Ziemlich beste Freunde: Pujol und Maréchal im Interview

Ziemlich beste Freunde: Pujol und Maréchal im Interview
Auf dem Feld Rivalen, abseits beste Freunde: der "Häfler" Nicolas Maréchal (links) und Pierre Pujol von den Berlinern. (Bild: Günter Kram)
WOCHENBLATT
Redaktion

Pierre Pujol und Nicolas Maréchal kennen sich schon ewig – und nicht nur das: Der Berliner Zuspieler und der Außenangreifer aus Friedrichshafen sind beste Freunde. Die Volleyball-Bundesliga hat mit den beiden Franzosen vor dem Topspiel zwischen den Berlin Recycling Volleys und dem VfB Friedrichshafen (Mittwoch, 27. Januar, 20 Uhr, live im TV auf SPORT1) über gemeinsame Erinnerungen, Rivalität und andere Fragen gesprochen.

Pierre, Nicolas – man sagt euch nach, ihr wärt quasi untrennbar. Wann hattet ihr vor unserem Gespräch das letzte Mal Kontakt?

Pierre Pujol: Das muss so zehn Minuten her sein.

Nicolas Maréchal: Ja, da hat er mir ein Foto geschickt – einen Witz.

Worüber sprecht ihr am meisten?

Nicolas: Pierre, fang du mal an.

Pierre: Eigentlich über alles.

Nicolas: Ja, zum Beispiel über unseren letzten Sommerurlaub. Wir sind echt oft in Kontakt.

Ihr verbringt sogar euren Urlaub zusammen?

Nicolas: Ja, die letzten zwei oder drei Jahre war ich mit meiner Familie immer bei Pierre in Cannes. Es ist ja auch so, dass nicht nur wir beide gut befreundet sind, sondern auch unsere Frauen.

Pierre: In diesem Jahr wollen wir das mal umdrehen und in den Norden fahren, um Nico zu besuchen.

Ihr seid richtig gute Freunde. Könnt ihr euch noch erinnern, wo ihr euch zum ersten Mal über den Weg gelaufen seid?

Pierre: Puh, da müssen wir gegeneinander gespielt haben.

Nicolas: Ja, stimmt und ich mochte dich am Anfang überhaupt nicht.

Pierre: Bei mir war das anders. Als ich ihn das erste Mal gesehen habe, war ich gleich hin und weg (beide lachen).

Was ist die beste Erinnerung, die ihr beiden im Volleyball teilt?

Pierre: La Réunion…

Nicolas: Nein, das war auf jeden Fall der EM-Titel 2015 mit Frankreich.

Und was hat es mit La Réunion auf sich?

Pierre: Ach, das war ein Jugendturnier. Da hat man Drei-gegen-Drei gespielt. Das hat eine Woche oder zehn Tage gedauert und war wie Urlaub.

Wie sieht es mit gemeinsamen Erinnerungen abseits des Sports aus?

Nicolas: Wir haben oft zusammen gefeiert.

Welches war die letzte oder die beste Party, an die ihr euch erinnert?

Pierre: Wir erinnern uns selten an Partys (beide lachen).

Wohl wahr, an die guten Partys erinnert man sich nicht … Aber ihr erinnert euch sicher an die Stärken des anderen auf und neben dem Court?

Nicolas: Pierre kann einfach nicht verlieren. Er will immer gewinnen und dafür tut er alles. Neben dem Spielfeld ist es nie langweilig mit ihm, er hat immer etwas zu erzählen. Wenn du eine Stunde mit Pierre unterwegs bist, spricht er 59 Minuten und du eine (lacht).

Pierre, dann würde sich jetzt ja anbieten, dass du sagst, Nicolas ist ein guter Zuhörer…

Pierre: Absolut. Nico ist ein Typ mit einem guten Charakter. Auf dem Feld mag ich seine Art zu spielen. Er kommt nicht über die Kraft, sondern über die Technik. Selbst wenn er einen Fehler macht, kann er den Ball noch kontrollieren, das macht ihn so stark.

Trotzdem hast du für ein Spieltags-Magazin der BR Volleys zuletzt dein Dream-Team zusammengestellt, in dem Nicolas fehlt. Warum ist er da eigentlich nicht drin?

Nicolas: Ja, warum eigentlich nicht?

Pierre: Das muss ein Fehler sein. Ich habe ihn gleich als erstes genommen. Er ist sogar der Kapitän.

Ich kann ihn aber darin nicht finden…

Pierre: Dann muss ich noch mal mit unserer Presseabteilung sprechen, wo Nico geblieben ist.

Lasst uns zu einem anderen Thema kommen, das uns alle beschäftigt: die Pandemie. Was vermisst ihr gerade am meisten?

Pierre: Meine Frau. Sie lebt in Cannes und kann mich zurzeit hier in Berlin nicht besuchen.

Nicolas: Ach, bist du süß. Das ist so cool.

Pierre: Klar, ich vermisse meine Familie, meine Freunde, aber auch einfach mal mit Leuten ins Café zu gehen.

Nicolas: Bei mir sieht das ähnlich aus. Ich habe das Glück, dass meine Familie mich zumindest alle paar Wochen besuchen kommen kann. Aber ansonsten ist der Rhythmus Training-Wohnung-Training-Wohnung gerade schon ziemlich ermüdend.

