Finanzdruck auf Landkreise Schwäbische Landräte fordern in Roggenburg finanzielle Entlastung

Schwäbische Landräte fordern in Roggenburg finanzielle Entlastung
v.l.n.r.: Bernd Stapfner (Landrat Ostallgäu), Erich Winkler (Stellvertretender Landrat Neu-Ulm), Elmar Stegmann (Landrat Lindau (Bodensee) und Bezirksverbandsvorsitzender), Eva Treu (Landrätin Neu-Ulm), Dr. Hans Reichhart (Landrat Günzburg), Andrea Degl (Geschäftsführendes Präsidialmitglied Bayerischer Landkreistag), Barbara Schretter (Regierungspräsidentin Regierung Schwaben), Martin Sailer (Landrat Augsburg und Bezirkstagspräsident), Christian Wilhelm (Landrat Oberallgäu), Dr. Marc Sturm (Landrat Aichach-Friedberg), Markus Müller (Landrat Dillingen a. d. Donau) und Michael Dinkelmeier (Landrat Donau-Ries). (Bild: Landkreis Lindau / Angela Arlt)
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Die schwäbischen Landräte warnen vor einer wachsenden Finanzkrise der Kommunen. In Roggenburg fordern sie dauerhafte Entlastungen durch Bund und Freistaat.

Der Bezirksverband Schwaben im Bayerischen Landkreistag ist im Bildungszentrum Roggenburg zu seiner ersten regulären Arbeitssitzung nach der Konstituierung im Frühjahr zusammengekommen. Im Mittelpunkt der Beratungen stand die sich weiter zuspitzende Finanzlage der Kommunen.

Die schwäbischen Landräte sehen die Handlungsfähigkeit ihrer Landkreise zunehmend gefährdet. Sie fordern Bund und Freistaat auf, die Kommunen dauerhaft und strukturell zu entlasten.

„Bereits bei unserer konstituierenden Sitzung im April haben wir vor dieser Entwicklung gewarnt. Leider hat sich unsere Einschätzung bestätigt – die finanzielle Lage der Landkreise verschlechtert sich weiter“, erklärte der Vorsitzende des Bezirksverbands Schwaben im Bayerischen Landkreistag, Landrat Elmar Stegmann.

„Unsere kommunalen Haushalte gleichen inzwischen einem Boot, in das ständig neues Wasser läuft. Wir schöpfen ununterbrochen, doch gleichzeitig strömt immer mehr nach. Das Problem ist nicht, dass die Kommunen über ihre Verhältnisse leben. Das Problem ist, dass Bund und Länder den Kommunen immer mehr Aufgaben übertragen, ohne die dafür notwendigen finanziellen Mittel dauerhaft bereitzustellen. So geraten selbst solide wirtschaftende Landkreise zunehmend an ihre Grenzen.“

Kommunen verzeichnen historische Defizite

Die finanzielle Schieflage ist nach Einschätzung des Bezirksverbands längst kein regionales Phänomen mehr. Bundesweit verzeichneten die Kommunen historische Defizite. Allein im Jahr 2025 lag der kommunale Finanzierungssaldo bei rund 32 Milliarden Euro – nach bereits 24,3 Milliarden Euro im Vorjahr.

Zwar entwickelten sich die Steuereinnahmen weiterhin positiv, gleichzeitig stiegen die gesetzlich vorgeschriebenen Pflichtausgaben – insbesondere im Sozialbereich – deutlich schneller. Zusätzliche Einnahmen würden dadurch vielfach vollständig aufgezehrt, bevor überhaupt in Schulen, Straßen, Krankenhäuser, den öffentlichen Nahverkehr oder den Bevölkerungsschutz investiert werden könne.

Die schwäbischen Landräte stellen klar, dass die Kommunen dort sparen, wo es möglich ist, ihre Ausgaben priorisieren und notwendige Investitionen verschieben. Die Ursachen der Krise lägen nicht in mangelnder Haushaltsdisziplin, sondern in einer strukturellen Unterfinanzierung.

Immer mehr gesetzliche Aufgaben würden auf die kommunale Ebene übertragen, ohne dass die Finanzierung mitwachse. Dieses Ungleichgewicht gefährde zunehmend die kommunale Selbstverwaltung und die Handlungsfähigkeit der Landkreise.

