Mitte August beginnt der Bau des neuen Frauen- und Kinderschutzhauses in Ravensburg. Bis Ende 2027 soll das rund 3,2 Millionen Euro teure Gebäude stehen.
Sieben Appartements mit insgesamt 13 Wohnheimplätzen sind in dem Neubau vorgesehen. Dazu gehört ein Notfallplatz. Durch Abtrennmöglichkeiten lassen sich die Wohneinheiten flexibel belegen, sodass künftig auch Frauen mit älteren Söhnen aufgenommen werden können. Im bisherigen Gebäude ist dies aufgrund der räumlichen Situation nicht möglich.
Barrierefreies Appartement geplant
Die Appartements umfassen zusammen rund 260 Quadratmeter Wohnfläche. Hinzu kommen etwa 300 Quadratmeter für Gemeinschafts-, Mitarbeiterinnen- und Technikräume.
Im Erdgeschoss befinden sich die Büro- und Mitarbeiterinnenräume des Vereins Frauen und Kinder in Not e.V. sowie Gemeinschaftsräume. Vorgelagerte Technik- und Lagerräume sollen einen geschützten, nicht einsehbaren Innenhof schaffen.
Das Erdgeschoss wird barrierefrei gestaltet und erhält ein barrierefreies Appartement. Ein solches Angebot gibt es im bisherigen Frauenhaus nicht. Damit soll auch die Versorgung von Frauen oder Kindern mit Behinderung verbessert werden. Auf einen Aufzug kann durch die Planung verzichtet werden. Auch eine Unterkellerung mit Tiefgarage ist nicht vorgesehen, was die Baukosten reduziert.
Sicherheitskonzept setzt auf Nachbarschaft
Für das Frauen- und Kinderschutzhaus ist ein stufenweise aufgebautes Sicherheitskonzept vorgesehen. Der Neubau entsteht innerhalb eines Ravensburger Wohngebiets. Die Einbindung in eine Nachbarschaft, die vom Frauenhaus weiß, soll Normalität schaffen und durch soziale Kontrolle zur Sicherheit beitragen.
Das Gebäude ist als halböffentliches Haus konzipiert. Eine vollständige Anonymisierung einer solchen Unterkunft sei angesichts technischer Möglichkeiten wie Handy-Ortung oder GPS-Trackern heutzutage kaum noch umzusetzen. Gleichzeitig sollen Frauen und Kinder nicht mehr im Verborgenen leben und über das Erlebte schweigen müssen.
Ziel ist es, die Betroffenen auf ein eigenständiges und selbstbestimmtes Leben frei von Gewalt nach ihrem Aufenthalt vorzubereiten. Für hochgefährdete Frauen werden jedoch auch künftig anonyme Schutzplätze in anderen Häusern benötigt.
Holzbau und Wärmepumpe vorgesehen
Das neue Frauenhaus wird in Holzbauweise errichtet, wobei zu einem hohen Anteil vorgefertigte Elemente zum Einsatz kommen sollen. Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe mit Pufferspeicher übernimmt zentral die Beheizung. Photovoltaik-Module auf dem Dach unterstützen die Energieversorgung.
Oberbürgermeister Dr. Daniel Rapp betont: „Wir wollen mit dem neuen Haus einen sicheren Ort für gewaltbetroffene Frauen und Kinder schaffen, funktional und bedarfsgerecht.“
Auch beim Trägerverein ist die Freude über den bevorstehenden Baubeginn groß. „Wir sind überglücklich, dass Stadt und Land diesen Neubau ermöglichen. Wir danken für die Unterstützung und sehen den Neubau als Wertschätzung unserer langjährigen Arbeit“, betont Roswitha Elben-Zwirner, Geschäftsführerin des Vereins Frauen und Kinder in Not e.V. Zur aktuellen Situation sagt sie: „Der Bedarf ist groß, unser derzeitiges Haus war in diesem Jahr bis Juli mit einer Belegung zu 95 Prozent ausgelastet.“
Bestehendes Frauenhaus erfüllt Standards nicht mehr
Seit mehr als 43 Jahren gibt es in Ravensburg ein Frauen- und Kinderschutzhaus, das vom Verein Frauen und Kinder in Not e.V. betrieben wird. Die derzeitige Unterkunft befindet sich jedoch in einem prekären Zustand, erfüllt bautechnische und sicherheitstechnische Standards nicht mehr und ist nicht barrierefrei.
Gemeinsam mit der Stadt Ravensburg entwickelte der Trägerverein deshalb ein Neubaukonzept. Nach rund zweieinhalb Jahren Entwicklungs- und Planungszeit sollen voraussichtlich ab Mitte August die Bauarbeiten beginnen.
Die Kosten liegen voraussichtlich bei rund 3,2 Millionen Euro. Das Land fördert das Projekt mit 75 Prozent aus Mitteln des Ministeriums für Soziales, Arbeit und Gesundheit, die der Landtag von Baden-Württemberg beschlossen hat. Die übrigen Kosten trägt die Stadt Ravensburg. Fertigstellung und Bezug sind für Ende 2027 vorgesehen.
(Quelle: Stadt Ravensburg)