Verhüllung Triumphbogen Paris: Tuch wurde auf Maschine von Lindauer Dornier gewebt

Verhüllung Triumphbogen Paris: Tuch wurde auf Maschine von Lindauer Dornier gewebt
Der Triumphbogen gelegen inmitten des berühmten Kreisverkehrs am Place de l’Etoile heute Place Charles de Gaulle. (Bild: DORNIER)
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Redaktion

Lindau – Eigentlich wollte Christo den Arc de Triomphe in Paris schon 2020 verhüllen. Doch dann kam COVID-19 und kurz darauf starb der international bekannte Künstler. Nun hat sein Neffe Christos letztes Werk posthum vollendet. Das gewebte Tuch dafür lieferte ein deutscher Kunde der Lindauer DORNIER GmbH.

Bereits in den 1960er-Jahren hatten Christo und seine Frau Jeanne-Claude (1935 – 2009) die Idee für das Mammutprojekt: Der Triumphbogen, eines der geschichtsträchtigsten Monumente der französischen Hauptstadt, gelegen inmitten des berühmten Kreisverkehrs am Place de l‘Etoile, sollte sich in eines jener spektakulären Verhüllungskunstwerke verwandeln, mit denen Christo Weltruhm erlangte. Doch im Mai 2020 verstarb der „Meister der Verpackungen“, wie ihn der Deutschlandfunk in einem Nachruf nannte. Sein Neffe, Vladimir Yavachev, realisierte nun das finale „Œuvre“ des berühmten Onkels nach dessen Originalplänen.

Die DORNIER Greiferwebmaschine P2 – ein flexibles Werkzeug, nicht nur für Künstler

Vom 18. September bis zum 03. Oktober 2021 umspannen 25.000 Quadratmeter silberblaues Textil den 50 Meter hohen Triumphbogen, der 1806 von Napoleon zu Ehren seiner Siege in Auftrag gegeben und 1836 fertiggestellt wurde. Der hierbei verwendete, beschichtete Stoff aus recyceltem Polypropylen stammt von der traditionsreichen Weberei SETEX-Textil-GmbH aus Greven. Über einen Zeitraum von einem Jahr wurde er dort auf einer DORNIER P2 Greiferwebmaschine eigens für die Kunstaktion hergestellt.

„Für diese anspruchsvolle Aufgabe kam nur eine Webmaschine in Frage“, berichtet Konrad Schröer, Inhaber und Geschäftsführer des nordrhein-westfälischen Familienunternehmens. „Die P2 mit neuer Fachgeometrie, der gesteigerten Leistung in Verbindung mit unseren erfahrenen Webern und deren textilem Know-how stellen eine optimale Kombination dar“, so Schröer weiter.

Darüber hinaus fertigt SETEX auf der P2 Gewebe in höchster Qualität aus Glas, Polyester und Polypropylen – als Beschichtungsträger sowie zur Filtration.

Christos Werke: Hingucker auf Hightech-Basis

Schon bei früheren Arbeiten Christos, der seine „Verpackungsmittel“ stets sehr sorgfältig auswählte, war Technologie aus Lindau am Bodensee im Spiel. So wurden das Polypropylentuch, das 1995 spektakulär den Reichstag in Berlin verhüllte sowie das Material für Christos Projekt „The Gates“ im Central Park von Manhattan ebenfalls auf Greiferwebmaschinen aus dem Hause DORNIER gefertigt. Seit fast 60 Jahren stellen diese den Industriestandard bei der Verarbeitung von Hochleistungsgeweben dar und ihre neueste Generation – die P2 – setzt diese Tradition erfolgreich fort.

Der Arc de Triomphe im goldenen Morgenlicht. Die Farbwahl des silberblauen Gewebes spielt auf die Trikolore an, Frankreichs blau-weiß-rote Nationalflagge.
Der Arc de Triomphe im goldenen Morgenlicht. Die Farbwahl des silberblauen Gewebes spielt auf die Trikolore an, Frankreichs blau-weiß-rote Nationalflagge. (Bild: DORNIER)

Die technischen Eigenschaften der für die Kunstaktionen verwendeten Textilien sind dabei alles andere als trivial: Neben einer ausreichenden Beständigkeit gegen Windlasten, sind künstlerische Kriterien wie die Lichtreflektion oder der Faltenwurf wichtige Einflussgrößen. Das dafür entwickelte Gewebe muss daher eine in Richtung Leichtigkeit und Stabilität optimierte Konstruktion besitzen. Ökonomische und Recycling-Überlegungen spielen ebenfalls eine Rolle. Ersteres ist besonders von Bedeutung, da sämtliche Projekte Christos ohne eine Förderung der öffentlichen Hand auskommen.

Eine glorreiche Vergangenheit mit vielversprechender Zukunft

Das letzte Werk des Künstlers, der lange in Paris gelebt und 1985 mit der berühmten Pont-Neuf bereits die älteste Brücke der Stadt in Textil gehüllt hatte, ruft auch die eindrucksvolle Historie des Webens in Frankreich in Erinnerung.

Im Jahre 1805 erfand dort Joseph-Marie Jacquard, Sohn eines Webers in der damaligen Seidenmetropole Lyon, den lochkartengesteuerten Webstuhl. Damit revolutionierte er nicht nur die weltweite Textilproduktion, sondern legte zugleich mit dem Webstuhl als erster „programmierbarer“ Produktionsmaschine einen Grundstein für die heutige Automatisierung und Digitalisierung von Prozessen. Basierend auf dem webtechnischen Grundprinzip, das Jacquard vor über 200 Jahren entwickelte, fertigen Kunden von DORNIER in unseren Tagen aus Seide oder Carbonfasern unter anderem hochwertige Bekleidung, Heimtextilien und Bauteile für die Flugzeugindustrie.

Alle, die es bis zum 03. Oktober 2021 nicht persönlich nach Paris schaffen, können Christos letztes Werk auf der Webseite des Künstlers in einem Livestream bestaunen.

www.lindauerdornier.com

(Pressemitteilung: Lindauer Dornier)