Zum Inhalt springen
Werbemöglichkeiten
Stellenmarkt

Verkehrsplanung für die Zukunft Klimamobilitätsplan für Biberach: Das ist geplant

Lesezeit 4 Minuten
An Stellwänden hatten die Bürgerinnen und Bürger die Möglichkeit, Maßnahmen zu bewerten und zu kommentieren.
An Stellwänden hatten die Bürgerinnen und Bürger die Möglichkeit, Maßnahmen zu bewerten und zu kommentieren. (Bild: Stadt Biberach)

Autor

WOCHENBLATT

Der Klimamobilitätsplan für Biberach nimmt konkrete Formen an. Beim zweiten Mobilitätsforum wurde der finale Entwurf mit zahlreichen Verkehrsmaßnahmen vorgestellt.

Rund 50 Interessierte kamen vergangene Woche ins Heinz H. Engler-Forum, um sich über die geplante Verkehrsentwicklung in Biberach zu informieren. Im Mittelpunkt standen sieben Maßnahmenpakete, mit denen die Stadt ihre Mobilität nachhaltiger gestalten will. Ziel ist es, den CO₂-Ausstoß im Verkehrssektor bis 2035 um mindestens 77,5 Prozent gegenüber 2010 zu reduzieren.

Die Aufstellung des Klimamobilitätsplans (KMP) hatte der Biberacher Gemeinderat Ende 2023 beschlossen. Seitdem wurde die Öffentlichkeit über verschiedene Beteiligungsformate eingebunden. Dazu gehörten eine Haushaltsbefragung, ein erstes Mobilitätsforum und eine Online-Beteiligung mit mehr als 900 Teilnehmern.

Biberach steht vor großen Herausforderungen

Baubürgermeister Simon Menth bezeichnete die Erarbeitung des Klimamobilitätsplans als „sehr intensiven Prozess“, der nun auf die Zielgerade einbiege. Angesichts des Wachstums der Stadt sei eine vorausschauende Verkehrsplanung besonders wichtig.

Biberach zählt rund 35.000 Einwohner und verfügt über mehr als 30.000 Arbeitsplätze. Täglich pendeln etwa 20.000 Menschen in die Stadt. „Es gibt gute Gründe, nach Biberach zu kommen und das soll so bleiben“, erklärte Menth.

Prognosen zufolge gehöre Biberach deutschlandweit zu den wachstumsstärksten Regionen der kommenden Jahre. Daraus ergebe sich eine klare Aufgabe für die Stadt. „Wir brauchen eine intelligente und nachhaltige Verkehrsplanung, am besten proaktiv“, betonte der Baubürgermeister.

Dabei stehen zwei Ziele im Vordergrund: Biberach soll auch künftig gut erreichbar bleiben. Gleichzeitig sollen Möglichkeiten geschaffen werden, den Autoverkehr stärker auf den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) sowie den Fuß- und Radverkehr zu verlagern.

Der Klimamobilitätsplan soll dafür bestehende Konzepte wie das Fußverkehrskonzept, den Radwegeplan und das Verkehrsentwicklungskonzept („strategisches Netz“) in einer übergeordneten Gesamtstrategie zusammenführen.

Sascha Klein vom Planungsbüro Inovaplan, das die Stadt seit Beginn des Prozesses begleitet, erläuterte den Ansatz: „Es werden alle Verkehrsmittel betrachtet.“ Als übergeordnetes Leitbild nannte er den Wandel von der „autogerechten Stadt“ zur „multimodalen Stadt“.

Auch finanziell kann sich der Klimamobilitätsplan auswirken. Für Maßnahmen, die sich daraus ableiten, kann die Förderquote des Landes von 50 auf 75 Prozent steigen.

Sieben Maßnahmenpakete für Biberachs Verkehr

Der Entwurf umfasst sieben Maßnahmenpakete, darunter die Bereiche Radverkehr, Fußverkehr, öffentlicher Verkehr und Kraftfahrzeugverkehr. Diese sind jeweils in einzelne Vorhaben unterteilt.

Fünf zentrale Maßnahmen hat der Gemeinderat bereits vor Kurzem gebilligt. Sie müssen allerdings noch mit dem Verkehrsministerium abgestimmt werden:

  • Neuordnung des Zentralen Omnibusbahnhofs (ZOB) und des Bahnhofsumfelds
  • B-30-Aufstieg mit damit verbundenen verkehrslenkenden Maßnahmen in der Innenstadt
  • Neubau der Gemeindeverbindungsstraße Blosenberg und Umbau des Verkehrsknotens Ulmer Straße/Memminger Straße
  • Neue Hauptradwegeverbindung „Ost-West“
  • Möglicher neuer Bahnhalt Nord im Gewerbegebiet Aspach

Um die entsprechenden Fördergelder zu erhalten, müssen diese Bausteine verpflichtend umgesetzt werden.

Straßenbauprojekte sorgen für Diskussionen

Beim Mobilitätsforum konnten sich die Besucher an Stellwänden über die einzelnen Maßnahmen informieren. Außerdem bestand die Möglichkeit, besonders wichtige Vorhaben mit Punkten zu bewerten sowie Hinweise und Kommentare abzugeben.

Vor allem die Bereiche Radverkehr und Kraftfahrzeugverkehr stießen auf großes Interesse. In der anschließenden Diskussion wurden insbesondere der geplante B-30-Aufstieg und die Gemeindeverbindungsstraße Blosenberg kritisch hinterfragt.

Mehrere Teilnehmer wollten wissen, weshalb neue Straßenbauprojekte Bestandteil eines Klimamobilitätsplans sind.

Baubürgermeister Menth verwies auf die bereits heute hohe Verkehrsbelastung vieler Straßen in Biberach. In den kommenden Jahren sei mit einer weiteren Zunahme des Kraftfahrzeugverkehrs zu rechnen.

Gleichzeitig werde es immer schwieriger, Flächen für zusätzliche Geh- und Radwege zu schaffen. „Deshalb müssen wir diese Verkehre neu lenken, damit dies möglich wird.“

Nach Einschätzung von Menth könne der öffentliche Verkehr sowie der Fuß- und Radverkehr ohne den B-30-Aufstieg und die Gemeindeverbindungsstraße Blosenberg nicht ausreichend gestärkt werden.

Auch Sascha Klein verteidigte die Einbindung der Straßenbauprojekte: „Man kann darüber kontrovers diskutieren. Aber diese beiden Straßen schaffen überhaupt erst die Voraussetzung, um im Bereich der Altstadt planerisch tätig werden zu können.“

Zudem gebe es weiterhin viele Bevölkerungsgruppen, die auf das Auto angewiesen seien.

Stellungnahmen noch bis 25. Oktober möglich

Zum Abschluss bedankte sich Simon Menth bei allen Beteiligten für die Mitarbeit am Klimamobilitätsplan. „Es ist ein absoluter Mehrwert, dass wir uns als Stadtgesellschaft so engagiert mit Fragen der Verkehrsplanung und Verkehrsentwicklung auseinandergesetzt haben.“

Bürger können noch bis Sonntag, 25. Oktober, Stellungnahmen zum finalen Entwurf einreichen.

Dies ist per E-Mail an [email protected] oder postalisch an das Stadtplanungsamt Biberach, Museumstraße 2, 88400 Biberach, möglich.

Der vollständige Entwurf ist auf biberach-riss.de im Bereich „Planen, Bauen, Umwelt“ abrufbar.

(Quelle: Stadt Biberach)

Schlagwörter

Transparenz

Erstmals veröffentlicht
22.10.2026, 16:53 Uhr

Mehr aus Biberach und der Region Biberach