In Oberschwaben starten am Montag Untersuchungen zur möglichen Nutzung von Erdwärme. Auch rund um Bad Wurzach sind Spezialfahrzeuge unterwegs. Autofahrer müssen mit Behinderungen rechnen.
Was verbirgt sich tief unter Oberschwaben – und lässt sich die dort gespeicherte Wärme künftig zum Heizen nutzen? Dieser Frage geht das Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau (LGRB) mit einer groß angelegten Messkampagne nach. Am heutigen Montag, 19. Oktober 2026, beginnen die angekündigten Untersuchungen in den Landkreisen Ravensburg und Biberach. Auch das Gemeindegebiet von Bad Wurzach ist betroffen.
Zum Einsatz kommen besondere Messfahrzeuge, sogenannte Vibro-Trucks. Sie sollen mithilfe von Schwingungen Erkenntnisse über den geologischen Aufbau des Untergrunds liefern. Die Untersuchungen dauern voraussichtlich rund zwei Wochen.
Drei Spezialfahrzeuge untersuchen den Untergrund
Die Messungen erfolgen mit einem Verfahren namens 2D-Seismik. Das Prinzip ähnelt einer Ultraschalluntersuchung: Schallwellen werden in den Untergrund geschickt und an verschiedenen Gesteinsschichten zurückgeworfen.
Bereits vor dem eigentlichen Messbeginn werden entlang der vorgesehenen Strecken kleine Sensoren, sogenannte Geophone, ausgelegt. Sie zeichnen die zurückkehrenden Signale auf.
Anschließend fährt ein Verband aus drei Vibro-Trucks die Messstrecken ab. Die Fahrzeuge erzeugen über spezielle Vibrationsplatten für wenige Sekunden kontrollierte Schwingungen im Boden. Aus den aufgezeichneten Daten können Fachleute später ein Bild vom Aufbau des tiefen Untergrunds berechnen.
Die Messungen sollen insbesondere zeigen, wo günstige geologische Voraussetzungen für die Nutzung von Erdwärme bestehen könnten.
Diese Strecken in Oberschwaben werden untersucht
Die Messkampagne umfasst drei Linien in den Landkreisen Ravensburg und Biberach:
- Eine Ost-West-Verbindung zwischen Ochsenhausen und Aulendorf
- Eine Süd-Nord-Verbindung zwischen Leutkirch und Biberach über den Raum Bad Wurzach
- Eine ergänzende Seitenlinie im Bereich Füramoos und Truilz
Damit betreffen die Untersuchungen mehrere Gemeinden in Oberschwaben. Das LGRB rechnet für die Durchführung mit etwa zwei Wochen. Der genaue zeitliche Ablauf hängt unter anderem von den Wetterbedingungen und dem Fortschritt der Arbeiten ab.
Autofahrer müssen mit Behinderungen rechnen
Während die Spezialfahrzeuge unterwegs sind, kann es entlang der Messstrecken zu kurzzeitigen Verkehrsbehinderungen kommen.
Nach Angaben des LGRB sind die Einschränkungen örtlich begrenzt. Wann die Messfahrzeuge bestimmte Straßenabschnitte erreichen, hängt auch vom Verkehrsaufkommen und den jeweiligen Bedingungen vor Ort ab.
Für Anwohner und Verkehrsteilnehmer können die Fahrzeuge deshalb in den kommenden Tagen besonders auffällig sein. Das Landesamt bittet um Verständnis für die notwendigen Arbeiten.
Wird in Bad Wurzach bald Erdwärme gefördert?
Die Untersuchungen bedeuten nicht, dass bereits eine neue Erdwärmeanlage geplant oder genehmigt ist. Zunächst geht es darum, wissenschaftliche Daten über den Untergrund zu sammeln.
Die Region liegt im sogenannten Molassebecken zwischen dem Alpenrand und der Schwäbischen Alb. Unter den dortigen Ablagerungen befinden sich ältere Gesteinsschichten, deren Wasser bereits in Thermalbädern Oberschwabens genutzt wird.
Mit den neuen Messdaten wollen die Fachleute genauer untersuchen, wie diese tieferen Gesteinsschichten verlaufen und aufgebaut sind. Die Ergebnisse könnten später bei der Bewertung möglicher Tiefengeothermie-Projekte helfen.
Das LGRB betont außerdem, dass es bei den Messungen nicht um die Suche nach Erdöl oder Erdgas und auch nicht um Fracking geht.
Staatssekretär besucht Messfahrzeuge in Diepoldshofen
Bereits am Donnerstag, 15. Oktober, informierte sich Baden-Württembergs Umweltstaatssekretär Andre Baumann in Diepoldshofen im Landkreis Ravensburg über die geplanten Arbeiten.
Gemeinsam mit Vertretern der Kommunalpolitik und der Medien konnte er die Spezialfahrzeuge vor Ort in Aktion erleben. Ein Geophysiker des beauftragten Messunternehmens erläuterte dabei die Funktionsweise der Vibro-Trucks.
Baumann erklärte, dass die Untersuchungen die wissenschaftlichen Grundlagen für eine mögliche Nutzung tiefer Erdwärme verbessern sollen. Ziel sei es, das Potenzial dieser Energiequelle in Oberschwaben genauer einschätzen zu können.
Das Projekt ist Teil der geologischen Landesaufnahme Baden-Württembergs. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen auch bei künftigen Entscheidungen zur Energie- und Wärmeversorgung helfen.
Aktuelle Informationen zu den Messstrecken, zum Ablauf und zum Projekt gibt es auf der offiziellen Website www.seismik-oberschwaben.de.