EURO 2024 Wie sicher wird die Fußball-EM?

Wie sicher wird die Fußball-EM?
Sicherheit hat für die deutschen Behörden bei der Fußball-EM oberste Priorität. (Bild: Tom Weller/dpa)

Deutsche Presse-Agentur

Schwieriger könnte die Lage rund um die EM kaum sein. Sicherheitskräfte bereiten sich nicht nur auf mögliche Terroranschläge vor.

Millionen Gäste aus aller Welt, volle Stadien und Gedränge beim Public Viewing: Die Fußball-Europameisterschaft vom 14. Juni bis 14. Juli stellt die deutschen Sicherheitsbehörden vor enorme Herausforderungen.

Im Vergleich zu einem Besuch bei Bundesliga-Spielen müssen sich Gäste auf strengere Kontrollen einstellen. Experten bereiten sich auf diverse Bedrohungslagen vor. Die Deutsche Presse-Agentur beantwortet die wichtigsten EM-Fragen zum Thema Sicherheit.

Wie viele Fans werden in Deutschland erwartet?

Die Plätze rund um die zehn Gastgeberstadien sowie die Fanmeilen werden voll sein. «Wir werden 2,7 Millionen Fans in den Stadien und bis zu 12 Millionen Fans in den Fanzonen in den zehn Ausrichterstädten erleben», hatte Bundesinnenministerin Nancy Faeser gesagt. Davon werden laut 2,5 Millionen Gäste in Berlin erwartet. Auf die Fanmeile am Brandenburger Tor etwa, die zum Riesenerfolg der WM 2006 mit beigetragen hat, sollen pro Spiel bis zu 130.000 Besucher strömen.

Auf welche Kontrollen müssen sich Stadion-Besucher einstellen?

Die Gäste kommen in zwei Schritten in die Arenen. Am Zugang zu einem ersten, äußeren Sicherheitsring werden die ausschließlich elektronischen Tickets auf den Mobiltelefonen der Besucher visuell durch Sicherheitspersonal überprüft. Außerdem werden dort die Person und die mitgebrachten Gegenstände durchsucht. Am anschließenden inneren Sicherheitsring wird das Ticket am Drehkreuz überprüft. «Bei erfolgreicher Prüfung ist die Person durchsucht und im Besitz eines gültigen Tickets auf dem Stadiongelände», teilte das Organisationskomitee mit.

Welche Bedrohungslagen gibt es?

Die Eskalation im Nahen Osten sowie der russische Angriffskrieg auf die Ukraine könnten das Turnier beeinflussen. Bei Großveranstaltungen mit entsprechender medialer Aufmerksamkeit bestehen aber noch viele weitere Risiken. «Unser Fokus reicht von der Bedrohung durch islamistischen Terror, über Hooligans und andere Gewalttäter bis hin zu Cyberangriffen», sagte Faeser. Das Organisationskomitee ergänzte, dass auch witterungsbedingte Umstände wie enorme Hitze, Massenpaniken oder technische Zwischenfälle Risiken darstellten.

Welche Orte sind bei der EM besonders gefährdet?

In der Sicherheitsforschung unterscheidet man zwischen harten und weichen Zielen. «Stadien gehören als geschlossene Gebäude mit ihren Zugangs- und Sicherheitskontrollen eher zu den ersteren. Daher sind Anschläge auf weiche Ziele im öffentlichen Raum wie Stadienzufahrten, Fanmeilen oder Public Viewings wahrscheinlicher, da die Absicherung großer Menschenmassen hier schwieriger ist», sagte Terrorexperte Johannes Saal der Deutschen Presse-Agentur und nannte als Beispiel das Attentat in Brüssel. Am Rande des EM-Qualifikationsspiels zwischen Belgien und Schweden waren 2023 zwei schwedische Fußball-Fans erschossen worden. Die islamistische Terrormiliz Islamischer Staat hatte die Tat für sich reklamiert.

Wie bereiten sich Bund und Länder auf mögliche Gefahren vor?

Das sogenannte International Police Coordination Center (IPCC) in Neuss soll für die Auswertung sicherheitsrelevanter Informationen rund um das Turnier sorgen sowie für den Austausch von Informationen zwischen Bund und Ländern. Neben Polizisten finden Experten von Verfassungsschutz, Bundesnachrichtendienst und der Cybersicherheitsbehörde BSI Platz. Dabei geht es laut BMI um allgemeine, organisierte oder politisch motivierte Kriminalität, Hooliganismus oder die Begleitung von Demonstrationen im Umfeld der Spielstätten.

Welche Sicherheitsmaßnahmen gibt es noch?

Wie bei solchen Großereignissen üblich sollen auch zur EM die deutschen Grenzen schärfer kontrolliert werden. Das wird aber keine heruntergeklappten Schlagbäume bedeuten, sondern auf stichprobenartige Kontrollen herauslaufen. Deutschland hatte unter anderem zur WM 2006 schon zeitweilige Grenzkontrollen eingeführt. Zur Absicherung des Turniers wird auch mit Teilnehmer- und Anrainerstaaten eng zusammengearbeitet. «Die Bundespolizei wird bei Ihrem Einsatz von weit über 300 ausländischen Polizeibeamtinnen und -beamten aus den Teilnehmernationen unterstützt. Eine besonders enge Zusammenarbeit besteht mit Frankreich zur Fußball-EM in Deutschland und den Olympischen Spielen in Paris», teilte ein BMI-Sprecher mit.