Wenn das Licht die Nacht zum Tag macht

Wenn das Licht die Nacht zum Tag macht
Zum Thema "Lichtverschmutzung" lud die Lindauer ÖDP ein. (Bild: picture alliance/dpa | Michael Reichel)
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Redaktion

Lindau – Lichtverschmutzung war das Thema eines Vortrags, zu dem die Lindauer ÖDP eingeladen hatte. Viele Zuhörer waren überrascht über die Brisanz dieses wachsenden Problems, das André Pix mit viel  Fachwissen und Fakten im wahrsten Sinn beleuchtete, noch dazu am Tag der Biodiversität.

Zuviel Licht in der Nacht durch Straßenbeleuchtung, durch Leuchtreklamen und Festbeleuchtungen im privaten wie im öffentlichen Bereich nimmt zu und stört in ungeahnt hohem Maß die Natur, Pflanzen und nachtaktive Tiere. Das beliebte Glühwürmchen ist nur ein Beispiel. 64 % der nächtlichen Insekten sorgen für die natürliche Bestäubung der Pflanzen. Selbst der Mensch wird in seinem Tag-Nacht-Rhythmus durch zu viel Licht gestört.

In dem Maß, wie das Dunkelhormon Melatonin durch die zunehmende nächtliche Lichtüberflutung, so der Referent, weniger  produziert wird, nehmen die gesundheitlichen Beeinträchtigungen für den Menschen zu: Herz-Kreislaufprobleme, Schwächung des Immunsystems und Stoffwechselstörungen bis hin zur psychischen Instabilität sind die Folgen. In größeren Städten verursacht die Lichterflut eine „Lichtglocke“, die weit über die Stadtgrenzen hinaus ihre störenden Auswirkungen zeigt. 

Neugierig waren die 25 Zuhörer nun darauf, welche Lösungen für dieses noch wenig bekannte Problem denkbar wären. Die „Paten der Nacht“, eine Vereinigung engagierter Fachleute,  arbeiten daran, Wege aufzuzeigen, wie denn diese Lichtverschmutzung reduziert werden könne. Am schädlichsten für Tier und Mensch sei, wenn das Licht einen hohen Blauanteil hat und dazu noch lange Zeit eingeschaltet ist, was zumeist bei den beliebten LED-Leuchten der Fall ist. Hierbei werden die Insekten in eine tödliche Falle gelockt. „Das beste Licht ist das, welches ausgeschaltet ist!“, fasste es Pix zusammen.

Deshalb heißt die Empfehlung: „22 Uhr – Licht aus!“. Diese Aktion soll  ein neues Bewusstsein schaffen, wobei bei der Straßenbeleuchtung allerdings andere Kriterien gelten.  Beim nächsten Lampenkauf sollte auf warme Lichtfarben mit höchstens 3000 K (Einheit der Farbtemperatur) geachtet werden. Leuchter sollen grundsätzlich nach unten strahlen, Bäume sollten nie angestrahlt werden, denn dort hätten bis zu 300 Insektenarten ihren Lebensraum; Garten- und Wegeleuchten, auch die Beleuchtung von Gebäuden sollten früh abgeschaltet werden, damit die Nacht sich tatsächlich rechtzeitig ausbreiten könne.

Es wäre schon ein Erfolg, schloss Pix, wenn die Lichtüberflutung ab 23 Uhr um 70 % reduziert werden könnte. In der anschließenden Diskussion wurde angeregt, dieses Thema auch an Schulen zu vermitteln. Bei der Therme Lindau, die ja bis tief in die Nacht hinein voll beleuchtet wird, will die ÖDP-Stadträtin Christiane Norff entsprechende Fragen an den Betreiber stellen.

(Pressemitteilung: ÖDP Lindau)