Rund 1.000 Menschen haben die Friedrichshafener Tage der Demokratie vom 30. September bis 4. Oktober besucht. Besonders gefragt waren Angebote für Schulklassen.
Vier Tage lang bot die Veranstaltungsreihe Vorträge, Workshops, Lesungen, Führungen sowie Musik- und Mitmachangebote. Im Mittelpunkt standen aktuelle politische Entwicklungen, Zivilcourage, Kinderrechte, Erinnerungskultur und die Frage, wie demokratisches Zusammenleben gelingen kann. Die kostenfreien Veranstaltungen richteten sich an unterschiedliche Altersgruppen und Lebenswelten.
„Eine lebendige Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit. Sie lebt davon, dass Menschen sich informieren, unterschiedliche Perspektiven kennenlernen, miteinander ins Gespräch kommen und Verantwortung übernehmen“, sagt Erster Bürgermeister Andreas Hein. „Die Friedrichshafener Tage der Demokratie haben dafür wichtige Räume geschaffen. Die gute Resonanz zeigt, dass das Interesse an demokratischem Austausch groß ist – bei Erwachsenen ebenso wie bei jungen Menschen.“
Auch Detlev Maaß, Koordinator der Friedrichshafener Tage der Demokratie und Leiter des Amts für Sport, Freizeit und außerschulisches Lernen, zieht eine positive Bilanz: „Besonders erfreulich war, wie aktiv sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer eingebracht haben. Gerade bei den Workshops mit Schulklassen wurde Demokratie nicht nur besprochen, sondern praktisch erlebt.“
Er ergänzt: „Demokratie beginnt im Alltag: beim Zuhören, beim Aushandeln unterschiedlicher Interessen, beim Einstehen für andere und beim Mut, die eigene Stimme einzubringen. Genau dafür wollten wir mit der Veranstaltungsreihe Anregungen und Gelegenheiten schaffen.“
380 Schüler beschäftigen sich mit Zivilcourage
Den Auftakt bildete der Vortrag „Müssen wir an der Demokratie verzweifeln? Donald Trump, die AfD und der ganze Rest“ von Prof. Dr. Joachim Behnke, Politikwissenschaftler an der Zeppelin Universität. Dabei ging es um Populismus und die Herausforderungen für die liberale Demokratie.
Besonders stark nachgefragt waren die Workshops für Schulklassen. Bei „Mut statt Wut – Zivilcourage ist lernbar!“ beschäftigten sich 380 Schülerinnen und Schüler mit Konfliktsituationen, Angst, Macht und Ohnmacht sowie der Frage, wie Zivilcourage im Alltag konkret aussehen kann.
Im Workshop „Gemeinsam stark – Demokratie erleben!“ standen Demokratie, Kinderrechte, Teamarbeit und ein respektvolles Miteinander im Mittelpunkt. In interaktiven Übungen konnten die Kinder demokratische Prozesse und gemeinsames Entscheiden spielerisch erfahren.
Auch die Lange Nacht der Demokratie in der MOLKE setzte einen Schwerpunkt auf junge Menschen. Unter dem Motto „Jugendkultur trifft Demokratie“ verband der Abend Musik, Live-Graffiti und Begegnung. Die Veranstaltung war Teil der landesweiten Langen Nacht der Demokratie, an der sich zeitgleich zahlreiche Städte und Gemeinden in Baden-Württemberg beteiligten.
Geschichte und Erinnerung im Mittelpunkt
Weitere Veranstaltungen eröffneten Zugänge zur deutschen und regionalen Geschichte. Die Tandem-Führung im Zeppelin Museum verband die Auseinandersetzung mit Nationalsozialismus und Erinnerungskultur mit Fragen nach Verantwortung und demokratischen Werten.
Der Erinnerungspfad „Gegen das Vergessen“ in Raderach machte die Geschichte der dort eingesetzten Zwangs- und Fremdarbeiter sichtbar. Mit der Buchvorstellung „Landshut 1977. Linksterrorismus in der Bundesrepublik“ und der multimedialen Lesung „Rose + Robert. Liebe in Zeiten der Kriege“ wurden historische Ereignisse aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet und Bezüge zu aktuellen Fragen von Freiheit, Widerstand und gesellschaftlichem Zusammenleben hergestellt.
Einen persönlichen Zugang zur Demokratie bot eine Postkarten-Aktion. Besucherinnen und Besucher waren eingeladen, ihre Gedanken, Wünsche und Vorstellungen zur Demokratie aufzuschreiben und mit anderen zu teilen. Eine Auswahl der entstandenen Postkarten ist auch nach Abschluss der Veranstaltungsreihe in der vhs Friedrichshafen zu sehen.
Den Abschluss bildete am 3. Oktober das gemeinsame Singen auf dem Adenauerplatz. Mit Liedern zu Frieden, Hoffnung und Zusammenhalt erinnerte „Deutschland singt und klingt“ an die Friedliche Revolution und die verbindende Kraft gemeinsamer demokratischer Werte.
Die Friedrichshafener Tage der Demokratie wurden von der vhs Friedrichshafen / Europe Direct koordiniert und gemeinsam mit zahlreichen Partnerinnen und Partnern aus Kultur, Bildung, Wissenschaft, Jugendarbeit und Zivilgesellschaft umgesetzt. Beteiligt waren unter anderem die Zeppelin Universität, das Jugend- und Kulturzentrum MOLKE, das Zeppelin Museum, das Medienhaus am See, das Schulmuseum, das Amt für Kunst und Kultur, die Musikschule Friedrichshafen, das Spielehaus und der Spielbus sowie die Initiative Friedensbaum Friedrichshafen.
(Quelle: Stadt Friedrichshafen)