Beim Bürgerempfang auf der Oberschwabenschau sprach Oberbürgermeister Daniel Rapp über Bildung und Chancengleichheit. Die Stadt plant umfangreiche Investitionen.
Zahlreiche Bürger und geladene Gäste folgten am 17. Oktober der Einladung der Stadt Ravensburg zum traditionellen Bürgerempfang auf der Oberschwabenschau. Gastredner war in diesem Jahr Manuel Hagel, der in der Mitteilung als Minister des Innern, für Digitalisierung und Europa Baden-Württembergs vorgestellt wird. Die Musikschule Ravensburg begleitete die Veranstaltung musikalisch.
In seiner Eröffnungsrede betonte Oberbürgermeister Dr. Daniel Rapp die Bedeutung einer guten Zusammenarbeit zwischen Kommunen, Land, Bund und Europa. Große Herausforderungen könnten nur gemeinsam bewältigt werden. Die Bürger würden nicht danach unterscheiden, welche politische Ebene für bestimmte Aufgaben zuständig sei. Deshalb müsse die Politik stärker in Lösungen denken, statt gegenseitig Verantwortung zuzuschieben. Zugleich warb Rapp für mehr Mut zu Veränderungen in der Verwaltung, damit Kommunen wieder größere Handlungsspielräume erhalten.
Gleiche Bildungschancen für alle Kinder
Den Schwerpunkt seiner Rede legte Rapp auf die Bildungspolitik. Noch immer hänge der Bildungsweg eines Kindes zu stark vom Elternhaus ab. Der Oberbürgermeister forderte deshalb bessere Voraussetzungen für Chancengleichheit und richtete sich dabei ausdrücklich an die Bundes- und Landespolitik.
„Es muss egal sein, woher jemand kommt, es ist viel wichtiger, wohin er will. Wir müssen viel mehr dafür sorgen, dass alle Schülerinnen und Schüler die gleichen Chancen haben. Förderbedarfe müssen viel stärker noch in der Kindertagesstätte erkannt und gefördert werden. Wenn die Kinder in die Schule kommen, müssen sie die deutsche Sprache beherrschen.“
Nur mit ausreichenden Deutschkenntnissen könnten Kinder nach Rapps Auffassung dem Unterricht in der Grundschule folgen und sich grundlegendes Wissen aneignen.
Rund 70 Millionen Euro für Ravensburger Schulen
Auch die Stadt Ravensburg will im Rahmen ihrer finanziellen Möglichkeiten verstärkt in die Bildungsinfrastruktur investieren. In den kommenden Jahren sind dafür rund 70 Millionen Euro vorgesehen.
Hintergrund sind steigende Schülerzahlen, die unter anderem mit dem Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung an Grundschulen, der Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium und der demografischen Entwicklung zusammenhängen.
Einen großen Teil der geplanten Investitionen macht der notwendige Neubau der Grundschule Kuppelnau aus. Darüber hinaus werden an den städtischen Gymnasien zusätzliche Klassenzimmer benötigt. Auch die Realschule Ravensburg braucht mehr Platz.
Die Grundschule St. Christina soll ausgebaut und künftig zweizügig geführt werden.
Mehrere Schulen müssen umziehen
Mit den Bauvorhaben ist eine umfangreiche Neuordnung der Schulstandorte verbunden. Innerhalb der Stadtverwaltung läuft das Vorhaben unter dem Arbeitstitel „Schulrochade“.
Zunächst muss der Neubau der Grundschule Kuppelnau fertiggestellt werden. Erst wenn die Grundschüler in das neue Gebäude umgezogen sind, werden Räume für die Gemeinschaftsschule frei. Deren Schüler sollen anschließend aus der Neuwiesenschule an den gemeinsamen Standort in der Kuppelnauschule wechseln.
Damit wird die Gemeinschaftsschule künftig an einem Standort zusammengeführt. Die frei werdenden Räume in der Neuwiesenschule kann anschließend das Sonderpädagogische Bildungs- und Beratungszentrum (SBBZ) beziehen.
Bildung endet nicht mit der Schulzeit
Neben den Schulen hob Rapp die Bedeutung außerschulischer Bildungsangebote hervor. „Bildung fängt in der Kindertagesstätte an und hört im Leben nie auf.“
Deshalb unterstützt die Stadt nach seinen Worten auch Einrichtungen und Angebote wie die Musikschule, die Stadtbücherei, theaterpädagogische Projekte, die Volkshochschule und Bildungsangebote von Vereinen.
Als Beispiel für privates Engagement würdigte Rapp die Mossakowski-Stiftung. Sie hat mit eigenen finanziellen Mitteln das kostenlose Bildungs- und Kreativzentrum „dgital“ in der Charlottenstraße aufgebaut. Jugendliche zwischen 14 und 19 Jahren können dort professionelles Equipment für Podcasts, Videos und Games nutzen.
Zum Abschluss seiner Rede dankte der Oberbürgermeister den Menschen, die im Ravensburger Bildungsbereich tätig sind. Sie seien wichtiger als jedes Gebäude.
„Egal, ob Lehrerin oder Lehrer, pädagogische Fachkraft in Kitas, Schulsozialarbeiter oder die vielen weiteren Menschen in Funktionen in der Bildung – sie alle verdienen unseren Respekt und unsere Anerkennung. Wir haben in Ravensburg ein großartiges Bildungsnetzwerk. Danke für Ihr Engagement!“
(Quelle: Stadt Ravensburg)