Wird Holz bald wie Gold gehandelt?

Wird Holz bald wie Gold gehandelt?
Holz ist derzeit knapp und teuer: Handwerker klagen über fehlendes Baumaterial (Bild: Pixabay)

Vielen Baufirmen geht das Material aus. Besonders betroffen sind Zimmerleute. Ihre Auftragsbücher sind voll, aber Holz und sämtliches Dämmmaterial fehlen. Der Gesamtverband Deutscher Holzhandel spricht von einer „angespannten Situation“ auf den Beschaffungsmärkten.

Die Mengen werden geringer und der Preis steigt. Wer sich noch vor ein paar Monaten ein Angebot für ein neues Dach hat machen lassen, muss jetzt fast ein Drittel mehr dafür hinlegen.

Wir haben bei Karl-Heinz Knauer, Obermeister der Dachdeckerinnung Oberschwaben, nachgefragt:

Viele schieben den Grund für den Mangel auf die weltweite Nachfrage. USA und Asien würden unser Holz regelrecht aufsaugen. Wie sehen Sie das?

Die Nachfrage nach Holz ist riesig und USA, Asien und Kanada kaufen große Mengen. Amerika wird oft durch Sturmschäden und Waldbrände gebeutelt und braucht daher enorme Mengen für den Wiederaufbau. Das ist aber nicht der einzige Grund. Der Holzpreis hat sich die letzten 20 Jahre kaum bewegt und ist nicht mit der Inflationsrate hochgegangen. Die Holzhändler haben so ihre Chance gesehen, um auch mal richtig zu verdienen.

Durch die Pandemie wurden die eigenen vier Wände der Dreh- und Angelpunkt des Lebens. Idealer Zeitpunkt zum Renovieren. Spielt dieses Verhalten eine Rolle?

Das Problem sehe ich eher in der Niedrigzinsphase. Man bekommt keine Zinsen und will das Geld sicher anlegen. Also wird renoviert oder umgebaut. Gerade in der Bodenseeregion ist die Nachfrage nach Sanierungen und freiem Wohnraum stark gestiegen.

Noch vor einem Jahr hat eine Dachlatte rund 80 Cent gekostet – heute muss man dafür fast das Dreifache hinlegen. Wie reagiert die Baubranche auf diese Preissteigerung?

Der Preis im gesamten Bereich Bauholz hat sich nahezu verdreifacht und das Kalkulieren für Aufträge ist enorm schwer. Die Händler geben maximal eine Preisbindung von vier Wochen, oft sind es sogar nur Tagespreise. Früher galt eine Preisbindung bis zu einem halben Jahr.

Beim Bau eines Hauses greifen viele Gewerke ineinander. Wenn ein Handwerker wegen fehlendem Material nicht weitermachen kann, ruht oft die Baustelle. Was raten Sie?

Wichtig ist die rechtzeitige Kommunikation unter den Firmen, um die Termine gezielt abzustimmen. Lieber einmal mehr das Telefon in die Hand nehmen. Die Schuld liegt aber nicht immer am Material. Manch ein Handwerksbetrieb nimmt die aktuelle Situation auch als Ausrede, weil er einfach zu viele Baustellen gleichzeitig hat.

Karl-Heinz Knauer, Obermeister der Dachdeckerinnung Oberschwaben. (Bild: Knauer-Bedachungen)

Kunden wollen in ihren Angeboten eine Preisgarantie. Ist das noch möglich, wo die Holzpreise täglich schwanken?

Eine Preisgarantie kann derzeit fast keiner geben. Die Engpässe ziehen sich wie ein roter Faden durch. Es fehlt ja nicht nur Holz sondern auch Metall, Farben, sämtliches Dämmmaterial usw. In Angeboten wird aktuell eine Preisgleitkausel eingesetzt. Das ist eine sog. Wertsicherungsklausel bei Zahlungsbedingungen, mit der sich z.B. der Lieferant das Recht behält, bei Erhöhung der Selbstkosten den Preis einer Ware anzupassen.

Ein Fachmann aus der Baubranche erzählte mir, dass bei der Baustoffknappheit seines Erachtens eine Mitschuld bei den Produzenten liegt. Die Bücher waren voll und sie hätten ihre Mitarbeiter trotzdem in Kurzarbeit geschickt. Man wollte das Geld vom Staat nicht verschenken. Wie denken Sie darüber?

Bei den Sägewerken mag das so sein, die wollen jetzt verdienen. Darüber hinaus haben wir aber den „Klopapiereffekt“. Jeder Händler deckt sich mit so viel Material ein, wie es nur geht und hortet. Dieses Material fehlt auch auf dem Markt. Früher bestellten wir in unserem Betrieb das Material kurzfristig, d.h. 2 bis 3 Wochen vor Baubeginn.

Sind wir am Höhepunkt der Preissteigerung angekommen, oder wird es noch teurer?

Die Fahnenstange ist langsam erreicht, obwohl die Händler noch Preissteigerungen für die nächsten 2 bis 3 Monate angekündigt haben. Ich vermute, dass sich die Preise bis Jahresende moderat normalisieren. Was bleiben wird, ist aller Voraussicht ein erhöhtes Preisniveau von bis zu
20 Prozent.

Wenn Produkte rar und wertvoll sind, entwickelt sich gerne eine Art Schwarzmarkt. Gibt es den auch beim Holz?

Dazu ist dem Innungsbetrieb nichts bekannt. Was auffällig ist, sind die vielen Materialdiebstähle auf den Baustellen. Die meisten Handwerksbetriebe lassen sich deshalb das Material nur noch direkt auf den Hof anliefern. Mitgenommen wird zur Baustelle nur das, was in der Regel benötigt wird.

Was raten Sie aktuell Renovierern?

Wichtig ist, dass seriöse Firmen ausgewählt werden, die nur die Materialpreiserhöhung weitergeben und nicht durch die Not selbst verdienen möchten. Hier gibt es sicherlich einige schwarze Schafe, die auf den Zug aufspringen.