Kinder- und Jugendhilfe unter Druck

Besonders deutlich zeigt sich diese Entwicklung nach Angaben des Bezirksverbands in der Kinder- und Jugendhilfe. In den vergangenen Jahren habe der Bund den Leistungsumfang der Jugendhilfe kontinuierlich erweitert und neue Rechtsansprüche geschaffen – zuletzt etwa mit dem stufenweise eingeführten Rechtsanspruch auf Ganztagsförderung für Grundschulkinder.

Solche Verbesserungen seien fachlich sinnvoll und gesellschaftlich gewollt. Sie dürften jedoch nicht zulasten der kommunalen Haushalte finanziert werden. Wer neue Rechtsansprüche schaffe, müsse auch dauerhaft für deren Finanzierung sorgen.

„Die Kinder- und Jugendhilfe übernimmt immer häufiger Aufgaben, die eigentlich an anderer Stelle gelöst werden müssten. Wir brauchen leistungsfähige Strukturen im Gesundheitswesen, in den Schulen und in der Prävention. Nicht jede gesellschaftliche Herausforderung kann dauerhaft auf die kommunale Jugendhilfe verlagert werden“, betonte Stegmann.

Auch die Ausgaben für die Eingliederungshilfe für Menschen mit Behinderung sowie für die Hilfe zur Pflege stiegen seit Jahren kontinuierlich an. Dies führe zu einer steigenden Bezirksumlage und belaste die Landkreise zusätzlich.

Da es sich überwiegend um gesetzlich vorgeschriebene Pflichtleistungen handle, verfügten weder Bezirke noch Landkreise über nennenswerte Steuerungsmöglichkeiten. Einsparungen seien hier kaum möglich, ohne die Versorgung der Bürgerinnen und Bürger oder bestehende Rechtsansprüche zu gefährden.

Landräte fordern konsequentes Konnexitätsprinzip

Vor diesem Hintergrund befasste sich der Bezirksverband auch mit der jüngsten Verständigung zwischen Bund und Ländern zur Finanzierung kommunaler Aufgaben. Dass der Grundsatz der „Veranlassungskonnexität“ – also „Wer bestellt, bezahlt“ – künftig stärker berücksichtigt werden soll, bewerten die schwäbischen Landräte ausdrücklich positiv.

Nach ihrer Auffassung greift die Vereinbarung jedoch zu kurz. Weder würden die bestehenden milliardenschweren Belastungen der Kommunen aufgefangen, noch sei sichergestellt, dass künftig sämtliche vom Bund verursachten Mehrkosten vollständig erstattet werden.

„Wer neue Aufgaben überträgt, muss sie auch vollständig finanzieren. Dieses Prinzip muss endlich konsequent gelten – nicht nur für künftige Vorhaben, sondern ebenso für die bestehenden Belastungen, die unsere Haushalte seit Jahren zunehmend unter Druck setzen“, so Stegmann.

Die kommunalen Spitzenverbände in Bayern stehen geschlossen hinter diesen Forderungen. Städte, Gemeinden und Landkreise gewährleisten Tag für Tag die öffentliche Daseinsvorsorge – von der Kinderbetreuung über Schulen und Krankenhäuser bis hin zur Mobilität, zur sozialen Sicherung und zum Bevölkerungsschutz. Dafür benötigten sie eine Finanzausstattung, die mit den stetig wachsenden Aufgaben Schritt halte.

Grundlegende Strukturreformen gefordert

Aus Sicht der schwäbischen Landräte sind nun grundlegende Strukturreformen erforderlich. Dazu gehören eine konsequente Anwendung des Konnexitätsprinzips, eine gerechtere Verteilung der finanziellen Lasten zwischen Bund, Ländern und Kommunen, der Abbau überbordender Bürokratie sowie Reformen in den besonders kostenintensiven Bereichen der Sozialleistungen und der Kinder- und Jugendhilfe.

„Leistungsfähige Kommunen sind das Fundament unseres Gemeinwesens. Wenn dieses Fundament Risse bekommt, spüren das die Bürgerinnen und Bürger unmittelbar. Wir erwarten keine Sonderbehandlung. Wir erwarten lediglich, dass diejenigen, die anderen Aufgaben übertragen, auch die Verantwortung für deren Finanzierung übernehmen. Nur finanziell handlungsfähige Landkreise können auch künftig die Leistungen erbringen, die die Menschen zu Recht erwarten. Dafür braucht es jetzt entschlossene Reformen und eine dauerhaft verlässliche Finanzausstattung der Kommunen“, fasste Stegmann zusammen.

(Quelle: Bezirksverband Schwaben)

Dieser Beitrag wurde unter Mitwirkung eines KI-Systems erstellt und von der Redaktion geprüft.