Viele Schweinehalter im Land sehen keine Perspektive mehr

Viele Schweinehalter im Land sehen keine Perspektive mehr
Die baden-württembergische Schweinehaltung befindet sich momentan in der größten Krise seit Jahrzehnten. Viele Betriebe wirtschaften bereits seit über einem Jahr nicht mehr kostendeckend. (Bild: Pixabay)
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Redaktion

Der Landesbauernverband hat einen offenen Brief an die Politik geschickt

Aufgrund der Coronakrise sind die Schweine- und Ferkelpreise auf einem historischen Tief und die Tierhalter schreiben tiefrote Zahlen. Der Landesbauernverband (LBV) hat deshalb eine Umfrage unter Schweinehaltern durchgeführt. Das Ergebnis ist ernüchternd: Über 50 Prozent der Befragten planen einen partiellen oder kompletten Ausstieg aus der Schweinhaltung.

Ist Schweinefleisch bei uns bald Geschichte?

Gründe dafür seien neben gesetzlichen Auflagen und Unwirtschaftlichkeit, mangelnde Perspektiven. „In dieser Situation ist eine Weiterentwicklung der Betriebe unmöglich“, erklären die LBV-Vizepräsidenten Kaus Mugele und Hans-Benno Wichert. „Alle Marktbeteiligten und die Politik müssen jetzt endlich handeln, ansonsten ist Schweinefleisch aus Baden-Württemberg bald Geschichte.“ Schon heute sei der Selbstversorgungsgrad im Land nur noch bei rund 45 Prozent.

Die Situation der Ferkelzüchter und Schweinemäster ist desaströs. In der LBV-Umfrage machen die 282 Teilnehmenden, knapp 15 Prozent der Schweinehalter im Land, ihrem Unmut Luft.

Tierhalter fühlen sich von der Politik im Stich gelassen

In Summe fühlen sich die befragten Tierhalter von der Politik im Stich gelassen. „Die Frustration unserer Schweinehalter ist groß. Sie kritisieren politische Entscheidungen der vergangenen Jahre, die wichtige Fragen unserer Branche nicht zufriedenstellend beantworten. Es werden immer neue Anforderungen gestellt, es ist aber unklar wer diese bezahlt“, sagt Wichert. Wenn nicht endlich gehandelt wird, kommt statt der gewünschten Agrarwende, ein hartes Agrarende, so kommentiert ein an der Umfrage teilnehmender Schweinehalter die aktuelle Situation.

In Summe fühlen sich die befragten Tierhalter von der Politik im Stich gelassen. „Die Frustration unserer Schweinehalter ist groß. Sie kritisieren politische Entscheidungen der vergangenen Jahre, die wichtige Fragen unserer Branche nicht zufriedenstellend beantworten. Es werden immer neue Anforderungen gestellt, es ist aber unklar wer diese bezahlt“, sagt Wichert.

Schweinehaltung in Baden-Württemberg: Lt. dem Statistischem Landesamt (November 2021) gibt es nur noch 1.900 schweinehaltende Betriebe, darunter 700 Ferkelzüchter in Baden-Württemberg. In den vergangenen Jahren hat diese Sparte einen regelrechten Strukturbruch erlebt. Die baden-württembergische Schweinehaltung befindet sich momentan in der größten Krise seit Jahrzehnten.

Viele Betriebe wirtschaften bereits seit über einem Jahr nicht mehr kostendeckend

Die Preise für Ferkel und Mastschweine sind viel zu niedrig. Momentan erhält der Schweinemäster 1,20 je Euro/kg Schlachtgewicht, der Ferkelzüchter nur 26,10 Euro pro Ferkel. Kostendeckend wird es für die Mäster ab einem Preis von ca. 1,80 Euro/kg Schlachtgewicht. Bei den Schweinezüchtern rechnet sich die Arbeit erst ab ca. 70 Euro pro Ferkel. Diese Zahl hängt jedoch auch stark von den betriebsindividuellen Gegebenheiten ab und kann teilweise auch deutlich höher liegen.

(Pressemitteilung des Landesbauernverband Baden-Württemberg)