umweltsünder bitte beim Ordnungsamt melden

In Bad Waldsee sind hauptsächlich die Altkleidercontainern in der Lortzingstraße betroffen. Hier bittet die Stadt die Bevölkerung um Mithilfe. Auch Ravensburg hat ein Problem mit verschiedenen Containerstandorten. Nur manchmal werden Personen dabei erwischt, wie sie Müll auf Kosten der Allgemeinheit zu entsorgen versuchen.

Im April dieses Jahres gabs in der Türmestadt allerdings ein paar Glückstreffer. Mehrere Personen wurden dabei erwischt, als sie Teppiche in einen Altkleidercontainer werfen wollten und einen Wasserkocher sowie Hausmüll bei einem Altglascontainer abstellten. Wie die Stadt schreibt, mussten alle ihren Müll wieder mitnehmen und auf die betroffenen Personen warten hohe Bußgelder.

Sperrmüll einfach vor Containern abgestellt

In Hagnau am Bodensee wurde Anfang September sogar Sperrmüll an den Containern am Löschweiher abgeladen. Dieser musste vom Bauhof kostenpflichtig entsorgt werden.

„Diese Art der Müllablagerung ist nicht nur verboten, sondern verursacht auch zusätzliche Kosten“, berichtet die Gemeinde. Wer beobachtet, dass jemand Müll illegal entsorgt, soll sich bitte beim Ordnungsamt in Hagnau unter Telefonnummer 07532/4300-16 melden.

Zieht oberschwäbische Kurstadt nach?

Vielleicht macht das Modell aus Bad Nauheim ja Schule und wird bald von mehreren Gemeinden und Städten in unserer Region eingesetzt. Oberbürgermeister Matthias Henne aus Bad Waldsee ist von dem Projekt aus Bad Nauheim bereits begeistert und hat es zur internen Prüfung weitergeleitet. Mal schauen, was daraus wird.

(Quelle: PM Stadt Bad Nauheim/RV/Bad Waldsee/Hagnau)