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Mr. Big hat die Schnute voll „Macht den Notfall für uns Tiere nicht kaputt“

Lesezeit 5 Minuten
Viele Tierbesitzer dramatisieren das Leiden ihrer liebsten Hausgenossen, eilen mit dem größten Recht zum Notdienst und ziehen dann den Schwanz ein, wenn sie die erhöhten Notdienstgebühren erfahren.
Viele Tierbesitzer dramatisieren das Leiden ihrer liebsten Hausgenossen, eilen mit dem größten Recht zum Notdienst und ziehen dann den Schwanz ein, wenn sie die erhöhten Notdienstgebühren erfahren. (Bild: Jasmin Grau)

Für Tiere gibt es wie für Menschen einen ärztlichen Notfalldienst. An der Frage, was ein Notfall ist, scheiden sich aber die Geister und viele Besuche wären unnötig, weiß Mr. Big aus Erfahrung. Er ist der Stationshund von Tierärztin Jasmin Grau aus Senden und hat eine tierische Message an alle. Wir bieten ihm die Plattform dazu.

Viele Tierbesitzer dramatisieren das Leiden ihrer liebsten Hausgenossen, eilen mit dem größten Recht zum Notdienst und ziehen dann den Schwanz ein, wenn sie die erhöhten Notdienstgebühren erfahren. Dann wird plötzlich aus dem Notfall eine Lappalie oder das Tier muss den Schmerz halt eben aushalten. So sieht es Stationshund Mr. Big und schlägt Alarm.

Mr. Big möchte sich seinen Kropf leeren

Erlaubt sich der Arzt dann auch noch eine Bemerkung über das Gebaren der Tierbesitzer, hagelt es schlechte Bewertungen. Mr. Big erlebt das Ganze hautnah, schließlich ist er der Hund von Tierärztin Jasmin Grau aus Senden (Landkreis Neu-Ulm). Bevor er einen Kropf bekommt, ist es an der Zeit, dass er sich mal wieder richtig auskotzt. Sein Frauchen hat uns sein Anliegen in einer Mail zugesandt.

Mir erzählen die Tiere ihre Geschichten und ich versuche Ihnen zu helfen. Ich will die Menschen da draußen fragen, ob sie das wirklich wollen, was sie da tun, nämlich den Notfall „kaputt machen“ und das mit Macht und sogar mit menschlich, existenzzerstörender Bösartigkeit.

Zum Glück gibt es den tierischen Notdienst, aber…

Aber von vorne: der Notfall heißt so wie er heißt, weil das Tier dann eine sofortige Behandlung braucht. Das bedeutet, dass wir Tiere, wenn wir in eine spontane Not kommen froh darüber sind, dass es eine Notfall-Behandlung gibt. Wir werden in einem solchen Falle bevorzugt von einem Tierarzt behandelt und wir Tiere sind darüber sehr dankbar. „Dass verraten mir auch die vielen anderen Tiere, denen ich begegne und mit denen ich spreche“.

Wisst Ihr da draußen überhaupt, wie ein solcher Notfall schon seit geraumer Zeit bei mir in der Tierarztpraxis abläuft? Nein? Dann erzähle ich es euch in ein paar Beispielen in meiner hoffentlich verständlichen Hunde-Menschen-Sprache:

Katze kommt als Notfall, obwohl sie „nur“ Flöhe hat

Ich führe das kleine Ding gleich rein zu meinem Frauchen auf den Behandlungstisch. Oh, denke ich mir, der Kleine ist ja ganz fit, der hat wahrscheinlich nur Läuse, weil er sich die ganze Zeit in Dauerschleife kratzt. Genauso war es dann auch, mein Frauchen diagnostizierte nämlich kurzerhand dasselbe. Die Besitzerin, welche mit Tatüt-Tata angefahren kam, sagte dann auch: „Das dachte ich mir gleich. Wenn ich aber nun schon mal da bin, könnten Sie bitte noch die Krallen meiner Katze kürzen!“ Ich bellte laut und gab so der Besitzerin zu verstehen, dass sie ja gar kein Notfall sei und ob sie überhaupt noch zu retten ist. Obendrauf stellte ich ihr die Frage, ob ihr überhaupt bewusst ist, was ein „Notfall“ ist…

