«Vereint in Liebe»: Berlin feiert den CSD

«Vereint in Liebe»: Berlin feiert den CSD
Leicht gekleidete Matrosen auf der Leipziger Straße. (Bild: Christoph Soeder/dpa)
WOCHENBLATT
Redaktion

Endlich wieder ein «richtiger» CSD in Berlin, sagen viele. Und wollen bis zum Abwinken feiern. Eine politische Botschaft sendet die queere Community aber auch aus der Hauptstadt.

Berlin (dpa) – Laut, bunt und schrill: Nach zwei Jahren Einschränkungen wegen der Corona-Pandemie ist am Samstag in Berlin wieder eine große Partyparade zum Christopher Street Day (CSD) durch die Stadt gezogen.

Am Mittag startete der bunte Zug, zum dem die Veranstalter im Tagesverlauf mit bis zu 500.000 Teilnehmern erwarteten. Das Spektakel begann mit einer Kundgebung und einem Konfettiregen auf dem Spittelmarkt in Stadtbezirk Mitte.

Ziel: Brandenburger Tor

Der anschließende Demonstrationszug mit fast 100 Fahrzeugen, lauten House-, Disco- und Elektrobeats und viel fantasievoll gekleidetem Fußvolk führte auf einer 7,4 Kilometer langen Strecke durch mehrere Berliner Stadtteile zum Brandenburger Tor. Dort ist dann bis in den Abend hinein eine Abschlussparty mit Bühnenprogramm geplant.

Der Berliner CSD ist eine der größten Veranstaltungen der lesbischen, schwulen, bisexuellen, trans-, intergeschlechtlichen und queeren Community in Europa. Die Teilnehmer gehen einerseits gegen Gewalt und Benachteiligung an. Andererseits wollten sie eine sommerliche Mega-Party feiern und einfach Spaß haben. Das kam auch im Motto der Demonstration zum Ausdruck: Es lautete «Vereint in Liebe. Gegen Hass, Krieg und Diskriminierung».

Beim Demonstrationszug machten nach Angaben der Veranstalter 96 Fahrzeuge und mindestens 80 Fußgruppen aus aller Welt mit – so viele wie noch nie beim CSD in Berlin, der nun seine 44. Auflage erlebte. Darunter waren auch Menschen aus der Ukraine, die sich seit fünf Monaten eines russischen Angriffskrieges erwehren muss. Dieser Gruppe wurde ein Truck gestellt.

Laute Beats und bunter Konfettiregen

Für die Mega-Party haben sich viele Teilnehmer richtig in Schale geworfen: Ob ausladende Federkostüme in Pink, Glitzer-Hosen, goldene Röcke, schwarze Lederoutfits mit Maske oder einfach nur leichte Sommerklamotten – erlaubt ist, was gefällt. Auch einige fast nackte Frauen reihen sich in den Trubel ein, andere Teilnehmer fallen mit blau oder rosarot gefärbten Haaren auf. Entlang der Route: Tausende jubelnde Zuschauer, aus Gebäuden entlang des Zuges winken Menschen mit Regenbogenfahnen.

Die Trucks verbreiten Musik, Konfettiregen oder Kunstnebel, wippen teils im Takt, nach dem ihre Fahrgäste auf der Ladefläche tanzen. Unter den Fahrzeugen ist ein alter Omnibus mit ausgebauten Fenstern, der von oben bis unten mit roten und rosafarbenen Luftballons geschmückt worden war.

Doch es geht auch um politische Botschaften. Berlins Kultursenator Klaus Lederer erinnerte zur Eröffnung an den russischen Krieg gegen die Ukraine. «Tausende Menschen sind geflüchtet, darunter viele queere Menschen.» In Deutschland würden Menschen aus der Community diskriminiert, beklagte der Linken-Politiker, der selbst offen schwul ist. Der Kampf dagegen und für Gleichstellung müsse weitergehen. «Wir müssen uns emanzipieren.»

Regenbogenfahnen auf Dienstgebäuden des Bundes gehisst

Novum in Berlin: Anlässlich der 44. CSD-Auflage wehen erstmals Regenbogenfahnen am und auf dem Reichstagsgebäude, dem Sitz des Bundestags. Auch das Kanzleramt und andere Institutionen wie das Bundesinnen- oder das Bundesverteidigungsministerium setzen mit der Flagge ein Zeichen für Vielfalt und Toleranz. Erst im April hatte das Innenministerium offiziell die Genehmigung erteilt, dass das Symbol zu bestimmten Anlässen vor oder auf Dienstgebäuden des Bundes gehisst werden darf.

Der Christopher Street Day wird weltweit gefeiert. Zurück geht die Bewegung auf Ereignisse im Juni 1969, als Polizisten in New York eine Bar in der Christopher Street stürmten und so einen Aufstand von Schwulen, Lesben und Transmenschen auslösten.

In den letzten beiden Corona-Jahren fand der CSD in Berlin nur eingeschränkt statt. 2020 wurde die Parade offiziell abgesagt, einige Tausend Menschen gingen trotzdem bei einer Alternativveranstaltung auf die Straße. 2021 demonstrierten Zehntausende bei einer abgespeckten CSD-Parade unter strikten Corona-Auflagen, zudem galt ein Alkoholverbot.