Die Pilzsaison ist gestartet Achtung Verwechslungsgefahr: Fast jeder Speisepilz hat ein giftiges Gegenstück

Achtung Verwechslungsgefahr: Fast jeder Speisepilz hat ein giftiges Gegenstück
Die Pilzsaison hat begonnen: Ein Korb voller Waldpilze ist für Sammler eine schöne Ausbeute. Doch Vorsicht – viele Speisepilze haben giftige Doppelgänger. (Symbolbild: Adam Bartosik / iStock / Getty Images Plus)

Pilze sammeln ist für viele wie eine spannende Schatzsuche. Allerdings birgt dieses Hobby auch Gefahren. Wer in die Schwammerln geht, sollte anstatt einer Plastiktüte auf einen Spankorb setzten, ein scharfes Messer dabeihaben und sich niemals nur auf eine Pilzerkennungs-App verlassen.

In der Pilzsaison zieht es viele Menschen hinaus in den Wald. Die idealen Bedingungen dafür sind im Spätsommer und Herbst. Wer jetzt auf Pilzsuche geht, sollte gerade als Anfänger einiges beachten.

Ob Steinpilze, Maronen, Waldchampignons, Birkenpilze, Rotkappen, oder verschiedene Pfifferlingsarten, sie alle sind schmackhaft und ergeben in der Pfanne ein leckeres Gericht. Verwechslungen mit ungenießbaren oder giftigen Arten können allerdings folgenschwer sein. Deshalb sollten nur die Pilze mit nach Hause genommen werden, die man wirklich kennt.

Merkmale wie Geruch und Konsistenz sind wichtig

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) warnt: „Pilzapps können beim Erkennen zwar helfen, Pilzsucher sollten sich jedoch keinesfalls allein auf die Identifizierung per App verlassen“. So sieht es auch der Pilzexperte Dieter Heinzler aus Ravensburg. Er ist Vorsitzender der Pilzkundlichen Arbeitsgemeinschaft Friedrichshafen und kann über 600 Pilze bestimmen. Er ist der Meinung, dass die Benutzung von Pilz-Apps zur Bestimmung von Pilzen für Speisezwecke wie russisches Roulette ist. „Die wichtigen Merkmale wie Geruch, Konsistenz… werden von den Apps nämlich nur unzureichend berücksichtigt“, so der Fachmann.

Verzehr kann tödlich enden

Eine große Gefahr besteht durch die giftigen Doppelgänger der Pilze. Das Stockschwämmchen beispielsweise ist ein wohlschmeckender Speisepilz – allerdings nur die Hüte. Eine große Verwechslungsgefahr besteht hier mit dem Gifthäubling oder Nadelholz-Häubling. Sein Verzehr kann tödlich enden, in jedem Fall ist mit einer Schädigung der Leber zu rechnen, so der NABU.

Knollenblätterpilz nie mit Wiesenchampignon verwechseln

Einer der tödlichsten Pilze in unseren Wäldern ist der Grüne Knollenblätterpilz. Das darin enthaltende Gift Amanitin kann schon in geringen Mengen tödlich sein. Nach Schätzungen des BfR sind Knollenblätterpilze für mindestens 80 Prozent aller tödlichen Pilzvergiftungen in Deutschland verantwortlich. Er wird gerne mit dem Wiesenchampignon verwechselt.

Giftig in unseren Wäldern sind auch der Spitzgebuckelter Raukopf, Gift-Häubling, kleine Schirmlinge, Fliegenpilz und Pantherpilz. Beim NABU gibt es ein anschauliches kleines 1 x 1 des Pilzesammelns (Pdf) mit vielen Infos und Farbbildern zu giftigen und essbaren Pilzen.

Verhalten bei einer Pilzvergiftung

Treten nach einer Pilzmahlzeit Symptome wie etwa Schweißausbrüche, Übelkeit, Erbrechen, Magenschmerzen, Durchfall, Herz- Kreislaufbeschwerden und Benommenheit auf, besteht Verdacht auf eine Pilzvergiftung. Umgehend einen Arzt oder eine Klinik aufsuchen. Wichtige Infos: Die Vergiftungs-Informations-Zentrale Freiburg ist ein 24h Notfall- und Informations-Service für jeden, der Informationen im Zusammenhang mit Vergiftungen benötigt: Telefon: 0761 / 19240. Mehr dazu: www.giftberatung.de.

Wichtig: Bei Verdacht auf eine Pilzvergiftung sollten alle Pilzreste, Putzreste, Reste der Mahlzeit oder sogar Erbrochenes im Kühlschrank aufbewahrt werden, um Ärzten und Experten die genaue Bestimmung des Giftes zu erleichtern.

Pilze sollten innerhalb 24 Stunden verzehrt werden

Tipps vom Pilzexperten des NABU: Die gesammelten Schwammerln sollten in luftdurchlässigen Körben wie Span- oder Weidenkörben transportiert werden. Plastiktüten seien ungeeignet, da Pilze darin schnell verderben. Er empfiehlt, zu Hause die Waldfrüchte bis zur Verarbeitung in offenen Plastik- oder Keramikschalen im Gemüsefach des Kühlschranks zu lagern. Pilze sollten grundsätzlich schnell verwertet und behandelt werden wie rohes Fleisch oder Fisch, denn sie sind genauso schnell verderblich. Sie sollten kühl und trocken aufbewahrt und innerhalb von 24 Stunden verzehrt werden.

Bei Unsicherheit: erst fragen, dann verspeisen

Einsteiger sind bei einer Pilzberatung gut aufgehoben. Aktuell ist das Rathaus in Ravensburg wieder eine beliebte Anlaufstelle. Die Beratung ist kostenlos und findet immer montags, jeweils von 16 bis 17.30 Uhr (bis 19. Oktober) statt. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Die ehrenamtlichen Pilzberater Dieter Heinzler und Susan Rosendahl stehen Interessierten mit Rat und Tat zur Seite, untersuchen die mitgebrachten Schätze und geben viele Tipps. Ein Fahrstuhl ist vorhanden. Weitere Informationen gibt es bei der Freiwilligenagentur unter Tel. 0751 82-1212.