„Wir wollen noch stärker vor Ort in die Betriebe gehen“

„Wir wollen noch stärker vor Ort in die Betriebe gehen“
Petra Engstler Karrasch Hauptgeschäftsführerin bei der IHK Ulm. (Bild: IHK Ulm)

Freier Redakteur
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Am 15. November trat Petra Engstler Karrasch als erste Frau das Amt als Hauptgeschäftsführerin bei der IHK Ulm an. Sie folgt auf Max-Martin W. Deinhard, der in gleicher Funktion zur IHK Ostfriesland-Papenburg nach Emden wechselte. Deinhard war damit nur knapp zwei Jahre im Amt. Anfang 2020 trat er die Nachfolge von Otto Sälzle an, der das Amt 23 Jahre führte und erfolgreich mit Leben füllte.

Kurz nach ihrem Start hat das Wochenblatt ein Interview mit Engstler-Karrasch geführt.

Frau Engstler-Karrasch, könnten Sie sich bitte kurz vorstellen?

Gerne: 56 Jahre alt, geborene Münchnerin und nach knapp 20 Jahren im Allgäu, seit rund zehn Jahren in Laupheim heimisch. Formal qualifiziert mit einer dualen Ausbildung, einem Studium der Betriebswirtschaftslehre sowie einem postgradualen Studium mit Schwerpunkten in Arbeits- und Organisationspsychologie. Unternehmerische Erfahrung aus dem Auf- und Ausbau eines Beratungs- und Softwarehauses, 10 Jahre Führungserfahrung in vergleichbaren Organisationen (HWK für München und Oberbayern sowie HWK Region Stuttgart).

Streben Sie wie Otto Sälzle eine langfristige Tätigkeit für die IHK an?

Nun, so lange wie Otto Sälzle werde ich mich vermutlich schon aufgrund meines fortgeschrittenen Lebensalters leider nicht für die IHK einbringen können. Aber natürlich plane ich langfristig in der IHK für die Unternehmen der Region wirksam zu werden.

Immer wieder wird gefragt, wozu die IHK „gut sei“? Wie wollen Sie die IHK und deren Nutzen sichtbarer machen?

Die meisten Unternehmen verbinden vor allem die Aus- und Weiterbildung mit der IHK. Die IHK ist ja aber weit mehr. Viele Betriebe kennen „ihre“ IHK auch aus der Existenzgründung. Dieser direkte Kontakt und das Wissen um die abrufbaren Unterstützungs- und Beratungsdienstleistungen verliert sich dann leider manchmal über die Jahre. Digitale Kommunikationsmöglichkeiten und der Ausbau unseres digitalen Serviceportals schaffen hier neue Möglichkeiten der Kundenbindung, die wir weiterhin aktiv nutzen und sicher noch ausbauen werden. Natürlich ist es aber auch wichtig, in persönlichen Gesprächen das komplette Leistungsspektrum der IHK aufzuzeigen. Wir wollen daher – sobald es die Pandemie zulässt – auch noch stärker raus zu unseren Mitgliedern vor Ort.

Sehen Sie Möglichkeiten, die IHK-Gegner vom Sinn und Wert der Kammer zu überzeugen?

Vom Sinn der durch die Kammer umgesetzten Selbstverwaltung der Wirtschaft überzeugen wir, indem wir die Vorteile zum Beispiel in der Berufsbildung herausstellen. Über uns haben die Unternehmen Einfluss auf die Gestaltung von Ausbildungsplänen. Gerade durch das ehrenamtliche Engagement vieler Ausbildungsbetriebe bei der IHK werden die vermittelten Inhalte bedarfsgerecht weiterentwickelt und geprüft, die duale Ausbildung genießt weltweit einen exzellenten Ruf. Zudem gilt es aufzuzeigen, wo wir praktischen Nutzen bieten. Gerade kleinere Unternehmen können stark vom Zugriff auf unsere mit der Mitgliedschaft verbundenen Unterstützungsleistungen profitieren, sei es im Rahmen von Beratungen zu Finanzierung, Nachfolge, rechtlichen Problemen oder durch unsere Coronahotlines. Wo wir selbst kein passendes Angebot haben, treten wir durch unser gutes Netzwerk als Vermittler auf.

Viele Selbständige haben kaum einen Kontakt zur IHK. Wie wollen Sie deren Bindung an die Kammer stärken?

Hier spielt Digitalisierung eine sehr große Rolle: Wir sind gerade dabei, unsere Kommunikationsstrategie und -kanäle weiter zu optimieren, um den Mitgliedern passgenau die Informationen bereitstellen zu können, die ihnen beim täglichen Tun wirkliche Mehrwerte bieten. Niederschwellig zu nutzende digitale Rückkanäle zu unseren Servicebereichen und auch die guten Erfahrungen, die viele Mitglieder während der Abwicklung der Corona-Soforthilfe mit ihrer IHK gemacht haben, schaffen zunehmend mehr Nähe. Wie ausgeführt, wollen wir aber auch noch stärker vor Ort in die Betriebe gehen.

Mit welchem Konzept möchten Sie der durch die Pandemie beschleunigten Verödung der Innenstädte entgegenwirken?

Ein einheitliches Konzept, das alle Probleme löst, kann es vermutlich nicht geben. Wichtig sind auf die jeweilige Situation vor Ort individuell abgestimmte Maßnahmen.

Wichtigen Mehrwert leistet hierbei unser vom Land geförderter Innenstadtberater, Josef Röll: Er unterstützt Kommunen, Handel und Gastronomie bei der Analyse, definiert mit diesen Maßnahmenpakete und hilft auch bei der Umsetzung. Auch bei Fragen zur Beantragung von Fördermitteln ist die IHK gefragter Sparringpartner. Und mit unserer etablierten Nachfolgemoderation unterstützen wir ganz praktisch beim Matching zwischen Übergebern und Übernehmern – gerade im stationären Einzelhandel oft eine große Herausforderung.

Möchten Sie neue Akzente bei der Interessenvertretung der Selbständigen setzen und ggf. welche?

Die Interessenvertretung der regionalen Wirtschaft ist eine wichtige Aufgabe der IHK-Arbeit. Um Aktualität und Schlagkraft zu erhöhen, werden wir hier zunehmend auch ad-hoc-Umfragen zur Meinungsbildung bei unseren Mitgliedern einholen. Zusammen mit der Entwicklung und Verabschiedung von Positionspapieren in Ausschüssen und Vollversammlung schaffen wir so eine hervorragende Basis, um fundiert die Forderungen der Wirtschaft in Politik und Öffentlichkeit zu platzieren. Die im Sommer verabschiedete Novellierung des IHK-Gesetzes gibt uns auch einen breiteren Rahmen, um uns breit im Namen der Unternehmen der Region zu äußern.