Wetter-Ausblick mit Diplom-Meteorologe Dominik Jung und Wochenblatt-Wettermann Niklas Kaa: Wie sieht die Entwicklung aus?

Wetter-Ausblick mit Diplom-Meteorologe Dominik Jung und Wochenblatt-Wettermann Niklas Kaa: Wie sieht die Entwicklung aus?
Kühlerer Sommer mit kurzen und intensiven Hitzewellen möglich. (Bild: Pixabay)

Wilfried Vögel hat unseren jungen „Wochenblatt-Wettermann“ Niklas Kaa und den Diplom-Meteorologen Dominik Jung dazu (getrennt) befragt.

Dominik Jung, geboren am 4. August 1977 in Bad Kreuznach, ist ein deutscher Medienmeteorologe und Klimaexperte. Er ist vor allem durch seine Beiträge über Wetter und Klima in großen deutschen Tageszeitungen wie BILD, Bild am Sonntag, Frankfurter Rundschau, Passauer Neue Presse, Freie Presse Chemnitz sowie in den Webportalen Stern.de, GMX.de, Web.de oder Yahoo.de bekannt.

Dominik Jung, deutscher Medienmeteorologe und Klimaexperte.(Bild: www.wetter.net)

Niklas Kaa wurde am 5. April 2004 in Weingarten geboren und besucht derzeit die Mittelschule Lindau-Reutin. Er beschäftigt sich seit Kindesbeinen mit dem Wettergeschehen und ist seit Oktober 2020 beim Wochenblatt für die Wettervorhersage zuständig.

Niklas Kaa, zuständig für die Wettervorhersagen beim Wochenblatt. (Bild: Privat)

Warum war der Monat April so trocken und kalt?

NK: Das liegt an den Nordlagen, die uns immer wieder Kälte angezapft haben. Dabei gab es häufig noch Nachtfrost und kühle Temperaturen. Durch Einfluss von kalten Hochdruckgebieten brachte uns dennoch überdurchschnittlich viel Sonnenschein.

DJ: Der April war auf ganz Deutschland bezogen deutlich zu trocken, es gab aber in der Tat auch Regionen wo es zu nass war. Gemittelt kam jedoch ein zu trockener April heraus. Wir hatten ein stabiles Hoch über UK und das über Wochen hinweg. Die typische Westwetterlage kaum dadurch zum Erliegen. Die bringt uns normal den Regen vom Atlantik. Da waren etliche Tiefs wie Queen, Renate oder Sandra….. die Tiefs konnten aufgrund des Blockadehochs bei UK nicht zu uns und daher gab es meist nur wenig Niederschlag.

Auch der Mai beginnt für Sonnenhungrige nicht gerade vielversprechend. Was ist der Grund?

NK: Wir haben es mehr mit Tief- als mit Hochdruck zu tun. Immer wieder bringen uns kleine (Rand- )Tiefs Schauer und Gewitter. Ebenfalls sind Landregenfälle möglich, die meist vom Atlantik zu uns gelangen. Allerdings ist der Regen auch extrem wichtig: Die Böden in Deutschland sind in der Tiefe (1,8m) nahezu überall (deutlich) zu trocken!

DJ: Neben dem Hoch lag über Skandinavien zudem noch ein Tief. Bei einem Tief dreht sich der Wind gegen den Uhrzeigersinn, bei einem Hoch im Uhrzeigersinn und so konnte sich zwischen dem Hoch und dem Tief eine kühler Nordwestströmung einstellen. Fertig war der trockene und kühle April.

Wie lange müssen wir noch auf wärmere Tage warten?

NK: Das kann man so nicht genau sagen. Rund um den 23. deutet sich vermutlich eine leichte Erwärmung an. Allerdings wird diese wohl nicht lange halten – wie die Wettermodelle aktuell prognostizieren. Grundsätzlich geht das schnelle Wechselspiel weiter.

DJ:  Die Wetterlage war anfangs recht ähnlich noch wie im April. Derzeit liegt der Jetstream, ein Starkwindband um die gesamte Nordhalbkugel, mit einer Delle über uns bis nach Südeuropa und damit strömt immer wieder kühler Luft aus Norden zu uns und teils eben auch feuchte Luft. Da hängen wir in einer Dauerschleife gefangen drin. Ein stabiles Sonnenhoch ist derzeit nicht in Sicht und hat auch aktuell keine Chance sich entfalten zu können.

