Unterstützung für Jugendliche in Corona-Zeiten

Unterstützung für Jugendliche in Corona-Zeiten
Auch in Corona-Zeiten bietet die Caritas in Friedrichshafen Kontakt- und Gesprächsmöglichkeiten an – hier PFL-Mitarbeiter Norbert Hensel mit einer Jugendlichen beim Billardspiel im Caritas-Zentrum. (Bild: Caritas)
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Redaktion

Psychologische Familien- und Lebensberatung der Caritas Bodensee-Oberschwaben in Friedrichshafen bietet auch in Lockdown-Zeiten Hilfe, Austausch und Beratung

Friedrichshafen – Für viele Kinder und Jugendliche ist das Leben gerade ziemlich schwierig. Home-Schooling, Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen, geschlossene Clubs, keine Treffen mit Freunden, kein Vereinssport – „die Corona-Pandemie hinterlässt überall ihre Spuren, auch gerade bei den Jugendlichen“, sagt Diplom-Psychologin Annika Dohrendorf, Leiterin der Psychologischen Familien- und Lebensberatung (PFL) der Caritas Bodensee-Oberschwaben in Friedrichshafen. Junge Menschen, die gerade im Begriff sind, von der Familie loszulassen, leiden unter dem Lockdown, der sie zum ständigen Ausharren in der eigenen Familie zwingt – ohne Routine- oder Ortswechsel. „Teenager vermissen zunehmend die Freiheit und Unbefangenheit ihrer Generation“, gibt Annika Dohrendorf zu bedenken. Stattdessen prägen Einsamkeit und Isolation den Alltag der Jugendlichen, Angststörungen und Depressionen nehmen zu. Aktuellen Umfragen und Studien zufolge fühlen sich mehr als 70 Prozent der befragten Kinder und Jugendlichen durch die Corona-Krise seelisch belastet.

„Bei uns finden Jugendliche Ansprechpartner und können frei und sicher über ihre Themen und Probleme reden. Wir sind auch in Corona-Zeiten für sie da und gut erreichbar“, sagt PFL-Mitarbeiter Norbert Hensel. Per Telefon, E-Mail oder auch persönlich vor Ort kann die Beratungsstelle kontaktiert werden. Zahlreiche Beratungen und Gespräche erfolgen derzeit Corona-bedingt am Telefon, über E-Mail, in Videokonferenzen, über die Caritas Onlineplattform oder neue digitale Kommunikationsformate. Die Möglichkeit eines Chats soll in Kürze gestartet werden. „Aber auch persönliche Face-to-Face-Beratungen sind nach vorheriger Terminabsprache möglich – natürlich unter Einhaltung der geltenden Hygiene- und Abstandsregeln“, so Hensel. Gerade Jugendliche suchten aktuell vermehrt den persönlichen Kontakt und kämen gerne zu Präsenzterminen, um ihrem routinelosen Alltagsgrau zu entfliehen und mit Personen außerhalb ihrer Familie zu sprechen. Im Caritas-Zentrum in Friedrichshafen gibt es einen Jugendraum mit Tischkicker und Billardtisch, der den Corona-Anforderungen gerecht wird und einen spielerisch-geselligen Austausch ermöglicht. „Wir halten beim Billardspielen die erforderliche Distanz zueinander ein und können dabei ungezwungen miteinander reden“, berichtet Hensel. Auch gemeinsame Spaziergänge an der frischen Luft bieten die PFL-Berater an. Beim „Walk and Talk“, so ihre Erfahrungen, spreche es sich oft leichter.

„Termine mit uns können Teil einer Tagesstruktur sein, die derzeit vielen fehlt“, sagt Hensel und berichtet von einem wöchentlichen Telefonkontakt zu einem Jugendlichen. Dieser halte seit vielen Wochen die Gesprächstermine konsequent ein, auch wenn es manchmal nur Alltägliches zu bereden gebe. Durch den Kontakt mit der Beratungsstelle, die persönlichen Gespräche und den respektvollen Umgang seien Jugendliche besser in der Lage einzuordnen, was gerade mit ihnen passiert und bei ihnen abläuft. In der Altersgruppe der 15- bis 17-Jährigen etwa seien derzeit durch die Schulschließungen Zukunftsperspektiven ins Wanken geraten. Die Sorge um Schulabschlüsse, Ausbildungsplätze und generell Existenzängste seien sehr verunsichernd, so Hensel weiter. Sorgen um die eigene Familie und Gesundheitsängste seien auch bei den 13- bis 15-Jährigen derzeit weit verbreitet, berichtet Annika Dohrendorf. 

„Unsere Beratung kostet nichts – außer den Mut, mit uns Kontakt aufzunehmen und über die eigenen Probleme zu sprechen.“ Auch anonyme Beratungen sind möglich. Die PFL-Mitarbeiter unterliegen der Schweigepflicht. Auch Eltern seien in der Corona-Krise verstärkt belastet und mit Betreuungs-, Arbeits- oder finanziellen Problemen konfrontiert, gibt Annika Dohrendorf zu bedenken. „Für die Erwachsenen ist es derzeit eine große Herausforderung, die eigenen Sorgen zu bewältigen und gleichzeitig ihre Kinder aufzufangen, damit sie nicht immer mehr in die Isolation oder sogar Depression abdriften.“ Auch hier bietet die Psychologische Familien- und Lebensberatung der Caritas niederschwellig Rat und Hilfe. „Wir sind keine therapeutische Einrichtung. Wir hören aber gerne zu, nehmen uns für alle Ratsuchenden Zeit und suchen gemeinsam nach Problemlösungen.“ Bei Bedarf vermitteln die Berater auch an andere Dienste und Einrichtungen in ihrem Netzwerk.         

Kontakt: Psychologische Familien- und Lebensberatung (PFL) der Caritas Bodensee-Oberschwaben, Montag bis Freitag von 9 bis 12 Uhr sowie Montag bis Donnerstag von 14 bis 17 Uhr, Telefon 07541 3000-0, pfl-fn@caritas-bodensee-oberschwaben.de, www.caritas-bodensee-oberschwaben.de.