Wäre jetzt eine Regionalwährung hilfreich?

Wäre jetzt eine Regionalwährung hilfreich?
Darstellung der Regiocard. (Bild: Elke Boehringer)
Maximilian Kohler

Corona hat drastische Auswirkungen auf die Innenstädte. Dort, wo sich sonst die Menschen gerne aufhalten, shoppen, flanieren oder von der Gastronomie verwöhnen lassen, herrscht derzeit eine nahezu beängstigende Stille. Die bereits vor der Pandemie begonnene Verödung der Stadtzentren, hat damit leider an Fahrt gewonnen. Viele stellen sich die Frage, wie die Innenstädte wieder neu belebt werden können.

In Riedlingen beschäftigte sich beispielsweise vor kurzer Zeit sogar die Bürgerschaft mit dem Thema. Ein wichtiges Ziel zur Zukunftssicherung für die Betriebe und Geschäfte ist bestimmt, eine möglichst hohe Kaufkraftbindung in ihrer jeweiligen Region zu erzielen.

Vision für die Zukunft

Dieses Ziel verfolgen die verschiedenen Regionalwährungen, die es in Deutschland gibt. Vor 10 Jahren formulierte es Josef Hoffmann, Mitbegründer des Riedlinger „Donau-Talers“, wie folgt: „Wenn das Geld was in der Region verdient wird, außerhalb der Region ausgeben wird, sägen wir den Ast ab, auf dem wir sitzen.“ Seit damals hat sich das Einkaufsverhalten der Deutschen allerdings deutlich verändert. Der Internethandel boomt, die Geschäfte in Innenstadtlagen können damit nicht Schritt halten.

Wäre eine Regionalwährung ein hilfreiches Instrument, um den Einzelhandel zu stützen?

Die Raumschaft stärken

Ziel dieser Währungen ist es, die regionale Wirtschaft zu fördern und zu stabilisieren. Durch den überschaubar großen Raum, in der eine Regionalwährung verwendet wird, soll die Kaufkraft der Menschen für die Geschäfte in der Region gebunden werden. Die positiven Effekte sind eine Identifizierung mit der eigenen Raumschaft und deren Geschäfte, sowie die Stärkung der Gemeinschaft. Damit kann, so einer der Thesen, eine Verlagerung von Arbeitsplätzen in andere Regionen, oder gar zu Internethändlern, teilweise entgegengewirkt werden.

Wie das kleinteilig funktioniert, zeigt die Vielzahl an Direktvermarktern, wie etwa innovative und leistungsfähige Hofläden, die oft auch zusätzlich bei Wochenmärkten ihre Produkte verkaufen. Sie setzen überaus erfolgreich auf die Kundschaft ihrer Region, die Wege zum Kunden sind also sehr kurz. Hier verschwindet kein Geld in den intransparenten Kanälen von Konzernen und Märkten, sondern es bleibt in der Region.

Regionalwährungen und Hofläden haben dieselbe Grundlage, sie bringen Konsumenten und Unternehmer zueinander. Damit wird der Gemeinsinn gefördert, es entsteht ein regionales Netzwerk, der Zusammenhalt wird gefördert.

Ohne breite Unterstützung droht das Scheitern

Doch wie sieht es mit der Umsetzung und dem Erfolg von Regionalwährungen aus? Sogar in Städten wie Dresden, Karlsruhe, Kassel gibt es Regionalwährungen. Die vielleicht bekannteste und erfolgreichste Regionalwährung der Republik, nennt sich „Chiemgauer“ (www.chiemgauer.info).

In den Kreisen Rosenheim und Traunstein beteiligen sich aktuell rund 450 Betriebe, knapp 3800 Verbraucher sind mit dabei.

Bezahlung mit den Chiemgauer Scheinen. (Bild: Elke Boehringer)

Im Wirtschaftskreislauf befinden sich derzeit über eine Million Chiemgauer. Der Erfolg einer Regionalwährung steht und fällt also mit der Beteiligung von Geschäftsbetrieben, Behörden und Verbrauchern. Ohne eine größere Zahl an Unterstützern und Partnern, wird eine Regionalwährung scheitern, eine mögliche Chance zur Kaufkraftbindung verspielt.

Einkauf mit Chiemgauer Scheinen bei einem Optiker. (Bild: Elke Boehringer)

Hoffmann sieht es pragmatisch: „Regionalgeld mag, im Vergleich zur ‚Globalisierung‘ nur ein Fähnchen der Hoffnung sein. Aus diesem Fähnchen kann jedoch ein Segel werden, das die heimische Wirtschaft aus der Flaute herausführen kann und zu einem großen regionalen Selbstbewusstsein führt.“

Einkauf mit Chiemgauer Scheinen bei einer Buchhandlung (Bild: Elke Mathe)

Das von der Firma Herrmanns GmbH (Hailtingen) am vergangenen Wochenende durchgeführte Herzens-Projekt „Autokino“, fußte durch die Unterstützung der notleidenden Gastronomie auf diesem Prinzip der regionalen Gemeinschaft.

Der Riedlinger „Donau-Taler“ ist allerdings, mangels Beteiligung und Akzeptanz, aufs Abstellgleis geraten. Neue Initiativen zeigen, dass der Traum vom Regio-Geld noch nicht am Ende ist: In Gauting (nördlich des Starnberger Sees), findet am Donnerstag, 29. April, eine online-Konferenz statt. Dort soll der „Würmtaler“ ins Leben gerufen werden.

Mehr Infos gibt es dazu unter www.wuermtaler.oeko-und-fair.de. Geburtshelfer soll dabei, wen wundert es, der „Chiemgauer“ sein.