Digitale Erziehung Jugendmedienschutz im Landkreis Sigmaringen: Experten warnen vor Apps

Jugendmedienschutz im Landkreis Sigmaringen: Experten warnen vor Apps
Zahlreiche sechste und siebte Klassen haben Michael Weis (links) vom Fachbereich Jugend des Landratsamts Sigmaringen und Fabian Hengstler vom Referat Prävention des Polizeipräsidiums Ravensburg im abgelaufenen Schuljahr besucht. (Bild: Landratsamt Sigmaringen)
WOCHENBLATT
WOCHENBLATT

Viele Kinder nutzen bereits in der Grundschule soziale Netzwerke. Fachleute informieren im Landkreis Sigmaringen über Risiken und zeigen Eltern Möglichkeiten zum Jugendmedienschutz auf.

Mit rund 40 Workshops zum Thema Jugendmedienschutz waren das Landratsamt Sigmaringen und das Polizeipräsidium Ravensburg im vergangenen Schuljahr in zahlreichen sechsten und siebten Klassen zu Gast. Michael Weis vom Fachbereich Jugend und Fabian Hengstler vom Referat Prävention sprachen dabei mit den Jugendlichen vor allem über die Nutzung von Smartphones. Ihr Fazit: Ab der fünften Klasse besitzen die meisten Schülerinnen und Schüler ein eigenes Smartphone, doch nur etwa die Hälfte der Geräte ist mit Jugendschutz-Filtern oder entsprechenden Apps ausgestattet. Erfahrungen mit ungeeigneten Inhalten machten viele Kinder bereits in der Grundschule.

Social Media bereits in der Grundschule

Aus Workshops an Grundschulen ist Michael Weis bekannt, dass manche Schülerinnen und Schüler bereits in der vierten Klasse oder sogar noch früher Social-Media-Apps wie Snapchat, TikTok oder Instagram nutzen. Über diese Plattformen könnten Kinder unter anderem mit sexualisierten, gewaltverherrlichenden oder extremistischen Inhalten in Kontakt kommen.

„Vor allem Gruppeneinladungen von Unbekannten über WhatsApp führen häufig zu Kontakt mit ungeeigneten Nachrichten, Fotos und Videos“, sagte Michael Weis. „Diese Einladungen lassen sich über die App-Einstellungen unterbinden.“

Fachleute raten zu Kinderkonten

Apps wie Snapchat, Instagram oder TikTok seien für Kinder grundsätzlich nicht geeignet, auch wenn die Anbieter eine Nutzung ab 13 Jahren erlaubten.

„Erlauben würden wir die Nutzung eher ab 14 oder 15 Jahren, empfehlen würden wir sie überhaupt nicht“, sagte Weis. „Die Mechanismen, um Nutzerinnen und Nutzer in der App zu halten, sind viel zu ausgeklügelt. Selbst Erwachsene können sich dem kaum entziehen.“

Auch von einem eigenen Smartphone in der fünften Klasse riet Weis eher ab. Falls Kinder in diesem Alter bereits ein eigenes Gerät nutzten, empfehlen die Fachleute Kinderkonten und eine Beschränkung auf die Telefon-App.

„Falls Schülerinnen und Schüler in diesem Alter bereits ein eigenes Smartphone nutzen, dann am besten mit Kinderkonten und einer Beschränkung auf die Telefon-App“, sagte Fabian Hengstler. Nahezu jede App biete inzwischen die Möglichkeit, ein von den Eltern verwaltetes Kinderkonto einzurichten.

Unter www.medien-kindersicher.de finden Eltern Anleitungen, um Smartphones, Spielkonsolen, Apps wie Snapchat oder TikTok sowie Streamingdienste wie Netflix, Disney+ und Spotify mit einer Kindersicherung auszustatten.

Unterstützung für Eltern und Kinder

Ohne eine solche Kindersicherung könnten Apps wie Snapchat einen unkontrollierten Zugang zu sexualisierten Inhalten ermöglichen.

„In fast jedem Workshop gibt es Schüler, insbesondere aber Schülerinnen, die angeben, dass ihnen zum Beispiel Nacktbilder zugeschickt wurden“, sagte Michael Weis. „Und wir müssen annehmen, dass es noch mehr sind – die es uns gegenüber nur nicht sagen.“

Unterstützung erhalten Eltern, Kinder und Jugendliche bei Schulsozialarbeitern, Vertrauenslehrern oder der Anlaufstelle „Lichtblick“ der Caritas. Die Plattform www.juuuport.de bietet zudem eine anonyme Online-Beratung an. Weitere Tipps zum Umgang mit Medien gibt es auf der Internetseite des Landkreises Sigmaringen unter landkreis-sigmaringen.de

Gemeinsame Medienzeit stärkt die Beziehung

Neben technischen Schutzmaßnahmen betonen die Fachleute auch die Bedeutung einer guten Beziehung zwischen Eltern und Kindern. Gemeinsame Medienzeit sei zugleich Beziehungszeit. Kinder schätzten es, wenn Eltern gemeinsam mit ihnen spielten oder die Online-Welt erkundeten.

(Quelle: Landkreis Sigmaringen)

Dieser Beitrag wurde unter Mitwirkung eines KI-Systems erstellt und von der Redaktion geprüft.