VfB-Volleyballer müssen sich nach ihrer Rückkehr mächtig strecken

VfB-Volleyballer müssen sich nach ihrer Rückkehr mächtig strecken
VfB-Libero Avery Aylsworth verleiht der VfB-Defensive Stabilität (gelbes Trikot). (Bild: Günter Kram)
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Redaktion

Friedrichshafen – Der VfB Friedrichshafen hat sich am Donnerstagabend mit einem knappen Heimerfolg in der 1. Volleyball-Bundesliga zurückgemeldet. Nach zweiwöchiger Corona-Pause schlug das Team von Cheftrainer Michael Warm – laut Vereinsmitteilung – tapfere Helios Grizzlys Giesen mit 3:2 (25:22, 26:28, 25:23, 23:25, 15:12).

Vor allem in der Annahme hätten die Häfler – so der VfB weiter – ihre Probleme gehabt und konnten nur selten ihr druckvolles Angriffsspiel aufziehen. Immer wieder liefen sie Rückständen hinterher und ließen Giesen heran kommen. Wenn eine Mannschaft zwei Wochen nicht im Training war, könnten schnelle Punkte helfen.

Das oder zumindest etwas Ähnliches dachte sich wohl Linus Weber, als er zum ersten Mal zum Aufschlag ging. Zwei Mal nagelte der spätere MVP Toni Menner auf Giesener Seite das Service genau auf die Linie (4:3, 5:3), dann verteidigte er den nächsten Angriff der Gäste und bereitete Martti Juhkamis ersten Punkt vor (6:4).

Der Este legte selbst einen Servicewinner nach (8:4) und sorgte für ein wenig Ruhe im VfB-Lager. Arno van de Velde schnappte sich Stijn van Tilburg im Block (11:7), ehe Juhkami Ähnliches mit Hauke Wagner gelang (14:8). Die Rückkehrer vom Bodensee waren im Soll. Wie das aber im Sport manchmal so ist, wollte Friedrichshafen dann zu viel – vielleicht zu sehr zeigen, dass die Corona-Pause dem Team nichts anhaben konnte.

Rares Balean ging eine Annahme weg (18:15) und Weber traf die Linie nicht (18:18). Die Grizzlys fletschten die Zähne. Zuspieler Dejan Vincic musste nach einer misslungenen Annahme zaubern, fand jedoch eine Lösung (23:22) und schickte Linus Weber wieder an die Linie. Der 21-Jährige schenkte erst Menner, dann van Tilburg einen ein und machte den Satz für Friedrichshafen zu (25:22).

Im zweiten Satz blieb das Häfler Spiel – laut Mitteilung – ein wenig zittrig und die Grizzlys hatten mit Hauke Wagner auch einen Spieler an Bord, der die Punkte direkt mit dem Aufschlag machen kann (8:8). Als Balean dann nur den Block traf und den Pipe in Richtung Tribüne semmelte, war Giesen oben auf und den Häflern enteilt (13:16).

Der VfB wackelte in der Annahme, sodass Vincic wenige Anspielmöglichkeiten blieben. Und: Nur weil der Slowene zauberte (18:20) und Libero Avery Aylsworth mit einer starken Verteidigung Juhkamis Punkt glänzend vorbereitete (20:20), war der VfB nochmal dran. Als der Schiedsrichter – in dieser Phase des Spiel eine mutige Entscheidung – Kapurs Zuspielversuch als Doppelberührung wertete, hatte das Team von Cheftrainer Michael Warm sogar einen Satzball. Hauke Wagner wollte den Satzgewinn aber mehr (26:28).

Sich heran kämpfen und dann doch noch den Satz verlieren, versetzte den Häflern kurzzeitig einen Stich. Nach zwei verkorksten Annahmen und einem Abstimmungsproblem, führte der Tabellenneunte erneut (1:4). Weil aber die Stabilität zurückkehrte und Nehemiah Mote geschickt seinen Aufschlag ins Feld löffelte, lag der Rekordmeister bald wieder vorn (8:7). Es ging hin und her, wobei Giesen immer wieder Rares Balean im Service suchte.

Mit Weber und Juhkami hatte Vincic aber zwei sicher Bänke in der Offensive (15:15, 18:18). Wieder war es dann ein starker Aufschlag von Martti Juhkami, der Mote den direkten Punkt zur Führung servierte (22:21). Die nächste Breakchance verschenkte Balean noch (23:23), eher der Rumäne eine zu lange Annahme von Giesen in des Gegners Feld stopfte (24:22). Juhkami erlöste sein Team dann aber mit einem Hinterfeld-Angriff (25:23).

Durchgang vier begann wie die beiden Sätze zuvor. Giesen lieferte in der Verteidigung und Hauke Wagner machte jeden Ball – und das aus jeder erdenklichen Situation. Als Marcus Böhme und Nicolas Marechal ins Spiel kamen, führten die Grizzlys wieder mit 11:9. Der wichtigste Mann der Häfler blieb Linus Weber, denn er machte die wichtigen Punkte – zum Beispiel das Break zum 14:14.

Und dann passierte etwas mit Seltenheitswert. Wagner verschlug einen Angriff und setzte den nächsten in Juhkamis Block (18:16). Wieder sollte es aber nicht reichen. Stijn van Tilburg packte die Keule im Aufschlag aus (19:19). Nach Juhkamis zu kurzem Lob war dann wieder Giesen vorn (21:22) und Wagner zurück im Spiel. Erst sicherte er seinem Team den Satzball (23:24) und vollstreckte selbst mit seinem dritten Ass (23:25).

Giesen war also im fünften Satz angekommen – zum rekordverdächtig neunten Mal in dieser Saison. In diesem Entscheidungsdurchgang setzten aber die Häfler die ersten Ausrufezeichen. Juhkami blockte Menner (2:1) und Balean streute ein Ass ein (4:2). Noch ein Juhkami-Block und ein Ass des Esten (6:3, 9:5)sorgten für einen klaren Vorsprung.

Zumindest so lange, bis Eshenko mit seinem Service Druck auf Balean machte und erst Vincic die Serie der Giesener mit einem Leger durchbrach (10:8). Wagners Ass stellte trotzdem wieder alles „auf null“ (10:10). Weil aber auch Balean druckvoll servieren kann, bekam Böhme seine Chance auf das Break (13:11). Weber pflückte sich van Tilburg und stellte auf „Matchball“. Wieder Böhme machte den zweiten dann humorlos durch die Mitte (15:12).

„Es war das erwartet schwierige Spiel für uns. Man hat gespürt, dass wir nach der langen Pause müde waren“, sagte Martti Juhkami nach dem Spiel. „Es ist schon so, dass die Annahme nach so wenig Training schwierig ist. Das hat sich gezeigt. Und Giesen hat in vielen Elementen sehr gut agiert. Wir sind froh, dass wir das Spiel gewonnen haben.“