Besuch aus der Partnerstadt Conches in Aulendorf

Besuch aus der Partnerstadt Conches in Aulendorf
Der Freitag begann mit einer Besichtigung von Andritz Hydro in Ravensburg. (Bild: Andritz Hydro)

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“Die Franzosen kommen!” hieß es Anfang Mai in Aulendorf. Im Gegensatz zu früheren Jahrhunderten kündigte sich damit glücklicherweise kein Problem, sondern ein freudiges Ereignis an.

Am Nachmittag des 8. Mai war es dann soweit: 22 Besucher aus unserer Partnerstadt Conches-en-Ouche sind nach längerer Fahrt aus der Normandie in Aulendorf am Schlossplatz eingetroffen. Die Gastgeber hatten bei eisigem Wind auf die Ankunft der Gäste gewartet und waren froh, als sie ankamen und sich alle in den Räumen des Schlosses aufwärmen konnten.

Warm und herzlich war die Begrüßung der Gäste. Manche kennen einander schon seit vielen Jahren, andere waren vor allem neugierig auf die Begegnung mit neuen Gesichtern. Die gute Stimmung wurde begleitet durch Sekt und Knabbereien sowie ein Grußwort von Bürgermeister Matthias Burth.

Das Wetter wurde nach dem Eintreffen der Gäste umgehend besser und sollte bis zu ihrer Abreise sonnig und warm bleiben. Das ermöglichte viele verschiedene, individuelle Ausflüge am Donnerstag, der zur freien Verfügung in den Familien vorgesehen war.

Der Freitag begann mit einer Besichtigung von Andritz Hydro in Ravensburg. Seit 1856 werden dort Turbinen und andere Ausrüstung für Wasserkraftwerke hergestellt. Die Firma wurde viele Jahre unter dem Namen Escher-Wyss geführt, bis sie vor etwa 20 Jahren durch die österreichische Andritz AG übernommen wurde. Heute gehört Andritz zu den weltweit führenden Anbietern von Ausrüstung und Services für Wasserkraftanlagen jeder Type und Größe.

Nach einer kurzen Einführung in die wesentlichen Zusammenhänge wurden zwei Gruppen gebildet, getrennt nach Sprache, und von den Herren Peter Magauer und Thomas Stützle fachkundig durch die Werkstätten geführt. Auch wenn für die internationalen Projekte heute viele Teile nicht mehr in Deutschland gefertigt werden, war doch eine enorme Vielfalt von Komponenten zu sehen: unterschiedliche Laufräder für Francis- und Peltonturbinen, schwere Turbinenwellen, Turbinengehäuse zur Rehabilitierung alter Anlagen, riesige Absperrorgane, und Verstellpropeller für Schiffsantriebe. Wie Herr Magauer erklärte, ist der Standort mit ca. 450 Mitarbeitern zwar nicht der größte, aber für die Turbinen der wichtigste im Konzern.

Die hervorragenden Fähigkeiten aus Ravensburg, etwa im Projektmanagement und Engineering, sind mehr denn je gefragt, um komplexe Projekte für Neuanlagen und Erneuerung bestehender Anlagen durchzuführen. Besondere Bedeutung erlangten in den letzten Jahren die Pumpturbinen, die äußerst wertvoll sind für die Speicherung und Regulierung großer Strommengen und damit ein unverzichtbares Element in einem zukünftigen System mit ausschließlich erneuerbarer Energie darstellen.

Der Freitagnachmittag stand zur freien Verfügung und wurde von vielen genutzt, um in kleinen Gruppen durch die Ravensburger Altstadt zu schlendern, Souvenirs zu erstehen und das schöne Wetter in einem Straßencafé zu genießen. Abends hatte die Stadt Aulendorf zu einem Empfang mit Abendessen im Gasthaus Rad eingeladen. Aus diesem Anlass hat Bürgermeister Burth auf den wertvollen Beitrag der Städtepartnerschaften für ein friedliches Miteinander in Europa hingewiesen und die Wichtigkeit der Europawahl am 9. Juni unterstrichen. Auch die beiden neuen Leiter des Comité de Jumelage, Bruno Brizon und Patrice Barreau, des Trägers der Partnerschaft in Frankreich, wiesen darauf hin, dass die Partnerschaft sowohl für die einzelnen Bürger eine Bereicherung darstellt als auch einen positiven Beitrag für das Zusammenwachsen Europas leistet.

Am Samstag stand dann der gemeinsame Besuch der Landesgartenschau in Wangen auf dem Programm. Nach der Anreise mit der Bahn über Kisslegg wurden auch hier zwei Gruppen gebildet und durch die Schau geführt. Nicht nur die Gäste aus Frankreich waren beeindruckt davon, wie viel zu sehen war und wie interessant und unterschiedlich die einzelnen Teile des Geländes sind. Für viele Besucher aus Aulendorf war klar, dass der Tag für die Ausstellung zu kurz war und dass sie in den kommenden Wochen einen weiteren Besuch planen werden.

Besucher aus Chonches waren von der Landesgartenschau mehr wie begeistert.
Besucher aus Chonches waren von der Landesgartenschau mehr wie begeistert. (Bild: L. Maucher)

Am Sonntagmorgen war die Zeit gekommen für die Rückreise. Am Schlossplatz konnte man sich ausführlich verabschieden, die Gäste traten dann die Heimfahrt an. Alle Teilnehmer haben die vier gemeinsamen Tage sichtlich genossen, und die Vorfreude auf das nächste Treffen 2025 in Conches war deutlich zu spüren.

Die Städtepartnerschaft zwischen Aulendorf und Conches gibt es seit 1960, sie ist damit eine der ältesten dieser Art in Baden-Württemberg und ist bis heute ein fester Bestandteil im öffentlichen Leben der Stadt. Neben dem Schüleraustausch wird jedes Jahr ein allgemeines Treffen organisiert, wechselweise in Conches und in Aulendorf. Die Unterbringung erfolgt in Gastfamilien, die jeweils gastgebende Stadt sorgt für ein interessantes Programm und unterstützt die Begegnung organisatorisch und finanziell im Sinn eines gelebten gemeinsamen Europas.

Besonderen Dank gilt Peter Magauer für die Organisation und die interessante Führung bei Andritz Hydro, sowie Lothar Maucher für die laufende Unterstützung bei der Vorbereitung und Durchführen der Treffen. Neue Mitwirkende sind übrigens herzlich willkommen.

(Quelle: P. Magauer)