Junge Menschen in Baden-Württemberg haben es zunehmend schwer, eine Wohnung zu finden, während viele Ältere ihre Mieten kaum noch bezahlen können. Der anhaltende Wohnungsmangel entwickelt sich damit immer mehr zu einer Bremse für die wirtschaftliche Entwicklung.
Nach Einschätzung des Pestel-Instituts hat der Wohnungsmangel in Deutschland bereits Ende 2024 einen neuen Höchststand erreicht. Bundesweit fehlten zu diesem Zeitpunkt rund 1,4 Millionen Wohnungen. Eine Entspannung ist laut der Studie auch in den kommenden Jahren nicht zu erwarten, wie Pestel-Chefökonom Matthias Günther in Berlin erklärte. In Baden-Württemberg liegt das Defizit der Erhebung zufolge bei 196.000 Wohnungen.
Für den Zeitraum von 2025 bis 2030 beziffert das Wirtschaftsforschungsinstitut den Gesamtbedarf im Südwesten auf bis zu 362.000 neue Wohnungen. Um diesen Bedarf zu decken, müssten in Baden-Württemberg jährlich etwa 60.300 Wohnungen neu entstehen.
Deutschlandweit rechnet das Institut in naher Zukunft jedoch nur mit dem Bau von rund 200.000 Wohnungen pro Jahr – und damit mit etwa der Hälfte des angenommenen jährlichen Bedarfs. Der Wohnungsmangel ist der Analyse zufolge inzwischen zu einer Wirtschaftsbremse geworden. Ohne einen deutlichen Aufschwung im Wohnungsbau könnten keine Zuwanderer für die Arbeitsmärkte gewonnen werden, „und unser Land wird die Wachstumsschwäche nicht überwinden können“, heißt es in dem Papier.
Junge und Alte leiden gleichermaßen
Auftraggeber der Studie war das Bündnis Soziales Wohnen, ein Zusammenschluss aus dem Deutschen Mieterbund, der IG Bau, der Gesellschaft für Mauerwerks- und Wohnungsbau sowie weiteren Organisationen. Das Bündnis fordert einen Bund-Länder-Pakt für den Wohnungsbau, insbesondere mit Blick auf den Bau zusätzlicher Sozialwohnungen.
Am stärksten betroffen sind laut Studie junge Menschen bis 25 Jahre sowie ältere Menschen. Die Jüngeren seien auf dem Wohnungsmarkt zur „benachteiligten Gruppe“ geworden. Viele ältere Bewohnerinnen und Bewohner von Großstädten könnten sich nach dem Ende ihres Arbeitslebens ihre Mietwohnungen nicht mehr leisten und müssten wegziehen. Die Ökonomen verweisen dabei ausdrücklich auf München und Hamburg, die von älteren Menschen in größerer Zahl verlassen würden.