Ist es eigentlich ein Unterschied für euch auf dem Feld, dass keine Zuschauer in der Halle sind?

Pierre: Absolut! Ohne Fans ist es unglaublich schwer, mit der gleichen Energie und Mentalität zu spielen, als wenn Zuschauer da wären.

Nicolas: Motivation ist auch so eine Sache. Die Unterstützung der Fans treibt dich an, wenn du einen guten Punkt machst oder baut dich auf, wenn es nicht so läuft. Das fehlt total.

Ihr seid beide schon eine ganze Weile im Volleyball unterwegs, habt eine Reihe unterschiedlicher Vereinsstationen hinter euch. Wenn ihr mal auf den jeweils anderen schaut, welchen Wechsel fandet ihr am besten und welchen konntet ihr gar nicht verstehen?

Nicolas: Der Wechsel nach Italien zu Treviso war mit Sicherheit der beste Schritt, den er machen konnte. Er war jung und Treviso war damals eines der besten Teams überhaupt. Nicht so recht verstanden habe ich, warum er aus Berlin zurück nach Frankreich gegangen ist. Klar, er wollte wieder näher bei seiner Familie sein, aber er hatte davor eine so gute Saison gespielt, dass er auch weiter bei einem Top-Klub hätte spielen können.

Pierre: Nico hatte doch in 20 Jahren auch 20 Klubs, da muss ich erst mal überlegen… Vermutlich sein Wechsel nach Russland in die vielleicht stärkste Liga. Und überhaupt nicht verstanden habe ich, warum er überhaupt angefangen hat zu wechseln. Er hätte in Tourcoing bei seinem ersten Klub in Frankreich bleiben sollen. Da war er der König, der Paolo Maldini von Tourcoing. Eigentlich hätte er da für 20 Jahre bleiben müssen, mit Tourcoing die Champions League gewinnen und Bürgermeister werden.

Nicolas, hast du vor deinem Wechsel nach Friedrichshafen mit Pierre darüber gesprochen?

Nicolas: Ich weiß es gar nicht mehr. Nicht konkret über den VfB, mehr über die Liga, das Leben und den Bierpreis in Deutschland.

Das Bier ist billiger als in Frankreich, oder?

Nicolas: Darum habe ich unterschrieben (lacht).

Als du gewechselt bist, hast du gesagt, du kommst auch, um Berlin ein bisschen zu ärgern. Wie gut funktioniert das bis hierher?

Nicolas: Naja, wir sind Erster – läuft also ganz gut für uns.

Ihr seid seit zwölf Spielen in der Liga ungeschlagen. Was macht die Mannschaft so stark?

Nicolas: Wir haben ein gutes Team mit einer tollen Mischung aus starken jungen, aber auch ein paar erfahrenen Spielern. Das passt einfach gut zusammen.

Du gehörst du den erfahrenen Spielern. Lassen sich denn die jungen Tipps von dir geben?

Nicolas: Klar können wir den jüngeren Spielern Ratschläge geben, aber am Ende entscheiden sie, ob sie die auch annehmen. Bei kleinen Sachen können wir sie da sicher unterstützen. Ich würde aber zum Beispiel Linus Weber niemals Tipps zum Angriff geben – das macht er besser als ich.

Pierre, du hast mit den BR Volleys jetzt achtmal in Folge gewonnen. Erinnerst du dich noch an die letzte Niederlage in der Liga?

Pierre: Das war Friedrichshafen, oder?

Genau. Was hat sich bei euch seit dem Spiel im November verändert?

Pierre: Eine Menge. Damals hatten wir viele Verletzungen, waren ein neues Team, mussten mit der Covid-Situation klarkommen. Mittlerweile sind wir stabiler, einfach ein besseres Team.

Was müsst ihr anders machen als im Hinspiel, um am Mittwoch zu gewinnen?

Pierre: Erst mal müssen wir das erste Spiel aus den Köpfen streichen. Wir müssen unser Spiel machen und das abrufen, was wir draufhaben. Dann haben wir auch eine Chance zu gewinnen. Für uns ist das Spiel natürlich wichtig, aber noch wichtiger werden dann die Playoffs.

Jetzt steht ihr euch am Mittwoch als gute Freunde am Netz gegenüber. Ist das immer noch eine merkwürdige Situation oder habt ihr euch daran gewöhnt?

Nicolas: Für mich ist das nicht merkwürdig, sondern eigentlich lustig. Ich spiele gerne gegen Freunde, weil man sich da am Netz in die Augen schauen und auch mal einen Witz machen kann.

Zum Abschluss die unvermeidliche Frage: Wer gewinnt am Mittwoch?

Pierre: Nico, du fängst an!

Nicolas: Na gut, dann beginne ich. Das wird auf jeden Fall ein ganz enges Spiel. Ich hoffe, mit dem besseren Ende für uns, weil wir dann eine richtig gute Chance haben, die Hauptrunde auf Platz eins zu beenden.

Pierre: Unsere Motivation ist groß, das Spiel zu gewinnen, weil wir sonst Platz eins vor den Playoffs ziemlich sicher abschreiben können. Daher gehe ich davon aus, dass wir gewinnen.