Tipps der Verbraucherzentrale Vorsicht! Pille per Ferndiagnose aus dem Netz bei Prio.one

Vorsicht! Pille per Ferndiagnose aus dem Netz bei Prio.one
Pille per Klick bestellen: Das Unternehmen mit Sitz in Irland ermöglicht eine Online-Bestellung der Antibabypille, ohne ärztlichen Kontakt, nur mittels eines Fragebogens. (Bild: rainbow33 / stock.adobe.com)
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Redaktion

Auf einer Webseite rund um Frauengesundheit kann die Antibabypille ohne direkte ärztliche Beratung bestellt werden. Über das Portal prio.one bietet eine Firma aus Irland die Pille per Ferndiagnose an. Es reicht das Durchklicken durch einen Fragebogen. Die Verbraucherzentralen raten, hier vorsichtig zu sein und das Arzneimittel nicht leichtfertig ohne Arztbesuch zu bestellen.

Zahlreiche Beschwerden eingegangen

Die Antibabypille ganz einfach im Netz bestellen, ohne Arztbesuch? So funktionierte 2021 das Geschäftsmodell von prio.one, einer Webseite und einer App rund um Frauengesundheit. Mitte 2021 gingen bei den Verbraucherzentralen zahlreiche Beschwerden zu diesem Angebot ein. Nach Abmahnung durch die Verbrauchzentrale und auf medialen Druck änderte Prio.one seine Außendarstellung, das Geschäftsmodell blieb im Kern das Gleiche.

Bei uns verschreibungspflichtig

Denn das Unternehmen mit Sitz in Irland ermöglicht eine Online-Bestellung der Antibabypille, ohne ärztlichen Kontakt, nur mittels eines Fragebogens. Solch ein Rezept per Ferndiagnose ist in Irland erlaubt. In Deutschland ist die Pille jedoch verschreibungspflichtig. 

Die Verbraucherzentralen: Das Unternehmen verstößt hier gegen das Heilmittelwerbegesetz, wonach für verschreibungspflichtige Arzneimittel „nur bei Ärzten, Zahnärzten, Tierärzten, Apothekern und Personen, die mit diesen Arzneimitteln erlaubterweise Handel treiben, geworben werden“ darf (§ 10 Abs. 1 HWG). Das Geschäftsmodell ist auch nicht mit der Berufsordnung für Ärzte vereinbar, wonach „eine ausschließliche Beratung oder Behandlung über Kommunikationsmedien“ nur im Einzelfall erlaubt ist, nämlich wenn „dies ärztlich vertretbar ist und die erforderliche ärztliche Sorgfalt insbesondere durch die Art und Weise der Befunderhebung, Beratung, Behandlung sowie Dokumentation gewahrt wird“ (§ 7 Abs. 4 der Musterberufsordnung für Ärzte (MBO-Ä). Das haben auch Ärzte aus anderen Mitgliedstaaten der EU zu beachten.

Pille kann Nebenwirkungen auslösen

Viele Frauen und Mädchen vertragen die Pille gut, aber sie kann eben auch Nebenwirkungen auslösen, etwa Blutungsunregelmäßigkeiten, Akne, Stimmungsschwankungen, Gewichtszunahme oder ein reduziertes Lustempfinden. Bei bestimmten Vorerkrankungen kann die Einnahme problematisch sein, zum Beispiel bei Herz-Kreislauf-Problemen, bei einem erhöhten Thromboserisiko, bei Übergewicht und bei Raucherinnen.

Nicht eigenmächtig einnehmen

Daher sollte die Pille nicht eigenmächtig eingenommen werden, sondern an eine ärztliche Untersuchung gekoppelt sein – auch um mögliche Wechselwirkungen mit bestimmten Medikamenten auszuschließen. Frauenärzte empfehlen eine halbjährliche Kontrolle.

Erst ab 14 Jahren

Mädchen bis zum Alter von 14 Jahren dürfen die Pille ohnehin nicht ohne Zustimmung der Eltern erhalten. Deshalb rät die Verbraucherzentrale zur Vorsicht bei medizinischen Mitteln aus dem Internet.

Nicht bedenkenlos auf Influencer setzen

Auch auf Influencer sollte man nicht bedenkenlos setzen. Sie sind (meist) keine Ärzte, dafür aber oft von den Firmen bezahlt. 

Im Shop des irischen Unternehmens ist die Pille immer selbst zu bezahlen – für Frauen unter 22 Jahren erstatten die gesetzlichen Krankenkassen aber verschreibungspflichtige Verhütungsmittel. Und erst ab 18 Jahren ist die Zuzahlung von fünf bis zehn Euro selbst zu zahlen.

Mehr zu Gesundheitsinformationen im Netz finden Sie unter www.faktencheck-gesundheitswerbung.de, einem Projekt der Verbraucherzentralen NRW und Rheinland-Pfalz.

(Quelle: Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen)