Neuer Ministerpräsident, geändertes Wahlrecht, neue Parteien im Landtag? Bei der Landtagswahl am 8. März steht in Baden-Württemberg viel auf dem Spiel. Ein Überblick über die wichtigsten Fragen und Antworten.
Seit 2011 wird Baden-Württemberg von den Grünen regiert. Viele junge Menschen kennen ein Bundesland ohne Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) gar nicht mehr. Bei der kommenden Wahl am 8. März 2026 tritt der langjährige Regierungschef nicht erneut an – und es könnte zu deutlichen Veränderungen kommen. Die wichtigsten Fragen zur Landtagswahl im Überblick.
Was wird gewählt?
Die Wählerinnen und Wähler entscheiden mit zwei Kreuzen auf dem Stimmzettel über die Zusammensetzung des Landtags in der 18. Wahlperiode. Diese dauert fünf Jahre und erstreckt sich regulär von 2026 bis 2031. Im aktuellen Landtag stellen die Grünen mit 57 von 154 Abgeordneten die stärkste Fraktion. Die CDU kommt auf 43 Mandate. SPD und FDP sind jeweils mit 18 Abgeordneten vertreten, die AfD mit 17. Ein Abgeordneter ist nach Angaben des Landtags fraktionslos.
Was wird nicht gewählt?
Nicht direkt gewählt wird der neue Regierungschef. Wer Ministerpräsident von Baden-Württemberg wird, entscheiden die Wählerinnen und Wähler bei der Landtagswahl lediglich indirekt. Der Ministerpräsident wird vom Landtag gewählt, nicht vom Volk.
Wer künftig die Geschicke in der Villa Reitzenstein lenkt, hängt daher davon ab, welche Partei die meisten Stimmen erhält und welche Koalitionen nach der Wahl gebildet werden. Als aussichtsreiche Kandidaten gelten derzeit CDU-Landeschef Manuel Hagel und der Grünen-Spitzenkandidat Cem Özdemir. Zwar tritt auch die AfD mit einem Ministerpräsidentenkandidaten an, doch Landeschef Markus Frohnmaier hat keine realistischen Chancen, da keine andere Partei eine Koalition mit der AfD eingehen will.
Was macht der Landtag eigentlich genau?
Die Abgeordneten des Stuttgarter Parlaments vertreten rund 11 Millionen Baden-Württembergerinnen und Baden-Württemberger und beschließen die Landesgesetze. Zuständig ist das Land unter anderem für Bildung, Innere Sicherheit und Justiz. Zudem entscheidet der Landtag über den Haushalt und damit darüber, wofür die Steuergelder der Bürgerinnen und Bürger verwendet werden. Außerdem kontrolliert er die Landesregierung und wählt den Ministerpräsidenten.
Wer darf wählen?
Nach Schätzung des Statistischen Landesamtes sind rund 7,7 Millionen Menschen bei der Landtagswahl wahlberechtigt. Abstimmen dürfen deutsche Staatsbürgerinnen und Staatsbürger, die am Wahltag mindestens 16 Jahre alt sind und seit mindestens drei Monaten ihren Hauptwohnsitz in Baden-Württemberg haben. Neu ist: Bislang lag das Wahlalter bei 18 Jahren. Durch eine Änderung des Wahlrechts dürfen nun auch 16- und 17-Jährige ihre Stimme abgeben.
Wie wird gewählt?
Bei der Wahl am 8. März 2026 können die Wählerinnen und Wähler erstmals zwei Kreuze machen – zuvor war es nur eines. Das neue Verfahren ähnelt der Bundestagswahl: Mit der Erststimme wird ein Wahlkreisabgeordneter gewählt, der den Wahlkreis im Landtag vertritt. Mit der Zweitstimme entscheiden sich die Wahlberechtigten für die Landesliste einer Partei. Diese Zweitstimme ist ausschlaggebend für die Sitzverteilung im Parlament und damit für die Machtverhältnisse im Landtag.
Wer tritt an?
In den Umfragen liegt die CDU derzeit deutlich vorn und geht mit ihrem Landeschef Manuel Hagel ins Rennen. Der 37-Jährige ist seit 2021 Fraktionsvorsitzender im Landtag und wäre im Falle eines Wahlsiegs der jüngste Ministerpräsident in der Geschichte Baden-Württembergs.
Für die Grünen kandidiert Cem Özdemir als Spitzenkandidat. Der 60-Jährige ist seit Jahrzehnten politisch aktiv, war unter anderem Bundestags- und Europaabgeordneter, Parteivorsitzender der Grünen sowie Bundeslandwirtschaftsminister und nach dem Bruch der Ampel-Koalition kurzzeitig auch Bundesbildungsminister.
Die SPD tritt mit Landes- und Fraktionschef Andreas Stoch an, bei der FDP führt Landes- und Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke die Liste an. Die AfD schickt den Bundestagsabgeordneten Markus Frohnmaier ins Rennen, der allerdings nicht für ein Landtagsmandat kandidiert. Er würde nur nach Baden-Württemberg wechseln, falls er Ministerpräsident würde – was als nahezu ausgeschlossen gilt. Erstmals Chancen auf den Einzug in den Landtag hat zudem die Linke.
Was sind die wichtigen Themen?
Umfragen zufolge ist das Thema Zuwanderung für viele Menschen weiterhin das wichtigste, auch wenn seine Bedeutung langsam abnimmt. Ebenfalls zentral sind Fragen rund um Bildung, Schule und Ausbildung. An Bedeutung gewinnt zudem das Thema Wirtschaft, insbesondere vor dem Hintergrund zahlreicher Krisenmeldungen aus der für das Land wichtigen Autoindustrie. Darauf wollen auch die Parteien im Wahlkampf setzen: Die Wirtschaft nimmt in allen Parteiprogrammen einen zentralen Stellenwert ein.