Kleiner Hund hat Schmerzen, aber das kostet…

Ein Frauchen kommt mit einem vierbeinigen Kerlchen in die Praxis und erzählt, dass der kleine Hund angeblich vom Schrank gefallen sei und jetzt nicht mehr laufen kann. „Häääh, dachte ich mir, ist der Hund in Wirklichkeit eine Katze, denn wie soll er sonst auf so einen hohen Schrank gekommen sein“. Nein, er ist wirklich ein Hund und nur so groß wie eine Katze. Er verriet mir wimmernd auf hündisch: „Ich wollte da gar nicht rauf, die Kinder haben mich einfach da oben abgesetzt und ich hatte panische Angst. Dann ist es einfach passiert…“

Mein Frauchen verschafft sich in der Notfall-Sprechstunde einen Überblick über den Kleinen und sagt seinem Frauchen, welche Behandlung sinnvoll wäre und welche Kosten anfallen würden. Das Frauchen von dem kleinen Kerl will aber lieber nichts machen lassen, da es ja Geld kostet. Diese Erkenntnis kam ihr, nachdem sie alle Leute abgerufen hatte, die abzurufen gewesen waren. Sie will nicht einmal, dass dem Kleinen ein Schmerzmittel gegeben wird, weil auch das zu teuer sei. Ob ihr es glaubt oder nicht, dass Frauchen von dem Mini-Vierbeiner sah super-schön manikürt und gestylt aus und sie kam mit einem richtig schicken Schlitten angerauscht. Ich war so wütend, dass ich der Besitzerin des kleinen Kerlchens am liebsten an ihrem Jeans-Bein gezerrt hätte. Mir blieb nur still zu sagen: „Der arme kleine Hund“.

Danke, dass ich hier mal Dampf ablassen darf

So jetzt habe ich diese Plattform genutzt, um mich mal wieder so auszukotzen und hoffe innständig, dass ihr mich versteht. Zum Schluss kommt noch die Moral von den Notfall-Geschichten: Mein Frauchen bekommt dann immer dieselben unverschämten E-Mails nebst schlechten Google-Bewertungen für mich und meine Tierarztpraxis. Das Ende vom Lied: Die eigene Unfähigkeit muss in eine „gute“ Geschichte verpackt werden und es folgt der Aufstand an der Kasse und Preisverhandlungen – wie auf dem türkischen Bazar – weil man nicht bezahlen will. Mein Frauchen hat ja nix gemacht…

Solche charakterlosen Menschen haben immer nur a) und b) vor Augen, nämlich:

  1. warum ist der Unfall passiert? (Aus Unachtsamkeit!)
  2. Keiner will schuld sein – man braucht jetzt aber ganz schnell doch einen Schuldigen um sich frei jeglicher Schuld und Verantwortung zu schaufeln.

Dann nehmen wir doch einfach den Tierarzt, weil der stellt ja eine Rechnung über seine Leistung – jaaaa, das ist ein „guter Grund“ und dann kann man noch sagen, das ist nicht im Sinne und zum Wohle des Tieres, weil der Tierarzt ja doch nur Geld haben will und einfach zu teuer ist.

Habt ihr auch tierische Erfahrungen und Geschichten?

Meinem Frauchen und vielleicht auch noch anderen Tierärzten, wird Schaden über die sozialen Medien zugefügt. Wie ihr sicherlich wisst, ist das ja ganz einfach… Wir Tiere sind nämlich unendlich dankbar darüber, wenn wir als Notfall eine gute Behandlung bekommen – schließlich geht es oftmals um Leben und Tod. „Glaubt nicht all die negativen und oft erlogenen Geschichten, die im Netz stehen“.

So liebe Tiere und deren Besitzer, das musste jetzt einfach mal sein. Wenn ihr auch eure tierischen Geschichten erzählen wollt, schaut einfach mal unter http://www.tierarzt-senden.de/news-tiere/  rein.

Schlagwörter

Transparenz

Erstmals veröffentlicht
06.10.2024, 20:11 Uhr

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