Nach dem tödlichen Schusswechsel am Tuttlinger Rathaus gibt es neue Erkenntnisse. Der 27-Jährige soll ausreisepflichtig gewesen sein, während die Ermittlungen zum genauen Ablauf weiterlaufen.
Der Polizeieinsatz vom Donnerstag, 8. Oktober, beschäftigt Tuttlingen auch am Freitag. Ein 27-jähriger Mann war nach einem Schusswechsel mit Polizeibeamten gestorben. Inzwischen gibt es weitere Medienberichte über seine mögliche Vorgeschichte. Gleichzeitig hat sich Oberbürgermeister Michael Beck zu dem Vorfall geäußert und eine Überprüfung der Sicherheitsmaßnahmen im Rathaus angekündigt.
Was bisher über den Schusswechsel bekannt ist
Gegen 12.30 Uhr war der Polizei am Donnerstag ein bewaffneter Mann im Bereich des Tuttlinger Rathauses gemeldet worden. Nach bisherigen Erkenntnissen soll der 27-Jährige eine Pistole in der Hand gehalten haben.
Rund 20 Minuten später trafen Polizeikräfte den Mann nach einer intensiven Fahndung im Innenhof des Rathauses an. Laut der gemeinsamen Mitteilung der Staatsanwaltschaft Rottweil und des Landeskriminalamts Baden-Württemberg (LKA) soll er unvermittelt auf die Beamten geschossen haben. Diese erwiderten das Feuer.
Der 27-Jährige wurde bei dem Schusswechsel getroffen. Die Einsatzkräfte übernahmen zunächst die Erstversorgung und verständigten den Rettungsdienst. Trotz anschließender Reanimationsmaßnahmen starb der Mann noch am Einsatzort. Weitere Personen wurden nicht verletzt.
Bei dem Verstorbenen handelt es sich um einen afghanischen Staatsangehörigen, der in Tuttlingen wohnte. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft war er bereits wegen Diebstahlsdelikten und Sachbeschädigung polizeilich in Erscheinung getreten.
27-Jähriger soll ausreisepflichtig gewesen sein
Nach übereinstimmenden Medienberichten soll der 27-Jährige ausreisepflichtig gewesen sein. Darüber berichteten unter anderem der Südwestrundfunk (SWR), die Stuttgarter Zeitung und der Schwarzwälder Bote. Eine offizielle Bestätigung der Angaben durch die Ermittlungsbehörden liegt bislang nicht vor.
Nach Informationen des SWR soll dem Mann wenige Tage vor dem tödlichen Polizeieinsatz eine Ausweisungsverfügung durch einen städtischen Amtsboten zugestellt worden sein.
Zunächst hatte der Schwarzwälder Bote berichtet, dem Mann sei im Rathaus ein Dokument für seinen weiteren Aufenthalt in Deutschland verweigert worden. Dieser Darstellung widerspricht die Stadt Tuttlingen inzwischen.
Nach Angaben eines Stadtsprechers hatte der 27-Jährige keinen Termin bei der Ausländerbehörde. Auch sei er nicht von Sicherheitspersonal aus dem Rathaus begleitet worden.
Ob ein Zusammenhang zwischen der ausländerrechtlichen Situation des Mannes und dem späteren Schusswechsel besteht, ist ungeklärt. Ein Motiv wurde von den Ermittlungsbehörden noch nicht bestätigt.
Rathausmitarbeiter beobachteten tödliche Schüsse
Mehrere Beschäftigte der Stadtverwaltung wurden Zeugen des Geschehens. Nach Angaben der Stadt Tuttlingen beobachteten Mitarbeiter die Schüsse aus nächster Nähe, unter anderem von der Stadtwache und aus Büros entlang der Helfereistraße.
Für die betroffenen Beschäftigten wurde psychologische und seelsorgerische Betreuung angeboten.
Das Rathaus war unmittelbar nach dem Polizeieinsatz am Donnerstag geschlossen worden. Am Freitag wurde der reguläre Betrieb wieder aufgenommen.
Oberbürgermeister kündigt Überprüfung der Sicherheit an
In einer E-Mail an die Mitarbeiter der Stadtverwaltung äußerte Oberbürgermeister Michael Beck am Freitag seine Erleichterung darüber, dass außer dem Schützen niemand verletzt wurde.
Zugleich dankte er den Polizeibeamten für ihren „schnellen, professionellen und entschlossenen Einsatz“. Die Einsatzkräfte hätten nach seinen Worten „in Sekundenbruchteilen über Leben oder Tod entscheiden“ müssen.
Trotz des Vorfalls soll das Tuttlinger Rathaus grundsätzlich für die Bevölkerung offen bleiben. Beck kündigte allerdings an, die bestehenden Sicherheitsmaßnahmen zu überprüfen und zu optimieren.
Der Oberbürgermeister betonte, dass Offenheit für ihn ein Zeichen von Bürgernähe, Demokratie und Transparenz sei. Künftig müsse eine gute Balance zwischen Sicherheit und Offenheit gefunden werden.
Gleichzeitig wandte sich Beck gegen Versuche, den Vorfall politisch auszunutzen. Er kritisierte sowohl unangemessene Vorwürfe gegen die Polizei als auch pauschale rassistische Hetze.
Landeskriminalamt untersucht den Schusswaffengebrauch
Die Ermittlungen zum polizeilichen Schusswaffengebrauch hat das Landeskriminalamt Baden-Württemberg übernommen. Gemeinsam mit der Staatsanwaltschaft Rottweil soll der gesamte Geschehensablauf rekonstruiert werden.
Nach Angaben des LKA werden auch Videoaufnahmen ausgewertet. Zudem wurde eine Obduktion des 27-Jährigen angekündigt. Auch die verwendete Waffe wird kriminaltechnisch untersucht.
Ein weiterer Schwerpunkt der Ermittlungen liegt auf der Frage, welches Motiv der Mann hatte. Dazu sollen unmittelbare und mittelbare Zeugen des Vorfalls ermittelt und vernommen werden.
Wann mit weiteren gesicherten Erkenntnissen zu rechnen ist, steht bislang nicht fest.