Am Klinikum Landkreis Tuttlingen ist erstmals eine Tubenrekonstruktion durchgeführt worden. Der Eingriff soll die natürliche Fruchtbarkeit wiederherstellen.
Für Dr. Lucas Hegenscheid, Chefarzt der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe am Klinikum Landkreis Tuttlingen (KLT), war die Operation ein besonderer Moment. „Heute ist ein ganz besonderer Tag für mich“, freute sich Hegenscheid. „Denn heute habe wir hier in Tuttlingen erstmals eine Tubenrekonstruktion vorgenommen.“
Der erfahrene Operateur hat diesen Eingriff an seiner früheren Wirkungsstätte nahe Berlin bereits rund einhundert Mal durchgeführt. Nun setzte er sein Know-how erstmals am KLT ein.
Sterilisation wird teilweise bereut
In Deutschland sind etwa 1,45 Millionen Frauen im gebärfähigen Alter sterilisiert. Auch weltweit gehört die weibliche Sterilisation zu den am häufigsten genutzten dauerhaften Verhütungsmethoden. Der Eingriff wird als „Tubenligatur“ bezeichnet.
Nicht alle Patientinnen sind damit dauerhaft glücklich. Statistiken zufolge bereuen etwa fünf bis 20 Prozent der Frauen ihre Sterilisation. Dies ist meist dann der Fall, wenn sich der Lebensentwurf noch einmal ändert und nachträglich ein Kinderwunsch entsteht.
Die Tubenrekonstruktion, auch „Refertilisierung der Frau“ genannt, ist eine mikrochirurgische Operation, mit der eine vorherige Eileiter-Sterilisation rückgängig gemacht und die natürliche Fruchtbarkeit wiederhergestellt werden soll.
Da Vinci unterstützt bei der Operation
Die sehr feinen Instrumente des OP-Roboters Da Vinci erlauben dabei hochpräzises Operieren, wie es für die Rekonstruktion der Eileiter erforderlich ist. Bei dem chirurgisch anspruchsvollen Eingriff werden die zuvor durchtrennten Eileiter erneut miteinander verbunden. Dadurch können Eizellen wieder in die Gebärmutter gelangen und eine Befruchtung wird wieder möglich.
„Bei diesem Verfahren werden die Narben, die durch die Sterilisation entfernt“, erklärt Dr. Lucas Hegenscheid. „Im Anschluss habe ich die Eileiterenden mit einem Faden, der so dünn ist wie ein Haar, wieder verbunden.“
Anschließend überprüften der Chefarzt und sein OP-Team, ob der Eileiter wieder durchgängig ist. Die Patientin konnte bereits am Abend wieder nach Hause gehen. Dank des Einsatzes des OP-Roboters, der äußerst patientenschonendes Operieren ermöglicht, werde sie kaum Erholungszeit benötigen. Außerdem könne ihr Kinderwunsch bald in Erfüllung gehen.
(Quelle: Klinikum Landkreis Tuttlingen gGmbH)