Fachleute tauschen Erfahrungen aus Katastrophenmedizin: Experten treffen sich in Ravensburg

Katastrophenmedizin: Experten treffen sich in Ravensburg
Prof. Dr. Andreas Straub, Chefarzt der Klinik für Anästhesie, Intensiv-, Notfall- und Schmerzmedizin am St. Elisabethen-Klinikum Ravensburg, hat den Tag der Notfall- und Katastrophenmedizin organisiert. Dr. Marc-Michael Ventzke, Oberarzt am Westallgäu-Klinikum Wangen, berichtete von der Hochwasserkatastrophe 2024 im Landkreis Günzburg, bei der er selbst als Leitender Notarzt im Einsatz war. (Bild: Oberschwabenklinik)
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Wie können Rettungskräfte und Kliniken im Katastrophenfall besser zusammenarbeiten? Knapp 100 Fachleute tauschten sich dazu am St. Elisabethen-Klinikum in Ravensburg aus.

Hochwasser, schwere Zugunglücke oder andere Großschadenslagen stellen Rettungsdienste, Krankenhäuser und Einsatzorganisationen vor besondere Herausforderungen. Wie sich solche Einsätze bewältigen lassen und welche Erfahrungen aus vergangenen Katastrophen dabei helfen können, stand am Samstag, 10. Oktober, im Mittelpunkt einer Fortbildung am St. Elisabethen-Klinikum Ravensburg.

Die Oberschwabenklinik hatte zum Ravensburger Tag der Notfall- und Katastrophenmedizin eingeladen. Knapp 100 Teilnehmer aus Rettungsdiensten, Kliniken, Feuerwehr und Bundeswehr kamen zusammen, um Erfahrungen auszutauschen und die Zusammenarbeit zu verbessern.

Hochwasserkatastrophe 2024: Schwierige Rettungseinsätze

Dr. Marc-Michael Ventzke, Oberarzt am Westallgäu-Klinikum Wangen, berichtete von seinen Erfahrungen als Leitender Notarzt während der Hochwasserkatastrophe 2024 im Landkreis Günzburg. Für sein außergewöhnliches Engagement im Rettungswesen und Katastrophenschutz wurde er Anfang 2026 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

Überflutete Straßen, beeinträchtigte Infrastruktur und schwer einschätzbare Wasserstände erschwerten damals die Rettungsarbeiten. Besonders anspruchsvoll war die Evakuierung pflegebedürftiger Menschen, darunter Patienten, die intensiv betreut oder künstlich beatmet werden mussten.

Da sich die Lage ständig veränderte, mussten Einsatzkräfte flexibel reagieren. Ventzke betonte deshalb die Bedeutung eines verlässlichen Lagebildes, klarer Führungsstrukturen und frühzeitiger Entscheidungen.

Zugunglück von Bad Aibling: Zusammenarbeit entscheidend

Einen weiteren Einblick gab Thomas Neugebauer, Leiter Rettungsdienst und stellvertretender Kreisgeschäftsführer des BRK-Kreisverbandes Rosenheim. Beim schweren Zugunglück von Bad Aibling im Jahr 2016 war er als Einsatzleiter Rettungsdienst vor Ort.

Damals stießen zwei Regionalzüge frontal zusammen. Zwölf Menschen starben, zahlreiche weitere wurden verletzt. Die schwer zugängliche Unglücksstelle und eingeklemmte Fahrgäste erschwerten die Rettungsarbeiten. Schwerverletzte mussten teilweise mithilfe von Hubschraubern und Seilwinden geborgen werden.

Neugebauer erläuterte, wie wichtig klare Zuständigkeiten und die enge Abstimmung zwischen Feuerwehr, Rettungsdienst, Polizei und Luftrettung waren. Unterstützung kam auch aus dem benachbarten Tirol.

Dass die grenzüberschreitende Zusammenarbeit funktionierte, führte er auf regelmäßige gemeinsame Übungen und persönliche Kontakte zurück. Ebenso wichtig sei es, Fehler offen anzusprechen und daraus zu lernen.

Bis zu 70 Patienten gleichzeitig in Ravensburger Notaufnahme

Wie wichtig die Vorbereitung innerhalb der Krankenhäuser ist, verdeutlichte Dr. Alexander Pohle, Chefarzt der Zentralen Notaufnahme am St. Elisabethen-Klinikum Ravensburg.

In Spitzenzeiten werden dort bis zu 70 Patienten gleichzeitig betreut. Entscheidend seien deshalb nicht nur die räumliche und technische Ausstattung, sondern auch funktionierende Abläufe im gesamten Krankenhaus. Dazu gehöre insbesondere die Zusammenarbeit mit den Fachkliniken bei der Aufnahme und Verlegung von Patienten.

Auf die gestiegenen Anforderungen hat die Oberschwabenklinik bereits reagiert. Zum 1. Oktober wurde die Zentrale Notaufnahme räumlich erweitert. Zusätzliche Überwachungsplätze sowie zunächst zehn Betten für die stationäre Behandlung schaffen weitere Versorgungskapazitäten. Parallel dazu werden organisatorische Abläufe verbessert.

Luftrettung, Krisenintervention und militärische Medizin

Neben den Erfahrungsberichten standen weitere Fachthemen auf dem Programm. In drei Workshops beschäftigten sich die Teilnehmer mit der alpinen Luftrettung unter Leitung von Dr. Johannes Hägele, der traumaassoziierten Koagulopathie mit Prof. Dr. Andreas Straub sowie der klinischen Krisenintervention mit Martin Schniertshauer und Georg Roth. Dabei ging es unter anderem um schwere Blutgerinnungsstörungen nach Verletzungen und die psychosoziale Unterstützung von Betroffenen und Einsatzkräften.

Leutnant Marcus Herm erläuterte in seinem Vortrag „Taktische Medizin im Wandel – Transformation zur Landes- und Bündnisverteidigung“ die veränderten Anforderungen an die medizinische Versorgung im militärischen Bereich.

Organisator betont Bedeutung gemeinsamer Vorbereitung

Prof. Dr. Andreas Straub, Chefarzt der Klinik für Anästhesie, Intensiv-, Notfall- und Schmerzmedizin am St. Elisabethen-Klinikum Ravensburg, hatte die Veranstaltung organisiert und zog eine positive Bilanz.

„Im Ernstfall müssen viele Beteiligte unter großem Zeitdruck gemeinsam handeln. Dafür müssen wir die Arbeitsweisen und Herausforderungen der anderen kennen“, erklärte Straub.

Der Austausch zwischen Rettungsdiensten, Kliniken und weiteren Organisationen soll dazu beitragen, die Zusammenarbeit bei künftigen Großschadenslagen und Katastrophen zu verbessern.

(Quelle: OSK)

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