Ein stabiles Sonnenhoch ist derzeit nicht in Sicht. (Bild: Pixabay)

Was erwartet uns an Pfingsten, eine wichtige Frage für viele, die jetzt darauf hoffen, wieder (wenigstens in Europa) Ferien machen zu dürfen?

NK: Zu Pfingsten ist es noch nicht einfach, konkret etwas zu sagen. Ich gehe von wechselhaftem Wetter auf etwas höherem Temperatur-Niveau aus. Da können wir zwischenzeitlich auch die Sonne genießen. Die Wechselhaftigkeit bleibt nach den Trends bestehen und nimmt nur langsam ab. Sehr gut für die Natur.

DJ: In Deutschland ist das weiter unsicher. Wahrscheinlich dauert das wechselhafte Wetter bei uns über Pfingsten an. Da ist keine nachhaltige Änderung der Großwetterlage in Sicht. Weiter recht kühl und teilweise sehr nass und das auch an Pfingsten.

Was bringt uns der Sommer 2021?

NK: Der Sommer wird durchschnittlich und wechselhaft ausfallen. Neben ausreichend viel Regen kann es auch Hitzetage geben. Damit rechne ich zwischen Mitte Juni und Mitte Juli. Eine anhaltende Hitzeperiode erwarte ich nicht. Es wird also ein durchschnittlicher Sommer werden

DJ: Eine klassische Wettervorhersage für eine ganze Jahreszeit ist nicht möglich. Man kann also heute noch nicht sagen, der 4. August wird sonnig oder so. Es gibt lediglich Monatstrends. Die gehen von einem normalen Sommer aus. Nicht zu warm, nicht zu kalt. Bezogen ist das aber über alle drei Sommermonate hinweg: Juni, Juli und August gemittelt. Natürlich kann es dann auch mal kurze Hitzewellen und richtige Kältephasen geben, aber im Mittel eher aller NORMAL. Beim Regen: Etwas weniger Regen in der Fläche als üblich.

Kurze Hitzewellen in diesem Sommer möglich. (Bild: Pixabay)

In den letzten Jahren war es doch eigentlich immer zu warm und jetzt dieses kühle Wetter. Ist das der Beginn einer neuen Eiszeit?

NK: Das kann man so pauschal nicht sagen. Dass wir in diesem Jahr bisher kühlere Bedingungen als in den Vorjahren hatten, merken wir. Ob das der Beginn einer neuen Eiszeit ist, bezweifele ich allerdings stark. Der Sommer wird – wie bereits angedeutet – eher durchschnittlich. Dabei ist auch immer wieder Niederschlag (Schauer und Gewitter, Landregen) mit dabei. Durchschnittlich wird sich für uns wahrscheinlich aufgrund der letzten Sommer eher zu kühl anfühlen. Kurze und intensive Hitzewellen (zum Beispiel durch eine Tiefvorderseite) sind dennoch dabei, die sich mit den wechselhaften (Nord-)Lagen abwechseln. Die schönste Sommerphase wird nach meiner Prognose zwischen Mitte Juni und Mitte Juli stattfinden. Ich erwarte Heuer viele Schauer und Gewitter.

DJ: Das ist aktuell eine Wetterlage und die gibt es seit ein paar Wochen. Klima ist Wetter über 30 Jahre betrachtet. 30 Jahre mal 12 Monate….. und wir sprechen nun von 2 Monaten die etwas anders sein werden. Die haben da erstmal keinen Einfluss und stehen auch nicht für eine Trendumkehr. Wird aber gerne von einigen Gruppierungen in diesen Tagen als Argument aus dem Hut gezaubert. Das ist leider zu kurz gedacht. Wenn wir in 10 Jahren immer noch eine so kühle Phase wie aktuell haben, DANN können wir über eine Trendumkehr sprechen.

Was hat das mit der grundsätzlichen Veränderung bei unserem Klima zu tun?

NK: Der Klimawandel schreitet weiter voran – ohne Frage. Ich gehe auch von keinen großen negativen (zu kalten) Veränderungen bei uns aus. Immerhin können wir uns vermutlich auf einen durchschnittlichen, typisch mitteleuropäischen Sommer freuen.

DJ:  Im Rahmen des Klimawandels nehmen die Wetterextreme zu. Das erleben wir in diesen Monaten und vergangenen Jahren immer wieder. Rasche Wetterwechsel in extreme Richtungen.

Ihr Fazit: Ein stabiles Sommerhoch ist leider derzeit nicht in Sicht. Es wird wohl einen durchschnittlichen, dennoch nicht uninteressanten Sommerablauf geben.