Umsatzflaute in den Apotheken?

Umsatzflaute in den Apotheken?
Florian Becker von der „Beckerschen Apotheke“ in Bad Waldsee. (Bild: le)

Bad Waldsee (le) – Jetzt beginnt die klassische Erkältungszeit. Man hustet und niest im Büro, an der Bushaltestelle, im Wartezimmer beim Arzt oder beim Einkaufen. Ein Gang zur Apotheke schafft Linderung. In diesem Jahr sieht das wegen der anhaltenden Corona-Maßnahmen anders aus. Die Apotheker merken nicht nur bei den Erkältungsmitteln einen Umsatzeinbruch. Laut RKI gibt es einen Rückgang bei der Grippe und auch bei Magen-Darm-Infekten mit dem Norovirus. In Apotheken wird auch viel weniger nach Läusemittel verlangt. Wir haben bei Florian Becker von der „Beckerschen Apotheke“ Bad Waldsee nachgefragt.

Maskenpflicht, Abstandsregelungen, Homeoffice und eine effektive Händehygiene sollen vor Corona schützen. So wie es aussieht, schützen all die Maßnahmen auch vor Grippe & Co. Was ist Ihnen als Apotheker aufgefallen?

Abstände und effektive Hygiene schützen natürlich vor allen Infektionskrankheiten. Entsprechend stellen wir auch in der Apotheke einen deutlichen Rückgang dieser Erkrankungen fest. Husten, Schnupfen, Heiserkeit – damit kommen jetzt deutlich weniger Patienten in die Apotheke.

Konnten Sie Umsatzeinbrüche bei rezeptfreien Medikamenten feststellen?

Zunächst mal sind wir über jeden Menschen froh, der gesund bleibt. Trotzdem bedeutet das für die Apotheken natürlich einen nicht unerheblichen Umsatzrückgang in einem der wichtigsten Sortimente, den wir auch nicht kompensieren können.

Ist dafür die Nachfrage bei Mitteln zur Stärkung des Immunsystems gestiegen?

Die Nachfrage ist in diesem Bereich gestiegen. Tatsächlich kann man hier auch einiges tun und es empfiehlt sich auf jeden Fall, sich in der Apotheke vor Ort beraten zu lassen.

Wie oft ging früher ein Präparat gegen Läuse über Ihren Tisch und wann war die letzte Nachfrage?

Mittel gegen Läuse werden normalerweise ganzjährig gebraucht. Immer wieder gibt es in Schulen und Kindergärten Ausbrüche. Allerdings ist es auch hier so, dass mehr Abstand der Kinder voneinander und die zeitweilige Schließung der Einrichtungen zu einem Rückgang der Übertragungen geführt hat. Präparate gegen Läusebefall haben wir vereinzelt auch in diesem Jahr verkauft, allerdings deutlich weniger als in allen Jahren zuvor.

Der Rückgang bei Durchfallerkrankungen soll ebenfalls hoch sein?

Auch das ist richtig. Norovirusinfektionen treten normalerweise regelmäßig auf und auch hier ist ein Rückgang zu beobachten. Mangels Reisen spielte natürlich auch der Reisedurchfall dieses Jahr kaum eine Rolle.

(Bild: le)

Gegen eine Erkältung und einen grippalen Infekt gibt es keinen Impfstoff. Sehen Sie die Hygienemaßnahmen und die Maskenpflicht als zukünftiges Mittel der Wahl in der Erkältungssaison?

Sie haben recht: Man muss die Influenza, also die „echte“ Grippe gegen die man impfen kann von den grippalen Infekten bzw. Erkältungen unterscheiden. Aber auch diese werden in der Regel von Viren verursacht, vor denen man sich ebenfalls mit den AHA-Regeln schützen kann. Ob wir allerdings „nach Corona“ eins zu eins so weitermachen wollen, bezweifle ich doch stark. Und wenn das dann mal nicht gelingt, gibt es schnelle Hilfe in der Apotheke vor Ort.

Haben Sie Kunden, die mit Erkältungssymptomen und einer gewissen Angst zu Ihnen kommen und sich den Arztbesuch sparen wollen?

Natürlich gibt es zur Zeit immer wieder Kunden, die bei Erkältungssymptomen unsicher sind, ob es auch Anzeichen einer COVID-19 Erkrankung sein könnten und auch Kunden, die sich ungern mit anderen Patienten ins Wartezimmer setzen möchten. Hier gilt es, diese Menschen gut zu beraten, ihnen Sicherheit zu geben, aber auch zu einem Arztbesuch zu raten, wenn er nötig ist. 

Ist die Nachfrage nach Desinfektionsmitteln rückgängig?

Die Nachfrage ist heute geringer, als in der Erstphase der Pandemie, ja. Damals im März und April brach die Versorgung komplett zusammen. Dadurch, dass die Apotheken zum Teil in Nachtschichten selbst  Desinfektionsmittel hergestellt haben, konnte der Bedarf trotzdem gedeckt werden. Hier hat sich die Lage momentan wieder etwas entspannt, aber wir könnten jederzeit wieder loslegen.

Mit echten und gefälschten FFP-Masken gab es einige Probleme. Sind die Kunden sensibilisiert und schauen genau drauf, was sie kaufen?

Der Markt für FFP-Masken ist sehr unübersichtlich und es ist z.T. schwer zu beurteilen, welche Zertifikate für Europa bzw. Deutschland anerkannt werden. Auch das Gesundheitsministerium hatte ja einige Schwierigkeiten mit der Beschaffung.
Natürlich gibt es gelegentlich Nachfragen, aber im Großen und Ganzen ist unsere Erfahrung, dass sich die Kunden darauf verlassen, in der Apotheke korrekt zertifizierte Ware zu bekommen.

Was ist Ihr persönlicher Gesundheits-Tipp für die kalte Jahreszeit?

Ausgewogene Ernährung mit viel Obst und Gemüse ist für die Versorgung mit Mikronährstoffen wichtig. Außerdem ist auf die Versorgung mit Vitamin D zu achten, das beim Immunsystem eine wichtige Rolle spielt. Und: Möglichst viel Bewegung an der frischen Luft. Das stärkt die Abwehrkräfte und hebt außerdem die Laune, was in diesen Zeiten sicherlich auch nicht schadet.

Das Wochenblatt – Team bedankt sich für das tolle Interview!