Die Jury hat den Begriff «Sondervermögen» zum «Unwort des Jahres» 2025 gewählt. Er habe die politischen Debatten maßgeblich geprägt, seine tatsächliche Bedeutung sei jedoch nicht unmittelbar erkennbar.
Der Ausdruck «Sondervermögen» ist zum «Unwort des Jahres» 2025 gekürt worden. Das teilte die Jury der sprachkritischen Aktion Unwort des Jahres am Morgen in Marburg mit.
Zur Begründung erklärte die Jury, der ursprünglich aus der Wirtschafts- und Rechtssprache stammende Begriff verdecke in der öffentlichen Kommunikation, was tatsächlich gemeint sei – nämlich die Aufnahme von Schulden.
Der im vergangenen Jahr verstärkt im öffentlich-politischen Sprachgebrauch verwendete Ausdruck habe «sehr deutlich die politischen Debatten über Staatsverschuldung und Investitionsprogramme» geprägt, hieß es weiter.
Jury sieht irreführende Bedeutung
Im allgemeinen Sprachgebrauch werde unter «Sondervermögen» eine besondere, vom Gesamtvermögen abgetrennte Menge an Eigentum verstanden. Im haushaltspolitischen Fachdiskurs bezeichne der Begriff jedoch einen Nebenhaushalt, der zur Erfüllung bestimmter Aufgaben eingerichtet werde und mit der Aufnahme von Schulden oder einer Kreditermächtigung verbunden sei.
Der Ausdruck habe sich im öffentlichen Diskurs verselbstständigt, stellte die Jury fest. Viele Bürgerinnen und Bürger seien mit dieser speziellen Bedeutung nicht vertraut und orientierten sich an der alltagssprachlichen Auslegung. «Durch diese Diskrepanz tritt eine irreführende euphemistische Bedeutung des Wortes deutlich in den Vordergrund.»
«Zustrombegrenzungsgesetz» auf Rang zwei
Den zweiten Platz belegte der Ausdruck «Zustrombegrenzungsgesetz». Dieser bediene sich einer «Wassermetapher» und stelle Zuwanderung als «Herbeiströmen in großen Mengen» dar, so die Jury. Dadurch werde Migration negativ als Bedrohung konnotiert.
Die Jury der institutionell unabhängigen und ehrenamtlichen Aktion besteht aus vier Sprachwissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern, einer Journalistin sowie jährlich wechselnden Mitgliedern.
In diesem Jahr gehörte unter anderem der Autor, Jurist und Journalist Ronen Steinke dem Gremium an. Sein persönliches «Unwort des Jahres» ist der Begriff «Umsiedlung», mit dem israelische und amerikanische Politiker im vergangenen Jahr dafür geworben hätten, die Bevölkerung des umkämpften Gazastreifens dauerhaft in ein anderes Land zu schicken. «Was klingt wie eine Wohltat, verschleiert ein Verbrechen», so die Jury.
Mehr als 2.600 Einsendungen
Das «Unwort des Jahres» wird aus Vorschlägen ausgewählt, die Bürgerinnen und Bürger jeweils bis zum 31. Dezember eines Jahres einreichen können. In diesem Jahr gingen 2.631 Einsendungen ein, die insgesamt 533 verschiedene Begriffe enthielten. Rund 70 davon entsprachen den Kriterien der Jury.
Berücksichtigt werden Begriffe und Formulierungen, die gegen die Prinzipien der Menschenwürde oder der Demokratie verstoßen, gesellschaftliche Gruppen diskriminieren oder als euphemistisch, verschleiernd oder irreführend gelten.
Wie häufig ein Begriff vorgeschlagen wird, spielt für die Entscheidung keine Rolle. Für das Jahr 2024 war «biodeutsch» zum «Unwort des Jahres» gewählt worden.