Zum 148. Mal lädt Michael Zeller in sein „Museum auf Zeit“

Zum 148. Mal lädt Michael Zeller in sein „Museum auf Zeit“
(Bild: Wilfried Vögel)

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Zeller: „Exponate aus unserem reichhaltigen und vielfältigen Angebot zu erwerben ist immer besser, als in schlechte Wertpapiere zu investieren“.

Lindau – Bei der Bodensee-Kunstauktion kann man im Rahmen der sechstägigen Besichtigung über 2.500 Exponate, in knapp 40 Fachgebiete unterteilt – quer über alle Kontinente und durch viele Jahrhunderte bewundern.

Michael Zeller ist schon ein bisschen stolz darauf, dass er es, trotz Corona-Pandemie, wiederum geschafft hat, verschiedenste Kunstschätze aus aller Welt zur Auktion anbieten zu können. Die Zahl der Einlieferer ist zwar leicht zurückgegangen, das tut Quantität aber auch Qualität keinen Abbruch. Davon zeugen 2.520 Exponate, die im historischen Bürgerhaus auf der Lindauer Insel in der Bindergasse 7 vom 25. bis zum 27. März unter den Hammer kommen.

Zuvor darf vom 18. bis zum 23. März täglich von 11.00 bis 18.00 Uhr besichtigt werden. Auf drei Stockwerken offeriert das Traditionshaus Zeller u.a. auch verschiedene Nachlässe und Auflösungen.

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Michael Zeller: „Eine Auktion für Entdecker und Enthusiasten und des Kunsthandwerks – ein echtes Eldorado, das wir wieder zusammentragen konnten“. Kunstsammler und -liebhaber wissen längst, dass man im Auktionshaus Zeller auch immer mal wieder das eine oder andere Schnäppchen machen kann.

Aber selbstverständlich sind auch die zur Besichtigung eingeladen, die einfach nur die museale Vielfalt genießen wollen – in dieser Zeit, wo viele Museen geschlossen haben. Eine Möglichkeit, Kunst und ihre Geschichte hautnah zu erleben und zu genießen.

(Bild: Wilfried Vögel)

Von Armbanduhren der Marken Cartier, Omega, Tissot oder Dugena bis zur musealen Standuhr, von Standgefäßen aus einer alten Apotheke samt musealen Nachschlagewerken aus Medizin und Pharmacie, bis zu Möbeln aus vier Jahrhunderten, von Skulpturen, Glas, Porzellan, Schmuck, Juwelen und Silber, von Asiatica, Ikonen, Spielzeug, Jugendstil, alten Ansichten und natürlich auch Gemälden reicht das Angebot.

Bemerkenswert ist eine originelle Sammlung von Revers-Nadeln, „ein Männerschmuck mit Symbolkraft“ so Michael Zeller. Eine Weile lang mit eher bescheidenen Verkaufserfolg galt Zinn. „Altes Zinn ist wieder im Kommen“ weiß der vereidigte Kunst- und Schmucksachverständige Michael Zeller zu berichten.

(Bild: Wilfried Vögel)

Nicht nur zum verruchten, frühmorgendlichen Duell eignet sich ein Paar Perkussions-Scheibenpistolen im Original-Kasten mit reichhaltigem Zubehör aus dem Haus des k.u.k. Landesbefugten Gewehrfabrikanten Anton Vinzent Lebeda aus Prag, der auch für Kaiser Franz Joseph I gearbeitet hat. Aus dieser Zeit stammen auch verschiedene Orden und Ehrenzeichen.

Auch Netsuke sind wieder im Angebot. Das sind diese Handschmeichler, kleine geschnitzte Figuren aus Japan. Sie dienten als Gegengewicht bei der Befestigung eines Sagemono (‚hängendes Behältnis‘) wie z. B. eines Inrō, einer flachen, kleinen, mehrteiligen Lackholzdose am Obi des taschenlosen Kimono. Bevorzugtes Material war ursprünglich Wurzelholz, Elfenbein, aber auch Wal- und Walrosszähne, Holz, insbesondere Buchsbaum, Bambus, Hirschhorn und weitere. Sie entstanden im ausgehenden 17. Jahrhundert mit dem Erstarken des Bürgertums und hielten sich bis in die 1880er Jahre, als der Kimono als Alltagskleidungsstück außer Gebrauch geriet.

Dargestellt wurden mythologische Figuren, insbesondere die Sieben Glücksgötter, Tiere, Blumen, Früchte sowie Gegenstände und Szenen aus dem Alltag.

Wer hat sie nicht geliebt, die Käthe-Kruse Puppen? Einige dieser traditionsreichen Puppen kann man bei Zeller bestaunen und natürlich auch ersteigern.

(Bild: Wilfried Vögel)

Die Tochter des Stadthauptkassenbuchhalters Robert Rogaske und der Näherin Christiane Simon wuchs in einfachen Verhältnissen auf. Nach dem Mittelschulabschluss nahm sie ab 1899 Schauspielunterricht und erhielt 1900 am Berliner Lessingtheater ein Zweijahresengagement. Daneben spielte sie recht erfolgreich auch in anderen deutschen Städten und gab Gastspiele in Warschau und Moskau. 1902 lernte sie den Berliner Bildhauer und Bühnenbildner Max Kruse kennen. Noch im gleichen Jahr wurde die gemeinsame Tochter Maria, genannt Mimerle, geboren.

(Bilder: Wilfried Vögel)

1904 begann sie, für ihre eigenen Töchter Puppen zu basteln, und stellte 1905 die erste fertig. 1910 wurden Käthe Kruses Puppen im Berliner Warenhaus von Hermann Tietz erstmals öffentlich ausgestellt. Da diese Anklang fanden, sollte sie die Puppen auch für andere Interessenten herstellen. Zu Anfang waren sie noch schlicht und einfach, später kunstfertig und lebensecht. Nachdem Kruse ihre Herstellung perfektioniert hatte, entwarf und fertigte sie Puppen, die ihren eigenen Kindern nachempfunden waren. Die Natürlichkeit der kleinen Geschöpfe machte Käthe Kruse schon bald bekannt und berühmt. In der Berliner Presse wurden Kruses Puppen auch als „Ei des Kolumbus“ bezeichnet. Puppen waren zwar längst nichts Neues, aber Kruses Machart, weich, biegsam und lebensecht, unterschied sich von den bisher dagewesenen – einfach zum Liebhaben.

(Bild: Wilfried Vögel)

Neu bei Zeller ist die Rubrik Modeschmuck. Hier gibt es echte „Hingucker“ auch für den kleinen Geldbeutel und in sehr guter Qualität. Von Ohrclips bis zu Ketten und Colliers reicht das Angebot.

Oder soll es eine Original-Autogrammkarte von Claus Biederstaedt, Anny Ondra, Olga Tschechowa oder Loretta Young sein? Edle Textilien haben schon längst ihre Liebhaber. Vom edlen Taschentuch bis zur Gediegenen Tischwäsche reicht das Angebot, zumeist aus Leinen.

All das und noch viel mehr kommt bei der 148. Auflage von Michael Zellers Bodensee-Kunstauktion unter den legendären Hammer.

(Bilder: Wilfried Vögel)

Alle Exponate kann man im Internet auch im Bild bestaunen (www.zeller.de).

Ein Besuch im Auktionshaus, sozusagen live, lohnt sich aber allemal – natürlich mit Maske und Abstand zu Corona-Zeiten.