Werkstatt für behinderte Menschen und Berufliches Bildungszentrum schaffen Perspektiven

Werkstatt für behinderte Menschen und Berufliches Bildungszentrum schaffen Perspektiven
Die Ukrainerinnen Kateryna (links) und Anna hatten in Gruppenleiter Jörg Zieglowski einen festen Ansprechpartner bei der Arbeit in Heggbach. (Bild: Andrea Reck/St. Elisabeth-Stiftung)

WOCHENBLATT
Redaktion

Geflüchtete aus der Ukraine müssen viel zurücklassen. So auch Olha, Anna und Kateryna. Für die drei jungen Frauen mit Behinderung tun sich bei allem Unglück jedoch in Heggbach bei der St. Elisabeth-Stiftung auch neue berufliche Chancen auf, die sie in der Heimat nicht hatten.

Seit dem Sommer sind Anna (22), Olha (24) und Kateryna (26) in Deutschland. Sie wohnen in Privatwohnungen oder im Flüchtlingsheim. Die drei jungen Frauen mit Handicap sind mit ihren Müttern und Geschwistern aus der Ukraine geflohen. Sie sitzen mit Dolmetscherin Tatsiana Zakreuskaya, Gruppenleiter Jörg Zieglowski und Martina Miller, Niederlassungsleitung Teilhabe & Bildung, in der Heggbacher Werkstatt für Menschen mit Behinderung (WfbM) der St. Elisabeth-Stiftung.

Angestoßen wurde das Projekt von der Mutter einer in Heggbach beschäftigten jungen Frau sowie vom Sozialamt der Stadt Biberach. Martina Miller zögerte nicht, die drei Frauen, deren Art des Handicaps mangels Dokumenten zunächst unklar war, in der Werkstatt aufzunehmen. Anna hat zu Hause in einer Konditorei gearbeitet, für Olha, die sie schon länger kennt, ist es die erste Arbeitsstelle.

Gruppenleiter Zieglowski konnte mit seiner ruhigen Art viele Ängste der neuen Beschäftigten zerstreuen. Alle drei Frauen arbeiten von Beginn an in unterschiedlichen Gruppen mit rund einem Dutzend Menschen verschiedenen Alters zusammen und sind mittlerweile gut integriert.

Anna berichtet auf Ukrainisch: „Mir gefällt die Arbeit sehr gut. Ich sortiere und zähle oft Schrauben“. Auch Kateryna, die in der Heimat in keinem Arbeitsverhältnis stand und immer bei ihren Eltern und der Oma zu Hause war, findet sich gut zurecht. Sie zählt gleich die Namen der Kolleginnen und Kollegen auf, die besonders nett sind. Zieglowski ist froh über einen Kollegen aus Russland, der mit seinen Sprachkenntnissen helfen kann. Er freut sich sehr, dass die neuen Mitarbeiterinnen Anschluss gefunden haben. Olha kann sich sogar schon ein bisschen auf Deutsch verständigen. Sie übersetzt schon mal für ihre Freundinnen. „Aber nur, wenn sie mich nicht ärgern. Sonst sage ich, sie sollen selbst Deutsch lernen“. Bei gelegentlich auftretenden kleinen Streitigkeiten, wenden sich die Frauen gerne an Martina Miller, bei der sich Olha ausdrücklich bedankt für die stets offene Tür. Olha lobt auch überschwänglich das Heggbacher Essen: „In der Ukraine ist es nicht so lecker“.

Um die Weichen für die Ausbildung zu stellen, wechselte das Trio zum 1. Dezember nach Laupheim ins Berufliche Bildungszentrum der St. Elisabeth-Stiftung. Möglicherweise kann sich die eine oder andere dort sogar für den allgemeinen Arbeitsmarkt qualifizieren, hofft Miller. Olha würde gerne mit Holz arbeiten, wenngleich sie auch bei der Metall-Montage gut zurechtkommt.

Bei der Besprechung mit Dolmetscherin einige Tage zuvor waren die Mütter der jungen Frauen und der mittlerweile nach Deutschland gekommene Vater von Olha in Heggbach. Bei dieser Besprechung seien einige Tränen geflossen, berichtet Miller. Die Heggbacher Werkstatt ist den Ukrainerinnen schon ein wenig zur Heimat geworden, beobachtet sie und ergänzt: „Die Drei haben auch etwas mit uns gemacht. Wir haben viel gelernt, wie man sich ohne gemeinsame Sprache verständigen kann“.

Kateryna macht sich angesichts des Wechsels nun ein bisschen Sorgen. Sie zweifelt, ob sie künftig im Beruf erfolgreich sein kann, und weiß noch nicht, was sie in Laupheim lernen wird. Vielleicht komme sie nach der Orientierungsphase in Laupheim ja wieder nach Heggbach, hofft sie.  „Aber am liebsten wäre ich zu Hause“, fügt Olha kaum hörbar an und wischt sich ein paar Tränen aus den Augen. „In der Ukraine“.

(Pressemitteilung: St. Elisabeth- Stiftung)